2017-01-30

Gedichte von Nikolaus Becker: Verlorner Frühling (37)



Verlorner Frühling

Wie war mir sonst die Winterzeit
So sehr, so sehr zuwider-
Nicht eine Blüte nah und weit,
Nicht eines Vogels Lieder!

Wie schaute ich ins, öde Land,
Auf die beeis'te Fläche,
Ob nicht des Frühlings milde Hand
Die Fesseln bei zerbreche!

Jetzt sitz' ich gern zur Winterzeit
Am Bach in düsterm Schweigen-
Die Erlen stehen eingeschneit
Mit tiefgesenkten Zweigen.

Und graue Wolken trüben her
Am Himmel traurig hangen-
Mir ist, als könnte nimmermehr
Der Frühling wieder prangen.

Doch höre ich das Bächlein leis'
In seinem Schlaf sich regen
Und pochen an das dichte Eis
Mit ungeduld'gen Schlägen.

Du träumst wohl, dass der Sonne Licht
Bald löset deine Welle-
Ach! hier am Busen wird es nicht
Lebendig mehr und helle.

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