2013-02-25

August von Platen-Hallermünde- Gedichte, Kurzbiographie, Werke





Wenn die Name August von Platen genannt wird denkt man vor allem an seine Ghaselen die schon von Goethe in einem Gespräch mit Eckermann gelobt wurden. Goethe hat sich in seinem Urteil nicht geirrt, denn diese Dichtungen und seine Ballade "Das Grab am Busento" haben überdauert und sind auch heute noch bekannt.
Platen rang vor allem darum das Ghasel, eine fremdartige Form, für die deutsche Sprache zu gewinnen und schuf Meisterwerke die schon Anklang bei den Zeitgenossen fanden. Das Ghasel "Es liegt an eines Menschen Schmerz...." ist ein Meisterwerk das es verdienen würde viel mehr gelesen zu werden. Das Gedicht ist von großer Gedankentiefe und gehört zu einen der Perlen deutscher Lyrik. 

Goethe zu Eckermann 

" Es ist bei den Ghaselen das Eigentümliche, das sie eine große Fülle von Gehalt verlangen, der stets wiederkehrende Reim will immer einen Vorrat ähnlicher Gedanken bereit finden, deshalb gelingen sie nicht jedem: diese aber werden ihnen gefallen."


geboren:    24.10.1796    Ansbach/Bayreuth
gestorben: 05.12.1835    Syrakus

1806      

Im Alter von 10 Jahren wird Platen Zögling im Münchener Kadettenhaus.

1810      

In der Königlichen Pagerie/ Erste Verse

1814      

Meldung zum Militärdienst/ Wird sich bewußt das er Homosexuell ist

1814/15 

Frankreichfeldzug gegen Napoleon/ patriotische Gedichte entstehen
Suizidgedanken die er das ganze Leben lang hat.

1818      

Königliches Stipendium/ Rechtswissenschaften in Würzburg

1819      

Uni Erlangen/ Aufgabe des Rechtsstudiums/ Widmet sich der Poesie

1821   
   
Ghaselen 1823 Neue Ghaseln

1826     

Erlaubnis zu einem 2 jährigen Aufenthalt in Italien.

1828     

Heinrich Heine macht Platens Homosexualität öffentlich.
Folgende Jahre mehrere Wohnungswechsel zwischen Rom und Neapel
Bis zu seinem Tod nur noch 2 kurze Besuche seiner Heimat

1835      

Flucht vor der Cholera nach Palermo dann nach Syrakus
Alkoholkrank stirbt er an einer Kolik im Alter von 39 Jahren

Werke:

Ghaselen 1821
Lyrische Blätter 1821
Neue Ghaselen 1823
Sonette aus Venedig 1825
Polenlieder 1831

Dramen/Lustspiel

Platen schrieb einige Dramen die allerdings nur noch von Literaturhistorischer Bedeutung sind. Von seiner Prosa ist die Komödie "Die verhängnisvolle Gabel" noch von einigen Interesse.




Gedichte


Es liegt an eines Menschen Schmerz, an eines Menschen Wunde nichts,

Es liegt an eines Menschen Schmerz, an eines Menschen Wunde nichts,
Es kehrt an das, was Kranke quält, sich ewig der Gesunde nichts,
Und wäre nicht das Leben kurz, das stets der Mensch vom Menschen erbt,
So gäb's Beklagenswerteres auf diesem weiten Runde nichts.
Einförmig stellt Natur sich her, doch tausendförmig ist ihr Tod,
Es fragt die Welt nach meinem Ziel, nach deiner letzten Stunde nichts.
Und wer sich willig nicht ergibt dem ehrnen Lose, das ihm dräut,
Der zürnt ins Grab sich rettungslos und fühlt in dessen Schlunde nichts.
Dies wissen alle, doch vergißt es jeder gerne jeden Tag.
So komme denn, in diesem Sinn, hinfort aus meinem Munde nichts!
Vergeßt, daß euch die Welt betrügt, und daß ihr Wunsch nur Wünsche zeugt,
Laßt eurer Liebe nichts entgehn, entschlüpfen eurer Kunde nichts!
Es hoffe jeder, daß die Zeit ihm gebe, was sie keinem gab,
Denn jeder sucht ein All zu sein und jeder ist im Grunde nichts.


Ja, deine Liebe flammt in meinem Busen,
Du hast sie nicht verdammt in meinem Busen,
Und weichlich ruhn, zum Lobe dir, Gesänge,
Wie Kronen auf dem Samt, in meinem Busen;
Der Dichtung Lanzen faß ich miteinander
Und berge sie gesamt in meinem Busen;
Ja, wie ein Flämmchen, flackert eine Rose,
Die noch aus Eden stammt, in meinem Busen.


Was heimlich oft mein Herz erfrischt,
Wird endlich Allen aufgetischt:
Gesegnet werde, wer da lobt,
Gesegnet werde, wer da zischt!
Wo find ich den Verschwiegenen,
Dem nie ein rasches Wort entwischt?
Das Wort sei Jedem gern vergönnt,
Auch wenn er leere Halme drischt.
Eröffnet er die Muschel nie,
Was frommt's, ob einer Perlen fischt?
Wer schilt die Rose, wenn ihr Duft
Sich mit des Äthers Wolke mischt?
Was staunst du, da du ziehst den Kork,
Daß an die Decke springt der Gischt?
Das Herz ist eine Flamme, Freund,
Sie lodert, bis sie ganz erlischt.


