2017-01-26

Gedichte v. N.Becker: Augenwasser (8)




Augenwasser

Man hatte bösen Sinnes
Ein Wasser mir gebracht,
Damit wusch ich die Augen,
Als ich vom Schlaf erwacht.

Da lag vor meinen Blicken
Die Welt rings um mich her
Umhüllt von düstern Flöhren
An Freuden arm und leer.

Was soll des Lenzens Prangen?
Es ist nur Leichenrot:-
Mit flücht'ger Röthe schmücket
Sich auch der bleiche Tod.

Und, ach! die Menschenkinder,
Welch ein gedrücket Geschlecht,
Im harten Dienst des Lebens
Nur steter Sorge Knecht!

Und selbst um meine Lieder
Ist es nur eitler Tand,
Nähm' besser statt der Leyer
Den Spaten wohl zur Hand!

Die Sonne ging zur Küste,
Es kam die schwarze Nacht,
Von allen wohl die schlimmste,
Die ich in Gram durchwacht.

Und an dem andern Morgen
Ging ich zum Wiesenquell
Und wusch mir meine Augen
In seinem Wasser hell.

Da schaut' ich freudig wieder-
Das war mein alter Blick-
Die Welt so licht und heiter,
Gewiegt von Lust und Glück.

Der Lenz so blütenprächtig!
Lass immer ihn vergehn,
Er wird aus seinem Grabe
In Jugendglanz erstehn.

Und lass die Sorgen nahen
Sich auch der Menschen Herz,
Dem Mute, dem Vertrauen
Weicht wieder jeder Schmerz.

Drum will ich Lieder singen,
Bleib' in der Muse Pflicht;
Vor schlimmen Wasser hüte

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