2013-03-15

Clemens von Brentano- Kurzbiographie und Gedichte



geboren:        09.09.1778 Ehrenbreitstein/ heue Koblenz
gestorben:     28.07.1842 Aschaffenburg


1778- 1795   

Mehrfacher Wechsel des Wohnorts. ( Mainz, Koblenz, Heidelberg, Mannheim)

1795/96        

Scheitern einer kaufmännischen Ausbildung in Langensalza

1997             

Beginn eines Studiums der Bergwissenschaft in Halle ab 1798 Medizin in Jena/ 
schließt das Studium nicht ab und widmet sich der Literatur. 
Lernt in Jena u.a. Wieland, Herder, Fichte und Tieck kennen.

1801    
         
In Göttingen/Studium Philosophie/ Lernt Achim von Arnim kennen. 

1804          

Heiratet die Schriftstellerin Sophie Mereau/ Zieht nach Heidelberg/ Zusammen 
mit Achim von Arnim "Des Knaben Wunderhorn"

1806             
Seine Frau stirbt bei der Geburt des dritten Kindes/ Brentano heiratet nur   
wenig später wieder/ Ehe wird 1814 geschieden

1810             
Gründungsmitlied der Deutschen Tischgesellschaft in Berlin, einer zu Teil   
antisemitischen Vereinigung

1811- 1815    

In Böhmen und Wien. Scheitert als Bühnenautor in Wien

1818              

Zieht für 6 Jahre ins westfälische Dülmen
In den nächsten Jahren verschiedene Aufenthalte. Viel religiöse Lyrik. 

1833  

            
Lernt die Schweizerin Maler Emilie Linder kennen. Ihr widmet Brentano sein       
lyrisches Spätwerk.

Bis zu seinem Tod lebt Brentano, schwermütig geworden, in Aschaffenburg im Hause seines Bruders. 


Brentano hat ein umfangreiches Werk hinterlassen das aus Lyrik, Märchen, Dramen, Satiren und Erzählungen besteht. Die meisten seiner Werke wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Brentano leistete vor allem als Lyriker sein Bestes und einige seine Gedichte werden auch heute noch gern gelesen. Neben Eichendorff , wenn auch nicht auf dessen hohen künstlerischen Niveau, ist der Dichter sicher einer der bedeutendsten Lyriker der Romantik.


Brentano hat seine Gedichte nie separat in einem Gedichtband herausgegeben sondern sie finden sich verstreut in seinen Dramen, Erzählungen und Märchen. Viele seiner Gedichte sind im Ton von Volksliedern gestaltet und haben dementsprechend einen melodischen Klang. Oft klingt in diesen Gedichten der Rhythmus alter Volkslieder nach und der Dichter übernimmt auch wörtliche Passagen. Dieses Talent Brentanos wird auch  in den Bearbeitungen von Liedern aus "Des Knaben Wunderhorn" deutlich die oft meisterlich von ihm umgestaltet wurden. 

Diesen schlichten Volksliedton trifft der Dichter vor allem in dem Gedicht "Ein Fischer saß im Kahne" .


Ein Fischer saß im Kahne,
Ihm war das Herz so schwer,
Sein Liebchen war gestorben,
Das glaubt' er nimmermehr.

Allerdings sind solche Gedichte im Schaffen von Brentano nur in geringer Anzahl zu finden und in seinen Gedichten überwiegen klagende Töne. 
Brentano fühlte sich in seiner heimatlichen Landschaft am wohlsten und immer wieder unternommene Reisen auf den Rhein finden ihren Niederschlag in Gedichten die er in den "Rheinmärchen" einstreute. 

Nun gute Nacht, mein Leben
Du alter treuer Rhein!
Deine Wellen schweben
Klar im Sternenschein;
Die Welt ist rings entschlafen,
Es singt den Wolkenschafen
Der Mond ein Lied.

Oder:

Zu Barach am Rheine
Wohnt eine Zauberin,
Sie war so schön und feine
Und riß viel Herzen hin.

Die Empfindungen die in den Gedichten zum Ausdruck ist echt und tief und begründen die Rheinromantik die aber nicht mit dem nationalistischen Kitsch des 19.Jahrhunderts verwechselt werden darf. 
An dieses Gedicht konnte Heinrich Heine anknüpfen dem es gelang  die Wirkung noch zu erhöhen indem er es von unnötigen Ballast befreite und die Handlung komprimierte. (Ich weiß nicht was soll es bedeuten)

Seine religiöse Dichtung ist in großen Teilen bis heute in katholischen Kreisen recht bekannt und wird gelesen. Literaturhistorisch ist Brentano vor allem als der Bearbeiter und Herausgeber ( gemeinsam mit Arnim) "Des Knaben Wunderhorn" bekannt geworden. 

Von seinem Prosawerk sind vor allem seine Märchen noch lebendig die auch heute noch ihre Leser finden. 

