2017-01-29

Nikolaus Becker: Ländliche Bilder-7. Die Hütte (32)




7. Die Hütte

Gebrochen war das Rad am Wagen-
Gut, dass es nicht noch schlimmer kam,
Und das, gemächlich umgeschlagen,
Der fremde Herr nicht Schaden nahm!

In Strömen floss herab der Regen,
Ein Obdach zeigt sich nirgendwo,
Als nur die Hütte, nah gelegen,
Die ärmliche, bedeckt mit Stroh.

Er nahet ihr mit raschem Tritte-
Zum Säumen ist fürwahr nicht Zeit-
Und sieht in ihres Raumes Mitte
Ein Bild zufriedner Häuslichkeit.

Großmutter hat, wie sichs gebühret,
Am Herd dem besten Platz besetzt,
Wo sie die sanften Wärme spüret,
Sich an der Flamme Spiel ergetzt.

Sie hält ein Buch in ihren Händen,
Worein sie lesen niederguckt:
Die Enkelin lauscht den Legenden,
An ihren Knieen hingeduckt.

Die Mutter sitzet dicht daneben,
In süße Träume still versenkt;
Sie hat mit ihren eignen Leben
Ihr zartes Pflänzchen just getränkt.

Wie lächelt hold das liebe Kleine!
Wie freudig es die Händchen hebt;
Und, wie es wohl im Herzen meine,
Vergeblich auszudrücken strebt!

Zwei Knaben noch, so kerngesunde,
Am Boden kauern ganz vergnügt;
Sie spielen mit dem Kettenhunde,
Der ihrem Scherz sich willig fügt.

Der Vater schält an Weidenstäben,
Woraus er seine Körbe flicht,
Und wendet dann und wann beineben
Zu seinen Lieben das Gesicht.

Es wischt der fremde Herr die Brille,
Er dreht den goldnen Wappenring
Und denket nach in aller Stille,
Wie dieses wohl zusammenhing'.

So eng der Raum, so kahl die Wände,
Worin die höchste Notdurft war,
Und Glück und Lust an jedem Ende-
Es däucht ihn gar zu sonderbar!

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