2015-03-31

Gedichte von O.Loerke: Das edle Roß (5)



Das edle Roß

Du darfst nicht fromm verachten, was du hassest.
Manch Sanftem geht der Weltensinn verloren.
Ein edles Roß ist unsanft ohne Sporen.
Sieh zu, daß du die Feuermähne fassest!

Bist du ein Drechsler nur, so magst du drechseln.
Bist du ein freier Reiter: du mußt reiten!
Nach Pferdepflegern sieh dich um beizeiten:
Den Ekel und den Abscheu, laß sie wechseln!

Der Ritt gradaus zum Tode macht Beschwerden,
Du lerntest unterwegs schon manche kennen.
Doch wenn sich freche Bruten Schicksal nennen,
Mußt du, mein Haß, des Schicksals Schicksal werden!

Viel Eidgenossen werden mit dir fallen,
Das Roß wird ledig um den Erdball fahren.
Die Blinden freilich werden’s nicht gewahren,
Nur dunkel mit den dunklen Fäusten ballen.


Alle Gedichte von Loerke                                                                                        nächstes Gedicht

alle Themen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de