31.05.2015

Briefwechsel Goethe mit seiner Frau Christiane: Christiane 14.09. 1815 (253)




1815

241. Christiane 

Das Liebste zu hören ist, daß Du so vergnügt und wohl bist, und ich will mich nun gern wegen Deiner so verspäteten Zurückkunft zu trösten suchen. Ich gehe viel zu Riemers und sehe überhaupt alle Menschen; und die Desportsche Auction verschafft mir jetzo des Nachmittags eine artige Unterhaltung, nur muß man sich selbst bewachen, daß man ihr nicht so viel Geld zuwendet.

Da Du in Frankfurt so herumgehst, so wirst Du auch die Frau Stock sehen, grüße sie herzlich von mir. Ich wünsche mich freilich sehr oft in die schöne Gegend zu Dir; wir wollen sehn, was sich übers Jahr thun läßt.

Soeben fuhr Frau von Hcygendorf mit 4 Pferden bei mir vorbei, und ich kann nicht leugnen, daß in mir der geheime Wunsch, mitreisen zu können, lebhaft wurde, denn die Schweiz und Mailand mag gewiß sehenswerth genug sein. Wäre ich doch nur erst ganz wieder hergestellt und wohl, dann würde ich die Erfüllung des Wunschcs, auch noch einmal mit Dir solch eine Reise zu machen, für viel ausführbarer halten; doch für jetzt will ich erst sehen, ob ich noch ein paar Tage nach Jena gehen kann. Die Adelheid ist aber in Eisenach; vielleicht kommt sie bald zurück.

Der Geheime Regierungsrath Müller ist vor ein paar Tagen bei mir gewesen; auch habe ich diese Woche meine Karlsbader Bekannten zu Tische gehabt, diese waren: der Dr. Köhler, Collaborator Vent und der Regierungsbotenmeistcr Schwabe. Und so schleicht mir ein Tag nach dem andern hin.
Nun etwas von Häuslichkeiten: ich habe für den Winter sehr viele Gurken und Bohnen und dergleichen eingemacht, von den Odyssesischen, langnäsigen Völkern habe ich vier Stück im Hause; und so ist im Ganzen meine Wirthschaft ziemlich gut bestellt. Nur fehlt bei uns das Obst; wenn Du nur Gelegenheit fändest, für etwas getrocknetes Obst zu sorgen. Auf den ankommenden Kasten freut man sich, wie sonst auf die Judenkrämchen. August sagt mir, er würde Dir selbst schreiben.

Nun lebe wohl und glücklich, da bin ich zufrieden.

Deine C. v. Goethe. 

Weimar, den 14. September 1815.

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