31.05.2015

Briefwechsel Goethe mit seiner Frau Christiane: Christiane 31.05. 1815 (244)




1815

232. Christiane 

[Weimar, 31. Mai 1815.]

Deinen lieben Brief von Eisenach hab ich mit Freuden gelesen, denn ich sah auch daraus, daß Du sehr schnell reisen kannst, und so bin ich Dir in Gedanken gefolgt. Augusten bekomm ich Tage lang nicht zu sehen; von früh an geht er auf die Rabenjagd, wo er heute schon zum dritten Male ist, und gewöhnlich vor Nachmittags 3 Uhr nicht zurückkommt Durch die Feier des Jubiläums (1) hat er sich großen Ruhm erworben: der Legations-Rath Kirms hat ihn gestern besucht und selbst gedankt. Die Soupes beim Erbgroßherzog hören nicht auf. Ich besorge unterdessen meine Wirthschaft, Krautländer und den Garten, und befinde mich leidlich, und so kommt denn die Zeit immer näher herbei, wo wir abzureisen gedenken; es bleibt beim 4. Juni.

Nun kommt aber etwas, warum ich Dich bitten wollte, nämlich: die Treutern (2) ist sehr krank, und ich vermuthe, daß ich sie nicht wieder lebend antreffen werde. Wenn Du daher Augusten erinnern wolltest, daß er die Sache nicht in der Dämmrung ließe, oder gäbst geradezu Genasten den Auftrag, wie Du es fürs zweckmäßigste hältst; denn es sind schon einige Liebhaber da, und meinen Gedanken nach dürfte es uns hier auf einige hundert Thaler nicht ankommen.

Nun lebe wohl und denke mein. Von Karlsbad ein Mehres. Behalte mich nur so lieb, wie ich Dich habe.

C.v. Goethe.




1. Am 30. Mai hatten der im Folgenden genannte Kirms und E. K. C. v. Schardt gleichzeitig ihr 10 jähriges Dienstjubiläum gefeiert; als nachträgliche Festgabe sandte Goethe am 11. Juni das Gedicht >Frage nicht, durch welche Pforte<. - 2. Besitzerin des Nachbarhauses.

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