2013-06-13

Dichter des Barock- Andreas Gryphius- Kurzbiografie+Leseproben


geboren:        02.10.1616  Glogau/Schlesien

gestorben:      16.07.1664  Glogau




1616
2. Oktober: Andreas Gryphius (eigentlich Greif) wird in Glogau geboren

1621
Besuch des Gymnasiums in Glogau. Tod des Vaters

1631
Wechselt auf das Gymnasium in Görltz

1632
Gymnasium von Fraustadt.

1633
Erste Dichtungen bekannt. (in lateinischer Sprache)

1634-36
Gymnasium in Danzig. Verleihung des Adelstitel durch sein Mäzen Georg von Schönborn

1636
Hauslehrer in Freistadt bei Schönborn

1637
Tod seines Gönners.

1638–1644
Geht mit 2 der Söhne von G.v. Schönborn nach Leiden. Vorlesungen an der Universität Leiden. Hier lernt er herausragende Persönlichkeiten seiner Zeit kennen.
( René Descartes ) In Leiden entstehen zahlreiche Gedichtsammlungen und werden veröffentlicht.

1644
Reise nach Italien. Genaue Datierung nicht möglich da das Tagebuch von Gryphius verschollen ist.

1647
In Straßburg. Hier schreibt er sein erstes Trauerspiel. ( Leo Armenius)
Nach Stettin. Beendet sein 2 Trauerspiel das er in Straßburg begonnen hatte. ( Catharina von Georgien)

1647-49
Wieder in Frauenstadt. Sehr produktive Zeit. Trauerspiele und Lustspiele. ( Cardeniound Celinde /Trauerspiel, Carolus Stuardus/Trauerspiel, Peter Squentz, Lustspiel usw.)

1649
Heiratet Rosina Deutschländer. Als Professor nach Frankfurt/Oder

1650
Jurist in Glogau. Überarbeitung von früheren dichterischen Texten. Zahlreiche neue Dichtungen entstehen.

1664
Gryphius stirbt in Glogau.



Werke (Auswahl)

Lyrik

Sonette „Lissaer Sonette“, Lissa 1637
Son- und Feyrtags-Sonette, Leiden 1639
Sonette. Das erste Buch, Leiden 1643
Oden. Das erste Buch, Leiden 1643
Epigrammata. Das erste Buch, Leiden 1643
Gedanken über den Kirchhof und Ruhestätte der Verstorbenen, Breslau 1657

Leo Armenius, oder Fürsten-Mord -Trauerspiel, Breslau 1657
Cardenio und Celinde, oder unglücklich Verliebete -Trauerspiel, Breslau 1657
Großmütiger Rechts-Gelehrter, oder Sterbender Aemilius Paulus Papinianus (Trauerspiel), Breslau 1659.

Lustspiele

Absurda Comica oder Herr Peter Squenz/Schimpff-Spiel, Breslau 1658
Verlibtes Gespenste/Gesang-Spil. Die gelibte Dornrose/Schertz-Spil in schlesischer Mundart (Doppeldrama), Breslau 1660

Weitere Prosa, Lust-und Trauerspiele
Gryphius wurde am 02.10.1616 in der schlesischen Stadt Glogau geboren. Wie viele Dichter dieser Zeit war er von den unmittelbaren Ereignissen des 30jährigen Krieges betroffen so das sein erstes lyrisches Werk, das er 1637 vollendete, sich mit diesen Krieg beschäftigt. Die Sammlung von Sonetten zeigen die Auswirkungen und Schrecken des Krieges. 
Begonnen hat Gryphius, wie viele Dichter seiner Zeit, in lateinischer Sprache zu schreiben. Gryphius hat relativ spät begonnen in deutscher Sprache zu dichten. Seine Reisen in die großen europäische Städte, in der er viele der neuen Richtungen in der Dichtung in sich aufnahm, haben seinen Horizont wohl erweitert so das er fast nur noch in deutscher Sprache schrieb.
In den Jahren 1644 bis 1646 unternahm der Dichter Bildungsreisen nach Frankreich und Italien. Schon zu Lebenszeiten schätzten seine Zeitgenossen die Werke von Gryphius und er erfuhr zahlreiche Ehrungen.

