2015-08-30

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 08.06.1774 Friedrich Jacobi an Wieland (78)



8. Juni

Düsseldorf. Friedrich Jacobi an Wieland

Goethe hatte der Feier einer goldenen Hochzeit, die mit außerordentlicher Pracht auf dem Lande begangen wurde, beigewohnt und war deswegen verschiedene Tage lang von Frankfurt abwesend. 

Bei seiner Rückkehr besaß eine Freundin Joanna Fahlmer bereits das Heft des Teutschen Merkurs, in dem Wieland sowohl über den "Götz von Berlichingen" wie über die gegen ihn gerichtete Posse "Götter, Helden und Wieland" mit größter Einsicht und Gerechtigkeit sich aussprach. Die Fahlmer zeigte Goethen diese Besprechungen: er füllte sich entwaffnet, beschämt, überwunden. Er versprach auch, die Jacobis, die er, in einer noch ungedruckten Spottschrift hergenommen hatte, nicht mehr zu verletzen. Die Fahlmer schrieb das Ganze Gespräch wortgetreu auf und schickte es an Fritz Jacobi. Daher fährt dieser fort:

Die Freude, welche dieser ganze Vorgang mir verursacht, ist nicht zu beschreiben und nicht zu ermessen. Nächsten Posttag schreibe ich Ihnen mehr von Goethe, dem wir, seiner gegenwärtigen Äußerungen ohngeachtet, nicht zuviel Gutes Zutrauen dürfen; denn er ist und bleibt ein zügelloser, unbändiger Mensch.

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