2015-06-09

J.W.v.Goethe: Gott, Gemüt und Welt Seite 1



  Gott, Gemüt und Welt

Wird nur erst der Himmel heiter,
Tausend zählt ihr, und noch weiter.
In wenig Stunden
Hat Gott das Rechte gefunden.
Wer Gott vertraut,
Ist schon auferbaut.
Sogar dies Wort hat nicht gelogen:
Wen Gott betriegt, der ist wohl betrogen.
Das Unser Vater, ein schön Gebet,
Es dient und hilft in allen Nöten;
Wenn einer auch Vater Unser fleht,
In Gottes Namen, laß ihn beten.
Ich wandle auf weiter, bunter Flur,
Ursprünglicher Natur;
Ein holder Born, in welchem ich bade,
Ist Überlieferung, ist Gnade.
Was wär ein Gott, der nur von außen stieße,
Im Kreis das All am Finger laufen ließe!
Ihm ziemt's, die Welt im Innern zu bewegen,
Natur in Sich, Sich in Natur zu hegen,
So daß, was in Ihm lebt und webt und ist,
Nie Seine Kraft, nie Seinen Geist vermißt.
Im Innern ist ein Universum auch;
Daher der Völker löblicher Gebrauch,
Daß jeglicher das Beste, was er kennt,
Er Gott, ja seinen Gott benennt,
Ihm Himmel und Erden übergibt,
Ihn fürchtet und wo möglich liebt.
Wie? Wann? und Wo? – Die Götter bleiben stumm!
Du halte dich ans Weil, und frage nicht: Warum?
Willst du ins Unendliche schreiten,
Geh nur im Endlichen nach allen Seiten.

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