2015-03-31

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 28.02.1805 (988)




AN SCHILLER.

Weimar den 28. Februar 1805.

Sie haben mir eine große Freude gemacht durch die Billigung meiner Rezensionen. Bei solchen Dingen weiß man niemals, ob man nicht zu viel tut, und durch das zu wenig wird es eben gar nichts. Bei den Anmerkungen zum Rameau, die ich jetzt nach und nach diktiere, will ich mich auf ähnliche Weise gehen lassen, um so mehr als der Text von der Art ist, daß die Anmerkungen auch wohl gewürzt sein dürfen. Es läßt sich bei dieser Gelegenheit manches frei über die französische Literatur sagen, die wir bisher meistens zu steif, entweder als Muster, oder als Widersacher, behandelt haben. Auch weil überall in der Welt dasselbe Märchen gespielt wird, findet sich bei recht treuer Darstellung jener Erscheinungen gerade das, was wir jetzt auch erleben.

Ich wünsche sehr Sie wiederzusehen. Wagen Sie sich aber doch nicht zu früh aus, besonders bei dieser wilden Witterung.

Neues habe ich heute nicht zu senden und wünsche also nur von Herzen baldige Besserung.

G.
Übersicht aller Briefe                                                                                                   nächster Brief

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de