Das Werk von Andreas Gryphius ist sehr umfangreich. Es umfasst viele Gedichte, Dramen und Lustspiele. Sein Werk ist geprägt von den Ereignissen des 30jährigen Krieges dessen Leiden und Schrecken er eindringlich schildert. Als tief religiöser Mensch schuf er eine Vielzahl geistlicher Gedichte zu fast allen kirchlichen Anlässen und sein gesamtes Werk ist durch sein Glauben geprägt. Allerdings kann man die Lyrik von Gryphius nicht als durchgehend sakral bezeichnen da sie nicht das irdischen Leben, z.b. die Liebe, ausschließen. Der Glaube bildet lediglich die Grundlage des Schaffens von Gryphius. 
Ein besonderer Verdienst des Dichters ist es, das Sonett für die deutsche Literatur als relativ neue Form durchgesetzt zu haben. 

Andreas Gryphius starb am 16.07.1664 in Glogau.



Leseproben




Tränen des Vaterlandes

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr den ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun

Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun
Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat auf gezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch’ ist umgekehret.

Das Rahthaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun,
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt, rinnt allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut,
Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen,

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer den die Pest, und Glut und Hungersnot,
Das auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

Über die Nacht meiner Geburt


Die Erden lag verhült mit Finsternüß und Nacht/
Als mich die Welt empfing/ der Hellen Lichter Pracht/
Der Sternen goldne Zier umbgab des Himmels Awen 
Wrumb? Umb daß ich nur soll nach dem Himmel schawen.




Menschliches Elende


Was sind wir Menschen doch! ein Wonhauß grimmer Schmertzen
Ein Ball des falschen Glücks/ ein Irrliecht dieser Zeit.
Ein Schauplatz herber Angst/ besetzt mit scharffem Leid/
Ein bald verschmeltzter Schnee/ und abgebrante Kertzen.
Diß Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Schertzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
Und in das Todten- Buch der grossen Sterblikeit
Längst eingeschriben sind/ sind uns auß Sinn' und Hertzen.
Gleich wie ein eitel Traum leicht auß der Acht hinfällt/
Und wie ein Strom verfleust/ den keine Macht auffhelt:
So muß auch unser Nahm/ Lob/ Ehr und Ruhm verschwinden/
Was itzund Athem holt/muß mit der Lufft entflihn/
Was nach uns kommen wird/wird uns ins Grab hinzihn/
Was sag ich? wir vergehn wie Rauch von starcken Winden.

Morgensonett

Die ewig helle Schar will nun ihr Licht verschließen,
Diane steht erblasst; die Morgenröte lacht
Den grauen Himmel an, der sanfte Wind erwacht
Und reizt das Federvolk, den neuen Tag zu grüßen.

Das Leben dieser Welt eilt schon, die Welt zu küssen,
Und steckt sein Haupt empor; man sieht der Strahlen Pracht
Nun blinkern auf dem See. O dreimal höchste Macht,
Erleuchte den, der sich jetzt beugt vor deinen Füßen!

Vertreib die dicke Nacht, die meine Seel umgibt,
Die Schmerzensfinsternis, die Herz und Geist betrübt,
Erquicke mein Gemüt und stärke mein Vertrauen!

Gib, dass ich diesen Tag in deinem Dienst allein
Zubring! und wenn mein End und jener Tag bricht ein,
Dass ich dich, meine Sonn! mein Licht! mög ewig schauen!

Es ist alles eitel

Du siehst, wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reist jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden:

Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was itzt so pocht und trotzt ist Morgen Asch und Bein
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
Ach! was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind't.
Noch will was ewig ist kein einig Mensch betrachten!

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