2013-06-13

Dichter des Barock- Teil 3- Simon Dach- Kurzbiografie




geboren:    29.07.1605


gestorben: 15.04.1659

Sohn eines Gerichtsdolmetschers



1615
Seine Schulbildung erhält Dach zunächst in Memel.

1619
Übersiedlung nach Königsberg und  Besuch der dortigen Domschule.

1620–1623
3 Jahre an der Stadtschule in Wittenberg

1624
Besuch der Stadtschule Magdeburg.

1625
Rückkehr nach Königsberg.

1626
Dach ist Student der Theologie in Königsberg. Studium klassischer Sprachen und Poesie. Ohne akademischen Abschluss

1633
Lehrer an der Domschule

1635
Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Komponisten Heinrich Albert. Aufführung seines Singspiels "Cleomedes" anläßlich des Besuchs
des polnischen Königs.

1636–1639
Dach wird Konrektor an der Domschule Königsberg.

1639
Dach wird zum Professor für Dichtkunst an der Universität Königsberg ernannt. Mitglied des Königsberger Dichterkreises.

1640
Dach promoviert in Königsberg. Als Fakultätsmitglied der Königsberger Universität übernimmt Dach fünfmal das Dekanat.
Kurfürst Friedrich Wilhelm übernimmt die Regierung bis 1688

1642
Dach heiratet Regina Pohl, die Tochter eines Königsberger Hofgerichtsadvokaten.

1644
Das Singspiel "Sorbuisa" wird zur Hundertjahrfeier der Universität Königsberg aufgeführt.

1645
Aufführung seines Singspiels »Prussarchia« vor dem Hof.

1654
Dach wird schwer krank.

1656
Rektor der Universität in Königsberg

1658
Dach erhält ein großes Landgut als Geschenk vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Beide vebindet ein fast freundschaftliches Verhältnis.

1659
Dach stirbt in Königsberg.




Werke


Dach hat eine Unmenge Lyrik zu allen möglichen Anlässen hinterlassen, hat aber nicht ein einziges Buch veröffentlicht. Seine Produkte wurden meist sofort gedruckt
und auf "Handzettel" verteilt bzw. verkauft. Daher enthält die folgende Aufstellung einige Beispiele von Veröffentlichungen nach dem Tode Dachs.


Gedichte. 4 Bde., Hrsg. Walter Ziesemer, Halle 1936-38.
Alexander J. Birt: Simon Dach. Königsberg
Hermann Österley: Simon Dach; Tübingen 1876
August Gebauer (Hrsg.): Simon Dach und seine Freunde als Kirchenlieddichter. Tübingen: Osiander 1828
Bruno Nick: Das Naturgefühl bei Simon Dach. Diss. Greifswald 1911
Heinrich Stiehler: Simon Dach. Königsberg: Hartung 1896

Simon Dach wurde am 29.07.1605 in Memel (Preußen) geboren. Nach dem Besuch der Universitäten von Königs-und Wittenberg wurde er 1639 Professor für Dichtkunst in der letzteren der genannten Universitäten. 

Dach war ein Vielschreiber der auf Bestellung Gedichte am laufenden Band produzierte die auch meist sofort auf Blätter gedruckt wurden, und die seine Zeitgenossen eifrig sammelten. Ein Buch hat der Dichter zu Lebzeiten nicht veröffentlicht. 
Simon Dach hat vor allem die Liedform in seiner Dichtung bevorzugt und Oden bzw. Sonette vermieden. Viele der Gedichte von Simon Dach sind sehr gefühlsvoll was für die Barockzeit außergewöhnlich ist. Seine Lyrik ist klar und ohne Künstelei und der Ton ist fast als volkstümlich zu bezeichnen. 
Von seinen weltlichen Gedichten hat vor allem das Gedicht "Anke van Tharaw", das wir heute unter den Namen Ännchen von Tharau kennen die Zeiten überlebt.
Seine geistlichen Gedichte sind von großer Schlichtheit und er zählt neben Paul Gerhardt zu den bedeutendsten Dichtern religiöser Lyrik des Barocks.

Simon Dach starb am 15.04.1659 in Königsberg.
Leseproben






Mey-Liedchen

Komm, Dorinde, lass vns eilen,
Nimm der Zeiten Güt in acht,
Angesehen, das verweilen 
Selten grossen Nutz gebracht, 
Aber weißlich fortgesetzt, 
Hat so manches Paar ergetzt. 

Wir sind in den Frülings Jahren,
Lass vns die Gelegenheit
Forn ergreiffen bey den Haaren,
Sehn auff diese Meyen-Zeit,
Da sich Himmel, See vnd Land 
Knüpffen in ein Heyraht-Band.

