2015-05-31

Briefwechsel Goethe mit seiner Frau Christiane: Zwischentext (241)




1815

Wie in den letzten Monaten des vergangenen Jahres, so arbeitet Goethe zu Anfang des neuen mit jugendlicher Kraft an seiner neuesten Aufgabe: der dichterischen Aneignung der persisch-orientalischen Welt; daneben fördert er rüstig die neue Gesamtausgabe seiner Werke. Christiane aber beginnt unversehens ernstlich zu erkranken. Lakonisch vermerkt das Tagebuch unterm 9.Januar (einem Montag): >Doppelter Unfall. Mittag gestört. Herstellung<; und nicht minder dunkel, für uns wenigstens, heißt es einige Tage später in einem Brief Goethes an den Minister von Voigt: > Freilich war der Unfall erzeugende Unfall, den mir ein wunderlich Geschick Dienstag [?] zwischen 1 und 2 Uhr zudachte, etwas derb, und nur die liebevolle Theilnahme würdiger Freunde und Freundinnen (bei denen alles Gute verweilen möge!) konnte uns so schnell wieder aufrichten und herstellen, wenn ich gleich nicht leugnen will, daß die Nachempfindung mir noch in allen Gliedern liegt.< Es scheint, daß durch die Überfülle des Blutes, die Christiane öfters zu schaffen gemacht hatte, jetzt ein Schlaganfall verursacht worden war. An den Arzt Kieser in Jena schreibt Goethe unterm 27. Februar: »Meine Frau wird in diesen Tagen nach Jena gehen, da ihr eine Ortsveränderung und Zerstreuung sehr nöthig thut. Haben Sie die Güte, ihr einige Aufmerksamkeit zu schenken. Herr Hofrath Stark ist vor; allem unterrichtet, es würde mir sehr erwünscht sein, wenn Sie mit ihm über ihren Zustand conferiren möchten.« Unterm 1. März heißt es im Tagebuch: >Meine Frau ließ zur Ader<; tags darauf fährt Christiane in Begleitung von Madame Kirsch nach Jena, wo sie bis zum 13. in ärztlicher Behandlung bleibt.

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