29.06.2015

Die Briefe der Frau Rath Goethe: 28.02.1796 An Goethe (240)



240. An Goethe

Den 28ten Februar 1796

Lieber Sohn!

Hir etwas von Schlosser - und bey dieser Gelegenheit kan ich dich von meinem Wohlbefinden benachrichtigen. Das ist aber auch alles was ich dir zu schreiben habe - denn wie ich im übrigen diesen Winter gelebt habe dürfte dir wohl schwerlich so Intereßant seyn um die Zeit mit Leßen zu verderben doch zum Spaß nur etwas: Frau Bethmann ist verreißt - und Ihre Töchter und ich kommen die Woche etliche mahle zu sammen auch sind noch einige gute Freunde dabey wie du gleich hören solst: was wir da treiben? wir leßen - vorige Woche lassen wir Schillers Dom Karlos! jeder bekam eine Rolle - Sophie die Königin - Herr von Schwartzkopf /: der gantz vortreflieh ließt : / den Dom Karlos - Posa ich - Fürstin Eboli - die Jeni Bethmann - Domingo Herr Gerning - König Phillip Herr von Formey - Herzog Alba Eduarts Hoffmeister Herr Wagner - die kleineren Rollen vertheilten wir wieder unter uns - du kanst nicht glauben wie uns das Freude gemacht hat - künftige Woche gibts was neues - Ach! Es gibt doch viele Freuden in unseres Lieben Herr Gotts seiner Welt! Nur muß mann sich aufs suchen verstehn - sie finden sich gewiß - und das kleine ja nicht verschmähen-wie viele Freuden werden zertretten - weil die Menschen meist nur in die Höhe gucken- und was zu ihren Füßen liegt nicht achten. Das war einmahl wieder eine Brühe von Frau Aja ihrer Köcherrey. Lebe wohl! Grüße alle deine Lieben von 

deiner

treuen Mutter 

Goethe.

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