23.12.2016

Gedichte v. L.F.G. Goecking: Antwort (23)





  Antwort

Hast du dich dieser Welt entschwungen?
Lebst, wo Apoll und Amor spricht?
Du hast mein Lob, nicht meinen Dank erzwungen,
Denn heucheln – ach! das kann ich nicht!
Und weil ich das nicht kann, (verzeihe
Der Liebe diesen dreisten Blick
Auf solch ein Lied! denn sang es nicht die Treue?)
So nehm' ich selbst mein Lob zurück!
Eh' deine Stimme, durch die Röhren
Des Ohrs, sich in mein Herz verlor,
Da sang ich gern von Amorn und Cytheren
Mir am Klaviere Lieder vor.
Oft tränkten sie mich mit Vergnügen,
Doch mit Empfindung selten nur;
Denn welches Herz läßt sich so leicht betrügen?
Du, du bist Wahrheit, o Natur!
Du Schönste! hast mich angezogen!
Nur aus der Plunderkammer nicht,
Wo über alle Köcher, Pfeil' und Bogen,
Oft selbst der Witz ein Bein zerbricht.
Du tränktest mich nicht aus den Bächen
Süßlallender Empfindsamkeit,
Du lehrtest nur mich biedre Worte sprechen,
Wie sie das Herz dem Munde beut!
Und lockt' ich nicht in diesem Kleide,
Mit dieser Sprach' ihn in das Netz?
Wozu denn nun des Witzes Prunkgeschmeide,
Wozu der Tändeley Geschwätz?
Der Einbildung den Durst zu stillen,
Das kannst du zwar, Mythologie!
Auch konntest du des Römers Busen füllen,
Ihm warst du mehr als Phantasie.
Ich trinke gern aus deinem Becher,
Wenn Ramler oder Uz ihn füllt;
Das Herz nur ist für ihn ein Sieb voll Löcher,
Wenn schon der Quell der Liebe quillt.
Sonst neigt' auf Amors Wunderdinge
Die Römerin ihr Herz und Ohr;
Ich aber bin ein deutsches Mädchen! singe
Du deutscher Mann! mir Wahrheit vor!
       
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