Werke (Lyrik- Auswahl)


Abendständchen 1802

Der Spinnerin Nachtlied 1802
Was reif in diesen Zeilen steht 1837
Des Knaben Wunderhorn (3 Bände zusamen mit Arnim) 1806 und 1808
Gedichte 1854 Hrsg. Emilie Brentano

Prosa- Auswahl


Gockel, Hinkel und Gackeleia 1838 Märchen

Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter 1801 Roman
Die lustigen Musikanten Singspiel 1803
Cecilie Drama 1801 (Fragment)





Als ich in tiefen Leiden...


Als ich in tiefen Leiden 
Verzweifelnd wollt ermatten, 
Da sah ich deinen Schatten 
Hin über meine Diele gleiten,
Da wusst ich, was ich liebte, 
Und was so schrecklich mich betrübte, 
O Wunder aller Zierde, 
Du feine ernste Myrte.


O kühler Wald

O kühler Wald,

Wo rauschest du, 
In dem mein Liebchen geht? 
O Widerhall, 
Wo lauschest du, 

Der gern mein Lied versteht?

O Widerhall,
O sängst du ihr
Die süßen Träume vor,
Die Lieder all,
O bring sie ihr,
Die ich so früh verlor!

Im Herzen tief,
Da rauscht der Wald,
In dem mein Liebchen geht,
In Schmerzen schlief
Der Widerhall,
Die Lieder sind verweht.

Im Walde bin
Ich so allein,
O Liebchen, wandre hier,
Verschallet auch
Manch Lied so rein,
Ich singe andre dir!


Wiegenlied

Singet leise, leise, leise,
singt ein flüsternd Wiegenlied;
von dem Monde lernt die Weise,
der so still am Himmel zieht.

Singt ein Lied so süß gelinde,
wie die Quellen auf den Kieseln,
wie die Bienen um die Linde
summen, murmeln, flüstern, rieseln.

Ein Fischer saß im Kahne


Ein Fischer saß im Kahne,
Ihm war das Herz so schwer,
Sein Liebchen war gestorben,
Das glaubt' er nimmermehr.

Und bis die Sternlein blinken,
Und bis zum Mondenschein,
Harrt er sein Lieb zu fahren
Wohl auf dem tiefen Rhein.

Da kömmt sie hergegangen
Und steiget in den Kahn,
Sie schwanket in den Knien,
Hat nur ein Hemdlein an.

Sie schwimmen auf den Wellen
Hinab in tiefer Ruh,
Da zittert sie und wanket,
O Liebchen frierest du?

Dein Hemdlein spielt im Winde,
Das Schifflein treibt so schnell;
Hüll dich in meinen Mantel,
Die Nacht ist kühl und hell.

Sie strecket nach den Bergen
Die weißen Arme aus,
Und freut sich, wie der Vollmond
Aus Wolken sieht heraus,

Und grüßt die alten Türme,
Und will den hellen Schein,
Mit ihren zarten Armen,
Erfassen in dem Rhein.

O setze dich doch nieder
Herzallerliebste mein!
Das Wasser treibt so schnelle,
O fall nicht in den Rhein.

Und große Städte fliegen
An ihrem Kahn vorbei,
Und in den Städten klingen
Der Glocken mancherlei.

Da kniet das Mädchen nieder
Und faltet seine Händ
Und seine hellen Augen
Es zu dem Himmel wendt.

Lieb Mädchen bete stille,
Schwank nicht so hin und her,
Der Kahn, er möchte sinken,
Das Wasser treibt so sehr.

In einem Nonnenkloster
Da singen Stimmen fein
Und in dem Kirchenfenster
Sieht man den Kerzenschein.

Da singt das Mädchen helle
Die Metten in dem Kahn,
Und sieht dabei mit Tränen
Den Fischerknaben an.

Der Knabe singt mit Tränen
Die Metten in dem Kahn,
Und sieht dabei sein Mädchen
Mit stummen Blicken an.

So rot und immer röter
Wird nun die tiefe Flut,
Und weiß und immer weißer
Das Mädchen werden tut.

Der Mond ist schon zerronnen,
Kein Sternlein mehr zu sehn,
Und auch dem lieben Mädchen
Die Augen schon vergehn.

Lieb Mädchen guten Morgen!
Lieb Mädchen gute Nacht!
Warum willst du nun schlafen?
Da schon die Sonn erwacht.

Die Türme blinken helle,
Und froh der grüne Wald
Von tausend bunten Stimmen
In lautem Sang erschallt.

Da will er sie erwecken,
Daß sie die Freude hör,
Er sieht zu ihr hinüber
Und findet sie nicht mehr.

Und legt sich in den Nachen
Und schlummert weinend ein,
Und treibet weiter weiter
Bis in die See hinein.

Die Meereswellen brausen
Und schleudern ab und auf
Den kleinen Fischernachen
Der Knabe wacht nicht auf.

Doch fahren große Schiffe
In stiller Nacht einher,
So sehen sie die beiden

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