2016-07-27

Goethes Briefe an Ch.v.Stein: 04.09.1779 (320)


(320) 

Sonnabends (4. September)
mit Sonnenuntergang.

Morgen eh ich erwache soll der Bote an Sie fort der einen Korb mit Äpfeln und die Preise der Zeichenschule für Carl und Kestner überbringt. Es ist schade dass Sie nicht zugegen waren und die Ausstellung unsres kleinen Anfangs sahen. Jederman hatte doch auf seine Art eine Freude dran, und es ist gewiss die unschuldigste Art der Aufmunterung wenn doch ieder weis dass alle Jahre einmal öffentlich auf das was er im Stillen gearbeitet hat reflecktirt, und sein Nahme in Ehren genannt wird. Übrigens haben wirs ohne Sang und Klang und Prunck auf die gewöhnliche Weise gemacht.

Den Herzog hats vergnügt dass er doch einmal was gesehn hat das unter seinem Schatten gedeiht, und dass ihm Leute dafür dancken dass er ihnen zum Guten Gelegenheit giebt.

Grüsen Sie Steinen und alles was um Sie ist. Wie gern wär ich wieder einige Tage bey Ihnen. Sie geniessen der schönen Tage hoff ich recht im ganzen ich nehme nur danckbaar meine Portion davon. Adieu.

G.

Der Besuch der schönsten Götter die den weiten Himmel bewohnen dauert bey mir immer fort, ich thue mein möglichstes sie gut zu bewirthen, und wenn sie ia wieder scheiden sollten, so bitt ich dass sie mögen meine Hütte zum Tempel verwandlen in dem sie nie abwesend sind.


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