Es sehnt sich ewig dieser Geist ins Weite

Es sehnt sich ewig dieser Geist ins Weite,
Und möchte fürder, immer fürder streben:
Nie könnt ich lang an einer Scholle kleben,
Und hätt ein Eden ich an jeder Seite.

 Mein Geist, bewegt von innerlichem Streite,
Empfand so sehr in diesem kurzen Leben,
Wie leicht es ist, die Heimat aufzugeben,
Allein wie schwer, zu finden eine zweite.

Doch wer aus voller Seele haßt das Schlechte,
 Auch aus der Heimat wird es ihn verjagen,
Wenn dort verehrt es wird vom Volk der Knechte.

Weit klüger ist's, dem Vaterland entsagen,
Als unter einem kindischen Geschlechte
Das Joch des blinden Pöbelhasses tragen.

Der Pilgrim vor St. Just 1819


Nacht ist's und Stürme sausen für und für,
Hispanische Mönche, schließt mir auf die Tür!

Laßt hier mich ruhn, bis Glockenton mich weckt,
Der zum Gebet euch in die Kirche schreckt!

Bereitet mir was euer Haus vermag,
Ein Ordenskleid und einen Sarkophag!

Gönnt mir die kleine Zelle, weiht mich ein,
Mehr als die Hälfte dieser Welt war mein.

Das Haupt, das nun der Schere sich bequemt,
Mit mancher Krone ward's bediademt.

Die Schulter, die der Kutte nun sich bückt,
Hat kaiserlicher Hermelin geschmückt.

Nun bin ich vor dem Tod den Toten Gleich,
Und fall in Trümmer, wie das alte Reich.


Das Grab im Busento 1820.

Nächtlich am Busento lispeln, bei Cosenza, dumpfe Lieder,
Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wider!

Und den Fluß hinauf, hinunter, ziehn die Schatten tapfrer Goten,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.

Allzufrüh und fern der Heimat mußten hier sie ihn begraben,
Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben.

Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette,
Um die Strömung abzuleiten, gruben sie ein frisches Bette.

 In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde,
Senkten tief hinein den Leichnam, mit der Rüstung, auf dem Pferde.

Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe,
Daß die hohen Stromgewächse wüchsen aus dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluß herbeigezogen:
Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Männern: Schlaf in deinen Heldenehren!
Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!

Sangen's, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere;
Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!


Der Tod des Carus 1830.

Mutig stand an Persiens Grenzen Roms erprobtes Heer im Feld,
Carus saß in seinem Zelte, der den Purpur trug, ein Held.

Persiens Abgesandte beugten sich vor Roms erneuter Macht,
Flehn um Frieden an den Kaiser; doch der Kaiser wählt die Schlacht.

Kampfbegierig sind die Scharen, die er fern und nah beschied,
Durch das Heer, aus tausend Kehlen, ging das hohe Siegeslied:

Weh den Persern, Römer kommen, Römer ziehn im Flug heran,
Rächen ihren Imperator, rächen dich, Valerian!

Durch Verrat und Mißgeschick nur trugst du ein barbarisch Joch;
Aber, starbst du auch im Kerker, deine Rächer leben noch!

Wenn zu Pferd stieg Artaxerxes, ungezähmten Stolz im Blick,
Setzte seinen Fuß der König auf Valerians Genick.

Ach, und Rom in seiner Schande, das vordem die Welt gewann,
Flehte zum Olymp um einen, flehte nur um Einen Mann!

Aber Männer sind erstanden, Männer führen uns zur Schlacht:
Scipio, Marius und Pompejus sind aus ihrem Grab erwacht!

 Unser Kaiser Aurelianus hat die Goten übermannt,
Welche deinen Wundertempel, Ephesus, zu Staub verbrannt.

Unser Kaiser Aurelianus hat die stolze Frau besiegt,
Welche nun im stillen Tibur ihre Schmach in Träume wiegt.

Probus führte seine Mauer durch des Nordens halbe Welt,
Neun Germanenfürsten knieten vor dem römischen Kaiserzelt.

Carus, unser Imperator, sühnt nun auch die letzte Schmach,
Geht mit Heldenschritt voran uns, Heldenschritte folgen nach.

So der Weihgesang. Und siehe, plötzlich steigt Gewölk empor,
Finsternis bedeckt den Himmel, wie ein schwarzer Trauerflor.

Regen stürzt in wilden Güssen, grausenhafter Donner brüllt,
Keiner mehr erkennt den Andern, Alles ist in Nacht verhüllt.

Plötzlich zuckt ein Blitz vom Himmel. Viele stürzen bang herbei,
Denn im Zelt des Imperators hört man einen lauten Schrei.

Carus ist erschlagen! Jeder tut auf Kampf und Wehr Verzicht,
Und es folgt des Heers Verzweiflung auf die schöne Zuversicht.

Alle fliehn, das Lager feiert, wie ein unbewohntes Haus,
Und der Schmerz der Legionen bricht in laute Klagen aus:

Götter haben uns gerichtet, Untergang ist unser Teil;
Denn des Kapitols Gebieter sandte seinen Donnerkeil!

Untergang und Schande wälzen ihren uferlosen Strom:

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