Wenn sich die Natur verjünget,

Liegt in Liebe kranck vnd wund,
Alles sich zu nehmen zwinget,
Thut sie frey dem Menschen kundt:
Daß sich Er, die kleine Welt,
Billich nach der grossen Helt.

Still zu seyn von Feld vnd Püschen,
Von dem leichten Heer der Lufft,
Da sich jedes will vermischen,
Jedes seines Gleichen rufft,
Hört man in den Wäldern nicht,
Wie sich Baum vnd Baum bespricht?

An den Bircken, an den Linden,
Vnd den Eichen nimbt man wahr,
Wie sich Aest' in Aeste binden,
Alles machet offenbahr
Durch das Rauschen, so es übt,
Daß es sey, wie wir, verliebt.

Lust betrübt, die man verscheubet.
Dieser Eyfer, dieser Brand,
Diese Jugend, so vns treibet,
Hat nicht ewig den Bestand,
Zeigt sich Wind- vnd Vogel-leicht,
Ist geflügelt, kömpt vnd weicht.

Braut-Tantz

Laßt uns meiden
Was nur leiden
Einem schaffen kan,
Außerwehltste Freuden
Gebt euch bey uns an,
Liebste Sachen,
Spiel und Lachen,
Kompt gesampt zu hauff,
Steck uns Kertzen
In den Hertzen,
Süsser Amor, auff!

Der mein Leben
Sich ergeben,
Die mich meiner Pein
Gnüglich kan entheben,
Wird nun gäntzlich mein.
Ihre Wangen,
Mein Verlangen,
Ihrer Vnschuld Ruhm,
Ihre Jugend,
Zucht und Tugend
Sind mein Eigenthum.

Laßt mir weichen
Alle Reichen,
Alles Gut und Geld,
Nichts ist Ihr zu gleichen,
Sie ist meine Welt.
Gläntzt, jhr Sterne,
Schön von ferne,
Die mein Hertz mir brennt,
Meine Wonne
Ist mir Sonne,
Mond und Firmament.

Seyd selbs Richter,
Himmels-Liechter,
Weil jhr auch geliebt,
Wie die Schaar der Tichter
Von euch Nachricht giebt,
Sagt zusammen,
Wolcken-Flammen,
Ob was Liebers mir
Hie auff Erden
Könne werden
Weder jhre Zier?

Ihrentwegen
Halt ich Regen
Vnd Gefahr zur See
Niemals mir entgegen,
Liebe Frost und Schnee,
Schätz' erkohren
Selbs die Mohren
Vnd den Nilus-Strand,
Geht für allen
Mein Gefallen,
Sie, mir nur zuhand.

Himmels-Güte,
Halt in Blüte
Vnsrer Liebe Saat,
Gründ uns das Gemüthe
Stets auff Gott und Raht!
Nur ein Wille,
Demuth, Stille,
Krön' uns iederzeit,
Laß uns fahren
Alt an Jahren
In dein' Ewigheit!

Creutz-Lied

Wirst Du nicht vnser Creutz mit tragen,
Vns nicht zur Seiten stehn,
So müssen wir, O Gott, verzagen
Vnd nur für Angst vergehn.
Schaw, wie wir vnsern Mund gewehnen
Zu lauter Thränen-Brodt,
Vns tränckt ein grosses Maaß der Thränen
In Schmertzen, Pein vnd Noth.

Dein Grimm muß wieder vns sich regen
Vnd stürmt zu vns herein,
Als die, an denen viel gelegen,
Vnd dir gewachsen seyn.
Gedenck an Dich vnd Deine Stärcke,
Vnd auch an vns dabey,
Wir sind zwar deiner Hände Wercke,
Ach, aber Staub vnd Sprew.

Verfolg erzürnt die stoltzen Hertzen
Durch Grimm vnd wilden Brandt:
Wir küssen, Herr, in Rew vnd Schmertzen
Die Ruth vnd deine Handt:
Laß Dich auch wieder gnädig finden,
Wend vnsers Creutzes Last,
Ach komm die Wunden zu verbinden,
Die du geschlagen hast.

Vnd sol Dein Zorn ja ferner walten,
Weil wir durch grosse Schuldt
Vns werth, Herr, aller Straffe halten,
So gib dabey Gedult.
Wol dem, der Dein sich kan bescheiden
In Lust vnd Pein zugleich,
Das Creutz wird jhm ein Schatz der Frewden,
Die Hell ein Himmelreich.




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