2017-01-31

Gedichte von Wilhelm Michel: Abendwanderung (2)



Abendwanderung

Von den Bergen dünn und fahl
Rieseln Nebel bleich ins Tal,
Und versunken sind die Pfade
In der überrauchten Flur.
Einsam rauscht der Wiesbach nur
Noch vom fernen Mühlenrade.

Durch den fahlen Wiesengrund
Geh ich stumm mit bleichem Mund,
Fühle, wie mit kalten Streifen
Mir ins Herz die Nebel greifen.
Meine Tiefe stumm und schwül
Füllt sich an mit grauen Fluten.
Einer Wunde Schmerzgewühl
Fühl' ich tief im Grunde bluten —
Doch der Tod ist weich und kühl.

Aus der Nacht zu mir geschlichen
Kommt ein Lied und hüllt mich ein.
Alle Sterne sind verblichen,
Nur das Lied gibt hellen Schein.
Wenn ich meine Liebe finde,
Ist dies bange Sehnen aus."
Durch die fahlen Wiesengründe

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