2017-08-31

Biographie von Ernst Blass



Ernst Blass (* 17. Oktober 1890 in Berlin; † 23. Januar 1939 in Berlin; Pseudonyme: Daniel Stabler und Erich Sternow) war ein bedeutender frühexpressionistischer Dichter, Kritiker und Schriftsteller.

Auf Wunsch der Eltern studierte er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität Jura. 1909 lernte er im Café des Westens - vermutlich durch Heinrich Eduard Jacob vermittelt - den Schriftsteller Kurt Hiller kennen, über dessen Neuen Club er u. a. mit Georg Heym und Jakob van Hoddis in Kontakt kam. Mit ihnen bildete er alsbald "das Terzett der bedeutenden Dichter im Club" (Hippen), das wesentlich zum öffentlichen Erfolg des Neopathetischen Cabarets beitrug, mit dem die Clubmitglieder an die Öffentlichkeit traten. Anfang 1911 trat er mit Hiller und anderen aus dem Club aus und gründete mit ihm das konkurrierende Literarische Cabaret GNU. Veröffentlichungen von Gedichten in den wichtigsten Zeitschriften des literarischen Frühexpressionismus wie Die Aktion und Der Sturm oder auch Die Fackel von Karl Kraus folgten.

Im Mai 1912 erschienen zwölf Gedichte von ihm in Hillers provokativ als "rigorose Sammlung radikaler Strophen" vorgestellten Anthologie Der Kondor im Verlag von Richard Weissbach Heidelberg: Sie enthielt 97 Gedichte von 14 Autoren und erregte erhebliches Aufsehen. Ein halbes Jahr später brachte Weissbach auch Blass' ersten Gedichtband "Die Straßen komme ich entlang geweht" heraus. Dieser machte ihn als Dichter schlagartig berühmt.

Ab Januar 1914 gab er seine von Weissbach verlegte literarisch-philosophische Monatszeitschrift Die Argonauten heraus, in der er neben eigenen Gedichten Beiträge von so unterschiedlichen Autoren wie Burschell und Kronfeld, Ernst Bloch, Leonard Nelson, Max Scheler, Gustav Radbruch, Walter Benjamin, Franz Werfel, Robert Musil, Rudolf Borchardt u. a. aufnahm. Weitere Pläne machte der Krieg zunichte.

Nachdem er 1915 promoviert hatte, kehrte er nach Berlin zurück, wo er bis 1920 als Archivar bei der Dresdner Bank arbeitete. Danach wechselte er zum Journalismus und wurde als Theater- und Filmkritiker für verschiedene Berliner Zeitungen tätig. Ab 1924 arbeitete er zusätzlich als Lektor im Paul-Cassirer-Verlag.

1926 begann sein tuberkulöses Augenleiden, das im Laufe der Jahre zu fast vollständiger Erblindung führte. Mit Beginn des Dritten Reiches wurden seine Arbeits- und Publikationsmöglichkeiten immer eingeschränkter. Schließlich verstarb er verarmt in einem jüdischen Krankenhaus an den Folgen einer lange unerkannt gebliebenen Lungentuberkulose; sein Tod blieb selbst in Exilkreisen weitgehend unbeachtet.

Ernst Blass hat mit seinem expressionistischen Gedichtband "Die Straßen komme ich entlang geweht" das Leben in der modernen Großstadt in all seinen Facetten in die deutsche Lyrik eingeführt. Seinem Wechsel zu einem neoklassischen Stil unter dem Einfluss des George-Kreises in Heidelberg begegneten seine Berliner Freunde mit Reserve. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre fand er in seiner Lyrik dann aber Anschluss an die Strömung der Neuen Sachlichkeit. Ungewöhnlich ist, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg als bedeutender Autor des Frühexpressionismus kaum mehr zur Kenntnis genommen wurde; die erst 1980 veranstaltete Gesamtausgabe seiner Gedichte blieb eine Ausnahme.






Auszug aus der Biographie des Ernst Blass aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Freie Dokumentation lt. GNU-Lizenz

Eine Autorenliste ist auf Wikipedia verfügbar

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