2015-11-30

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 21.05.1789 Herder an seine Frau (503)



21. Mai

Florenz. Herder an seine Frau

Und das Verlassen der Freunde? Ach Gott, was sind sie uns, was sind sie Dir, was sind sie mir gewesen? Die gute Kalbin schätze ich gewiß wie Du, aber der ist auch wiederum Schiller gnug, und am Ende haben doch wir beide einzig und allein mit uns selbst gelebet. Erinnre Dich an alles, und Dein Herz wird ja sagen. Menschen zur Gesellschaft, wie wir sie brauchen, finden sich allenthalben.

Von Knebel denkst Du vielleicht zu hart. Ich kenne seine Unarten, die oft gerade dann sich äußern, wenn er’s am besten, d. i. am grimmigsten, meint. Noch neulich entfuhr es der Herzogin [Amalia], daß er’s gewesen, der jahrelang dem Herzog vorgepredigt, es sei unverzeihlich, wie ich stehe. Als von Goethe das Gespräch kam, zuckte sie die Achseln und sagte, es sei schade, daß er nichts zustande bringen könne und sich in die Person andrer nie zu versetzen wisse.

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