2012-11-07

Georg Weerth- Dichter der Armen und Entrechteten

Georg Weerth
Weerth ist schon in jungen Jahren gestorben und ist nur 34 Jahre alt geworden. Der am 17.2.1822 in Detmold geborene Dichter hielt viele Jahre eine enge Freundschaft zu Marx und Engels. Als er am 30.07.1856 verstarb hatte er nur rund 25 Gedichte veröffentlicht die alle im Alter von 19 bis 26 Jahren geschrieben wurden. Friedrich Engels sagt von Weerth das er "der erste und bedeutendste Dichter des deutschen Proletariats" war. Weerth unterstützte den politischen Kampf von Marx und Engels und in der "Neuen Rheinischen Zeitung" schrieb der Dichter bissige Satiren gegen das stillhaltende und schweigende  Bürgertum und gegen den reaktionären Adel.

Weerths Talent für Prosa zeigt sich insbesondere in seinen Briefen und Berichten. Der Dichter hatte die revolutionären Ereignissen in Europa in Paris erlebt. Diese Geschehnisse hat Weerth in lebendigen und kraftvollen Worten geschildert. Auch 1849, bei den Versuch der Arbeiter sich von ihrem Joch zu befreien war er in Paris und sah mit an wie das Aufbegehren im Keim erstickt wurde. Nach Deutschland zurückgekehrt musste Georg Weerth noch für 3 Monate ins Gefängnis. Das war die Reaktion der Sieger auf den Spott und der Satire die Weerth über sie ausgeschüttet hatte.



Die Gedichte Weerths sind in ihrer Qualität sehr unterschiedlich. Neben ausgesprochen schlechte Versen, sowie Gedichten die reine Nachahmung sind, findet man auch eine Reihe von starken und eigenständigen Gedichten. An dieser Stelle 2 Gedichten die zu den bekanntesten von Weerth gehören.

17.2.1822 Geburt in Detmold-Sohn eines Geistlichen
1836 Kaufmännischer Lehrling
1839-41 Buchhalter in Köln
1843 Freundschaft mit Engels in England
1845/47 In Brüssel-Mitglied im Bund der Kommunisten
1848/49 Redakteur an der "Neuen Rheinischen Zeitung"
1849 3 Monate Gefängnis wegen des "Schnapphanski"
1850/56 Geschäftsreisen nach Spanien, Indien und Südamerika
30.07.1856 Tod in Havanna

Prosa

Englische Skizzen 1843/48
Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphanski 1849
unvollendeter Roman 1845/46

Lyrik

Lieder aus Lancashire 1845/46
Handwerksburschenlieder 1847
Weitere Gedichte in der "Neuen Rheinischen Zeitung"



Der Kanonengießer

Die Hügel hingen rings voll Tau;
Da hat die Lerche gesungen.
Da hat geboren die arme Frau -
Geboren den armen Jungen.

Und als er sechzehn Jahre alt:
Da wurden die Arme strammer;
Da stand er in der Werkstatt bald
Mit Schurzfell und mit Hammer.

Da rannt er den Öfen in den Bauch
Mit schweren Eisenstangen,
Daß hell aus Schlacken und aus Rauch
Metallne Bäche sprangen!

Kanonen goß er - manches Stück!
Die brüllten auf allen Meeren;
Die brachten die Franzen ins Ungelück
Und mußten Indien verheeren.

Die warfen Kugeln, leidlich schwer,
Den Chinesen in die Rippen;
Die jauchzten Britanniens Ruhm daher
Mit eisernen Kehlen und Lippen!

Und immer goß der lust'ge Held
Die blitzenden Geschütze:
Bis ihm das Alter ein Bein gestellt,
Die Fäuste wenig nütze.

Und als sie versagten den Dienst zuletzt,
Da gab es kein Erbarmen:
Da ward er vor die Tür gesetzt
Wohl unter die Krüppel und Armen.

Er ging - die Brust so zornig weh,
Als ob sie der Donner duchgrollte
Von allen Mörsern, die er je
Hervor aus den Formen rollte.

Doch ruhig sprach er: "Nicht fern ist das,
Vermaledeite Sünder!
Da gießen wir uns zu eignem Spaß
Die Vierundzwanzigpfünder."


 Der alte Wirt in Lancashire

Der alte Wirt in Lancashire,
Der zapft ein jämmerliches Bier.
Er zapft' es gestern, zapft es heute,
Er zapft es immer für arme Leute.

Die armen Leut in Lancashire,
Die gehen oft durch seine Tür;
Sie gehn in Schuhen, die verschlissen,
Sie kommen in Röcken, die zerrissen.

Der erste von dem armen Pack,
Das ist der bleiche, stille Jack.
Der spricht: "Und was ich auch begonnen -
Hab nimmer Seide dabei gesponnen!"

Und Tom begann: "Schon manches Jahr
Spann ich die Fäden fein und klar;
Das wollene Kleid mocht manchem frommen -
Bin selbst aber nie in die Wolle gekommen!"

Und Bill darauf: "Mit treuer Hand
Führt ich den Pflug durch britisch Land;
Die Saaten sah ich lustig prangen -
Bin selbst aber hungrig nach Bett gegangen!"

Und weiter schallt's: "Aus tiefem Schacht
Hat Ben manch Fuder Kohlen gebracht;
Doch als sein Weib ein Kind geboren -
Goddam - ist Weib und Kind erfroren!"

Und Jack und Tom und Bill und Ben -
Sie riefen allesamt: "Goddam!"
Und selbe Nacht auf weichem Flaume
Ein Reicher lag in bösem Traume.


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Quellennachweis: Erläuterungen zur deutschen Literatur/Vormärz
                         10:Auflage Volk und Wissen 1977


Bildnachweis: Zeno.org








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