2015-05-30

Briefwechsel Goethe mit seiner Frau Christiane: Christiane 25. 08. 1814 (232)




1814

221. Christiane 

Weimar, den 25. August 1814.

Lieber, guter Geheimerath, ich freue mich recht sehr, aus Deinen Briefen zu sehen, daß Dir alles nach Wunsche geht, und Du mich wieder ein bißchen gelobt hast. Wie Du weg warst, befand ich mich gar nicht wohl; es wurde mir von Huschken gerathen, nach Berka zu gehen und ordentlich zu baden, und habe Selterwasser getrunken des Morgens. Im Ganzen war es in Berka recht hübsch. Jetzt sind wir wieder zu Hause; und da ich nun weiß, daß Du bald kommst, so soll das Haus recht ordentlich zurecht gemacht werden. Das Schwalbacher Wasser habe ich nicht bekommen. Ich habe achtzehn Bäder in Berka genommen, und nun wollen wir sehen, was es für Würkung macht. Wir freuen uns alle recht sehr, Dich gesund und vergnügt wiederzusehen. Schon wird der Herzog wieder erwartet,
(1 )und man fängt wieder an, alles grün zu machen. Ich bin noch wie ehedem bei der Schopenhauer, welche Dich sehr freundlich grüßen läßt. Sie ist auch sehr krank gewesen. Der Geheime Hofrath (2), mit welchem ich gesprochen habe, sendet Dir hier diesen Brief; ich habe das Couvert heruntergenommen, weil der Brief doch zu stark war. Aus diesem Briefe siehst Du allenfalls, wie es aussieht.

In unsrem Logis in Berka (3), die grüne Stube ausgenommen, wohnen Linkers, der Rath Brunnquell, der Geheime Regierungsrath Müller. Es gefällt allen Leuten, nur niemand ist mit dem Essen aus der Apotheke zufrieden. Am Sonntag habe ich ganz allein in der Kirche Gevatter gestanden und zwar bei der Frau, die uns aufgewartet hat (4); die Menschen waren ganz glücklich. Die Hebamme sagte zu den Leuten: »Ihr könnt zufrieden sein, denn so eine Taufe ist noch nicht in Berka gewesen.« Die ganze Kirche war voll, alle Badegäste waren darinne; der mir auffallende war der Herr Generalsuperintendent Löffler aus Gotha. Und sogar spielte unser Herr Organist (5) die Orgel, welches sonst beim taufen nicht der Fall ist. Ich habe mir durch dieses ganz Berka zum Freund gemacht. Das Wetter war sehr schlecht; wir tranken den Kaffee in der >Königin Oborea< (6). Es kamen viele Herren aus Weimar; und als acht bis neun Paar haben wir uns recht gut amüsirt. Jetzt wird sehr viel eingemacht und alles vor den Winter vorbereitet. Schreib uns nur recht bald, wann Du ohngefähr zu kommen denkst. Leb wohl, ich bin wie immer Dein, so lange ich lebe.

Uli legt sich Ew. Exzellenz zu Füßen und wünscht nichts mehr, als bald ihr Amt wieder als Secretär anzutreten.



1. Seit Mitte Juli hatte man in Weimar die umfassendsten Vorbereitungen getroffen, Karl August würdig zu empfangen; er kehrte erst am 1. September zurück. - 2. Kirms? - 3. Im >Edelhof<. - 4. Frau des Bürgers und Handarbeiters Nußbaum; Christianes Patenkind wurde Holzhauer.-5. Schütz, der Badeinspektor. - 6. Oborea hieß die Königin, die auf der Insel Tahiti herrschte, als James Cook diese besuchte.

Übersicht aller Briefe                                                                                                   nächster Brief

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de