2015-08-31

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...23.-27.07.1774 Georg Jacobi in seinem Tagebuch (88)



23. und 24. Juli

Düsseldorf. Georg Jacobi in seinem Tagebuch

23. Juli. (Von Ebersfeld eilte ich) nach Düsseldorf ..... wo mein Bruder und Herr Goethe mich erwarteten. 

Herr Goethe hatte mich in öffentlichen Blättern empfindlich beleidigt; aber auch hat er das Trauerspiel „Götz von Berlichingen“ geschrieben! 

Wir gaben uns die Hand. Ich sah einen der außerordentlichsten Männer, voll hohen Genies, glühender Einbildungskraft, tiefer Empfindung, rascher Laune, dessen starker, dann und wann riesenmäßiger Geist einen ganz eignen Gang nimmt. Seine Tafelreden hätt ich aufzuzeichnen gewünscht.

24. Juli Mein Bruder, Herr Rost [Heinse], Goethe und ich setzten uns morgens um 5 Uhr in den Wagen, um das Schloß Bensberg zu besehen. Ich reiste gern mit unserem Fremden, sosehr auch wir beide in unsrer Art, zu sehen, zu hören und zu fühlen, verschieden sind. Ebenso wie ich unter den alten Griechen, so lebt er unter den alten Schotten, Kelten und Deutschen: nur mit dem Unterschiede, daß ich zuweilen mit Lust auf seinen rauhen Gebirgen oder in seinen Felsenschlössern oder in den weiten Sälen ihn besuche, wo Pfeil und Bogen samt der Harfe an der Wand hängen und die Harfe von selbst einen Klang gibt, weil die Seelen der Väter hinkommen und sie berühren, er aber in meine lustigen Täler, wo eine Grazie auf der Leier spielt, nicht herabsteigen mag.

Wir langten in Bensberg an ...Nach Tische gingen wir auf das Schloß, dessen Wände großenteils von berühmten niederländischen und italienischen Meistern gemalt sind ...Nachdem Goethe die Natur und das wahre Leben einiger Jagdstücke [von Weenix] genug betrachtet und ich bei dem Reize der artigsten Nymphen und Göttinnen mich aufgehalten hatte, reisten wir nach Köln ...

Dort besuchte sie die Peterskirche, um ein Gemälde von Rubens zu sehen, und die ehemalige Wohnung der Familie von J.: hier hing in einem schönen, altertuemlichen Raume das Bild dieser Familie, von Le Brun gemalt. Auch der Garten war sehenswert.

Nun kehrten wir in unsern Gasthof zurück, wo Goethe uns in der Dämmerung altschottische Romanzen, voll wahren Gefühls der Natur, mit Geistererscheinungen vermischt, in einem unübertrefflichen Tone dergestalt hersagte, daß wir bei der letzten ... so wahrhaftig zusammenfuhren, so im Ernste bange wurden als ehemals in unsern Kinderjahren, wenn wir den abenteuerlichen Geschichten unserer Wärterinnen von ganzer Seele, mit allem möglichen Glauben daran, zuhörten.

Unsre Abendmahlzeit war fröhlich. Wir sahen nicht weit von uns den Rhein, welchen der Mond versilberte und dessen Geräusch in der Stille der Nacht etwas Feierliches hatte.

Dort besuchte sie die Peterskirche, um ein Gemälde von Rubens zu sehen, und die ehemalige Wohnung der Familie von J.: hier hing in einem schönen, altertuemlichen Raume das Bild dieser Familie, von Le Brun gemalt. Auch der Garten war sehenswert.

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