2015-03-31

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 24.01.1805 (983)




AN GOETHE.

Weimar, 24. Januar 1804.

Ich schicke Ihnen einstweilen zurück, was ich von dem Rameau durchlesen, der Rest soll morgen nachfolgen. Es ist sehr wenig, was ich dabei zu notieren gefunden, und manches mag darunter sein, was auch nur Mir auffiel.

Ich habe acht gegeben, ob die Übersetzung des französischen Vous durch das Ihr nicht hie und da eine Ungeschicklichkeit haben könnte, aber ich habe nichts der Art bemerkt. Es war auf jeden Fall besser als sich des Sie zu bedienen.

Im Punkt der Dezenz wüßte ich nicht viel zu erinnern. Allenfalls könnte man sich bei den unanständigen Worten mit den Anfangsbuchstaben begnügen und dadurch dem Wohlstand seine Verbeugung machen, ohne die Sache aufzuopfern.

In meinem Hause sieht es noch wie im Lazarett aus, doch vertröstet uns der Doktor daß es mit dem Kleinen nichts zu bedeuten habe.

Nehmen Sie sich vielleicht der Phädra ein wenig an? In den einzelnen Rollen meine ich; besonders möchte nötig sein, dem Hippolyt auf die rechte Spur zu helfen. Er hatte, als er neulich las, allzuviel Heftigkeit in seiner Deklamation, die er mit Kraft und Pathos verwechselt.

Leben Sie recht wohl und mögen Sie uns bald wieder als ein guter Geist erscheinen.

Sch.
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