2016-12-23

Gedichte v. L.F.G. Goecking: An meine Augen (19)





An meine Augen

In einer langwierigen Krankheit.

Dreimal hat nun der Mond die Erde schon gegrüßet,
Seit sich der Schmerz um eure Nerven schlang,
Und Thränen, die ihr sonst so fest in sie verschließet,
Aus euren Drüsen rang.

Ihr blickt auf meine Hand, daß sie vor Sonnenpfeilen
Mitleidig euch zum Schilde werden soll,
Und auf den grünen Schirm, die Feuerglut zu theilen,
Die aus dem Scharlach quoll.

Was habt ihr doch gethan, ihr Märtyrer! ihr Augen!
Ließ ich euch meines Feindes Unglück freun?
Aus euch, ein Mädchen Gift für ihre Tugend saugen?
Ist's so: dann trocknet ein!

Wie? oder lockte je des Wuchrers goldner Wagen
Nur einen Blick voll Neid von euch heraus?
Und konntet nicht den Glanz des Ordenssterns ertragen?
Wüßt ich's: Ich riß' euch aus!

Das nicht! Ihr habet oft mit Traurigen geweinet,
Und mit den Fröhlichen so gern gelacht!
Und nun ist euch der Blick nach beiden dick verzäunet,
Und nun kommt solche Nacht?

Sprich, Sonne! sahst du nicht, wenn aller Augen schliefen,
Die meinen schon auf unsers Harzes Höhn,
Wie Zähren dir entzückt darin entgegen liefen,
Im Morgenschimmer stehn?

Verweiltest du dich nicht noch gern am Horizonte,
Wenn ich am Bach' zu Laurens Füßen saß,
Wo dieses Auge selbst, so einsam! sprechen konnte,
Und nur in ihrem las?

Jetzt aber meidet scheu mein Auge deine Strahlen,
Es flüchtet schon vor meiner Lampe Schein.
O! sieh mich nicht mehr an! du mehrest meine Qualen!
Laß mich in Nacht allein.

    Doch, laß nur, selbst mit Schmerz mich Laurens Antlitz sehen!
(Was seh' ich sonst liebreichers außer ihr?)
Nicht Einen Seufzer soll der Wind dann mir entwehen,
Entziehst gleich du dich mir.
       
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