2015-12-31

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 27.07.1795 Charlotte von Stein an Charlotte Schiller (649)



27. Juli

Weimar. Charlotte von Stein an Charlotte Schiller

Herders Urteil über die „Elegien“ ist mir nicht bekannt geworden ... Das meinige ist zu unbedeutend darüber, denn ich habe für diese Art Gedichte keinen Sinn. In einer einzigen, der sechsten, war etwas von einem innigeren Gefühl. Ich glaube, daß sie schön sind; sie tun mir aber nicht wohl. Wenn Wieland üppige Schilderungen machte, so lief es doch zuletzt auf Moral hinaus, oder er verband es mit Ridicules — soviel ich davon gelesen habe. Auch schrieb er diese Szenen nicht von sich selbst.

Bei Gelegenheit dieser „Elegien“ sagte Herder der Herzogin, Goethe sei in Italien sehr sinnlich geworden, ihn aber habe es daselbst angeekelt. Daß der Herzog an Schiller einen Brief über diese „Elegien“ geschrieben, habe ich von der Herzogin gehört; auch sagte sie mir etwas aus Schillers Brief an den Herzog darüber. Schillers ernsthafte „Briefe“ neben den leichtfertigen „Elegien“ machen einen sonderbaren Kontrast.

Briefe: "Über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts."

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