31.05.2015

Briefwechsel Goethe mit seiner Frau Christiane: Christiane 19.07. 1815 (249)




1815

237. Christiane 

Karls-Bad, den 19. Juli 1815.

Deinen lieben Brief vom 11 .Juli habe ich den 18. erhalten und mich sehr gefreut. Daß Karl  krank geworden ist, betrübt mich, da Du wahrscheinlich manche Bequemlichkeit hast entbehren müssen. Mit mir gehet [es] nun auch alle Tage besser. Getrunken habe ich gestern zum letzten Mal; gebadet habe ich nur einmal, weil es mir nicht bekam. Nun soll ich noch 14 Tage nach Eger gehen und [versuchen,] ob mir das Baden dort bekömmt. Freitag, den 21., früh werde ich hingehen und denke also den 8. oder 9. August in Weimar zu sein. Solltest Du auch ein paar Tage früher kommen, so will
ich schon anordnen, daß Du alles in Ordnung finden sollst. Ich freue mich sehr, wieder nach Hause zu kommen, denn es fehlt einem doch an mancherlei im Auslande. Wenn wir erst wieder gesund zusammen sind, dann ist alles gut. Und ich denke, daß wir so ziemlich zusammen kommen.

Weimaraner sind viel hier. Dich grüßt die Heygendorf und Schopenhauer, und viele Karlsbader, welche sich Deiner erinnern. Wegen des schlechten Wetters haben wir wenig Veränderung gehabt, wir haben die Momente stehlen müssen; aber das Nötigste haben wir doch gesehen. Der Kutscher (1) hat sich musterhaft betragen. Aber ohne Equipage wäre es nicht möglich hier zu sein. Auch die Schimmelchen befinden sich wohl; sie fahren die Frau von Heygendorf alle Morgen ins Bad.

Der gestrige Tag war mir ein sehr erfreulicher Tag. Kurz nachher als ich Deinen lieben Brief erhalten, ging ich mit der Kirschen nach dem Choteckschen Weg und wollte noch einmal Madame Mayer besuchen, wo sie mir sagte, daß Du einen Orden vom Kaiser (2) erhalten hättest oder würdest. Damit Du mir glaubst, so überschicke ich es Dir gedruckt; ich schmeichelte mir, ich würde die Erste sein, von der Du es erfährst, aber Du wirst es wohl schon wissen.

Daß August Kammer-Junker worden ist, hat er mir auch durch die Heygendorf gemeldet. Daß Kräuter sich gut benehmen würde, habe ich gleich geglaubt, denn er hat mir auch viel Freundliches erzeigt.

Die Herzogin von Curland ist fort und grüßt herzlich. Bei Frau von Recke war ich am Montag zu Tische, sie bleibt immer so herzlich und gut gegen mich; das Nähere stehet im Tagebuche. Sie gehet morgen nach Franzen-Brunnen. Und ich übermorgen; dann wollen wir sehen, was das vor Würkung thun wird. Die Gulden steigen alle Tage, der Gulden stehet jetzt auf ein Kopfstück. Ich muß mir doch noch etwas einwechseln, eher ich nach Franzen-Brunnen gehe. Ich hoffe, Du wirst im Ganzen mit unsrer Wirthschaft zufrieden sein; denn ich habe vcrschiednes gekauft, was man nicht wieder so wohlfeil bekömmt. Auch bringe ich Dir Chocolade mit, weil es die Mayern nicht anders that. Nun denke Dir einmal, ich habe einen unverhofften Besuch gehabt. Ehlers ist hier; er freute sich sehr, mich noch zu treffen. Er gibt heute ein Concert, ich freue mich, ihn wieder einmal zu hören. Den Zettel bringe ich mit. Wenn Du nach Frankfurt kommst, [grüße] (3) alles von mir, besonders Christian (4); bringe mir etwas zu einem Überrock mit, denn wegen dem ü[blen] Wetter habe ich meinen immer anziehen müssen, und da ist er ziemlich hin; nur keinen die Schlosser
weiß es schon, so etwas von (5).

Die Freude des Wiedersehen kann ich mir gar nicht oft genug denken. Ich habe Dir vielerlei zu sagen und freu mich sehr, wenn wir Zusammenkommen. Lebe recht wohl bis auf Wiedersehen. Die Kirschen empfiehlt sich. 

C. v. Goethe.




1. Dienemann. - 2. Kommandeurkreuz des österreichischen Leopoldordens.-3. Hier und weiterhin Lücken durch Ausschneiden des Siegels-4. Schlosser-5. Unleserlich

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