2013-03-19

Adolf Glaßbrenner- Kurzbiographie und Gedichte






geboren:     27.03.1810   Berlin
gestorben:  25.09.1876   Berlin

ab 1828      Als Journalist tätig
1832           Herausgeber der Zeitschrift "Don Quixote"/ ab 1833 verboten
1835           In Wien/ "Bilder und Träume aus Wien" werden verboten
1840           Heiratet und zieht 1841 nach Neustrelitz
1848           Vorsitzender der demokratischen Partei in Mecklenburg
1850           Wird des Landes verwiesen und zieht nach Hamburg
1858           Rückkehr nach Berlin/Redakteur der "Berliner Montagszeitung"

Werke:( Auswahl)

Berlin, wie es ist und trinkt 1832-50
Aus dem Leben eines Hingerichteten 1834
Bilder und Träume aus Wien 1836
Buntes Berlin 1837-1853
Verbotene Lieder 1834
Die verkehrte Welt 1856

Neuer Reineke Fuchs 1846 Verssatire

Auch wenn Adolf Glaßbrenner nicht zu den "Großen" unserer Achtundvierziger gehört so hat er sich doch mit seinem Werk einen festen Platz in der deutschen Literaturgeschichte erkämpft. 
Wie sehr seine politische Satire den Herrschenden ein Dorn im Auge war beweisen die Schikanen, Ausweisungen und Verbote die der Dichter zeitlebens erleiden mußte. 
Oft hat Glaßbrenner den schnoddrigen Berliner Dialekt genutzt um seine Kritik zu äußern und sich für die Belange des einfachen Volkes einzusetzen. Er führte den Eckensteher Nante und den biertrinkenden Krümmelkacker Buffey in die deutsche Literatur ein. 
In den Jahren nach seinem Tod wurden mit dem Namen Glaßbrenner vor allem Witze und Kalauer verbunden, die der Dichter in großer Menge produzierte, um sich durchs Leben zu bringen. Heute ist Glaßbrenner vor allem als der Dichter der "Verbotenen Lieder" und des "Neuen Reineke Fuchs" bekannt. 


Quelle: "Vormärz 1830-48" 10. Auflage
              Erläuterungen zur deutschen Literatur
              Volk und Wissen 1977






Gedichte



Lied der Eckensteher

Det beste Leben hab' ick doch;
Ick kann mir nich beklagen,
Pfeift ooch der Wind durch's Aermelloch,
Det will ick schonst verdragen.
Det Morjens, wenn mir hungern dhut,
Eß ick 'ne Butterstulle,
Dazu schmeckt mir der Kimmel jut,
Aus meine volle Pulle.
Ick sitz mit de Kam'raten hier
Mit alle, jroß un kleene;
Beleidigt ooch mal eener mir,
So stech' ich ihm jleich eene!
Und drag ich endlich mal wat aus,
So kann ick Jroschens kneifen,
Hol wieder meine Pulle 'raus
Un dhue eenen pfeifen.
Das Mährchen vom Reichthum und der Noth


'S war einmal Bruder und Schwester:
Der Reichthum und die Noth,
Er schwelgte in tausend Genüssen,
Sie hatte kaum trocken Brot.

Die Schwester diente beim Bruder
Viel Hundert Jahre lang;
Ihn rührt es nicht, wenn sie weinte,
Noch wenn sie ihr Leiden besang.

Er fluchte und trat sie mit Füßen;
Er schlug ihr in's sanfte Gesicht;
Sie fiel auf die Erde und flehte:
Hilfst du, o Gott, mir nicht?

Wie wird das Lied wohl enden?
Das ist ein traurig Lied!
Ich will's nicht weiter hören,
Wenn Nichts für die Schwester geschieht!

Das ist das Ende vom Liede,
Vom Reichthum und der Noth:
An einem schönen Morgen
Schlug sie ihren Bruder todt.

Das Mährchen vom Geist

Den verdammten Kerl, den Geist,
Müssen wir doch kriegen,
Daß dem Demagogen nicht
Wir noch unterliegen!
Zehn Mal Hunderttausend Mann!
Auf, Soldaten, drauf und dran!
Ladet die Gewehre,
Rettet unsre Ehre!

Und sie schießen wutentbrannt
Selbst sich tot, die Blinden;
Sie vernichten Stadt und Land:
Geist - ist nicht zu finden.

Das hier ist die letzte Stadt,
Hier müßt ihr ihn fassen!
Seht! verwegen hüpft er dort
Munter durch die Gassen.
Polizei, entwickle dich!
Du ergreifst ihn sicherlich!
Ist er dein geworden,
Schmücke dich ein Orden.

Geist schaut dort, im letzten Haus,
Aus dem Erkerstübchen,
Lachet die Spione aus
Und schabt ihnen Rübchen.

Jetzt entwischt er uns nicht mehr,
Jetzt ist er gefangen!
Morgen soll der Bösewicht
Schon am Galgen hangen.
Schnell die Stufen hier hinauf!
Hurtig, sprengt die Türe auf!
Greift den Kerl, da sitzt er!
Aus den Augen blitzt er!

Geist schlüpft in ein kleines Buch,
Deckt sich zu mit Lettern;
Sicher ist er da genug,
Wie sie spähn und blättern.

Schließt das Buch und bindet's zu!
Ohne zu bekennen
Soll er auf dem Markt sogleich
Mit dem Buch verbrennen!
Richtet mir den Holzstoß her!
Auf, Soldaten, in's Gewehr!
Lodert, lodert, Flammen!
Gott soll ihn verdammen!

Wundersame Melodien
Hört die stumme Menge,
Und in alle Herzen ziehn
Jene Zauberklänge.

Plötzlich donnert's durch den Dampf
Wie ein fern Gewitter;
Lichtumflossen steigt empor
Draus ein goldner Ritter.
Auf, ihr Völker! ruft er laut,
Auf zum Freiheitskriege!
Wer dem ew'gen Geist vertraut,
Den führt er zum Siege!

Moral:

Wie sie martern ihn und wie
Trachten nach dem Leben:
Gott der Herr wird nun und nie
Seinen Geist aufgeben.


Die freieste Monarchie



Sagen Sie, mein grundgelehrter
Herr Professor, wissen Sie:
Welche, auf der ganzen Erde
Ist die frei'ste Monarchie?

China ist's! Daß Sie's nicht wußten!
Und es liegt wahrhaftig nah'!
Der Beschränkteste von allen
Menschen ist der Kaiser da.


Die Diebe



Da war einmal ein kleiner Dieb,
Der stahl ein Brod dem Kind zulieb,
Und wurde schier gefangen,
Und konnte erst in Jahr und Stund,
Trotz sein und seines Weibes Mund,
Die Freiheit wieder erlangen.

Dem andern war's Glück auch nicht hold:
Stahl einem Filz 'nen Sack mit Gold
Durch Einbruch still und nächtens;
Und eh' noch ein halb Jahr verging,
Er am Gevatter Dreibein hing,
Und das von wegen Rechtens.

Der dritte war ein großer Dieb,
Der stahl sich ganz allein zulieb
Der Menschen Ehr' und Rechte,
Und Städt' und Länder obendrein:
Dem täten sie Ruhmesopfer weih'n,
Und dienten ihm wie Knechte.

Nun weiß ich doch wahrhaftig nicht,
Wie solch ein dummes Ding geschicht,
Und müßte doch vermeinen,
Daß, wenn euch Gott das Urtheil lenkt',
Der dritte Dieb viel höher hängt,
Als wie die beiden kleinen!

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