2013-06-15

Dichter des Barock- Paul Fleming- Kurzbiografie+Gedichte




geboren:    05.10.1609 Hartenstein


gestorben:  02.04.1640 Hamburg




1620
Erster Unterricht durch den Vater dann besucht er die Stadtschule in Mittweida.

1623
Fleming wird Schüler der Thomasschule in Leipzig.

1628-33
Fleming studiert an der Leipziger Universität Philosophie und Medizin. Abschluss mit dem Magistergrad.

1629
Freundschaft mit seinem Studienkameraden Georg Gloger der ihn auf das Buch "Von der deutschen Poeterey" von M.Opitz hinweist. Opitz wird das Vorbild von Fleming.

1630
Erste Gedichte. Gelegenheitsgedichte, Trauer-, Hochzeits- und Gratulationsgedichte.

1631
Fleming wird zum Dichter ernannt. (Poeta laureatus )

1633
Abschluss des Studiums mit dem Magistergrad.
Als Arzt und Truchsess im Dienst von Herzogs Friedrichs III. von Holstein-Gottorp. Reise nach Rußland und Persien.

1637
Ankunft in Isfahan/Persien. Fleming bleibt dort bis 1639.

1639
Fleming verlobt sich mit Anna Niehusen die er 1635 in Reval kennengelernt hat.

1640
Fleming promoviert zum Doktor der Medizin in Leiden. Auf der Reise nach Reval, wo Fleming sich als Arzt niederlassen will, stirbt er in Hamburg an einer Lungenentzündung.


Werke

Klagegedichte über … Leiden und Tod Jesu Christi 1632
Poetischer Gedichten … Prodomus 1641
Teutsche Poemata 1646, ab 1651 als Geist- und Weltliche Poemata erschienen

Fleming war einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barocks der am 05.10.1609 in Hartenstein (Sachsen) geboren wurde. In Leipzig studierte er Medizin und fand Anschluss an einen Kreis junger Dichter, die wie Martin Opitz, eine Erneuerung der deutschen Dichtkunst anstrebten. 

Wie viele Dichter des Barocks schrieb Fleming erst in Latein. Seine Jugendgedichte die in deutscher Sprache verfasst waren, hat er meist vernichtet weil er sie für unzulänglich hielt. Viele der überlieferten Gedichte von Fleming entstanden auf seiner Reise nach Rußland und Persien. Sie sind noch stark dem Petrarkismus verpflichtet weisen aber schon tendenziell auf eine barocke Stilrichtung hin.
Flemings Lyrik wirkt natürlich und besitzt nicht den gekünstelten Ton anderer barocker Dichter. 
Ein großer Teil der Gedichte Flemings, die auf seiner Reise entstanden, kann man fast als Reisebeschreibungen bezeichnen denn in ihnen schildert der Dichter Land und Leute. Die Gedichte sind eine Art Reisetagebuch die detailliert über Landschaft und Menschen berichten. 
Geistliche Gedichte von Fleming sind zumeist  in der Sonetten-oder Odenform geschrieben und einige seiner Kirchenlieder sind bis heute lebendig und bekannt geblieben. 
Fleming starb im Alter von nur 30 Jahren an einer Lungenentzündung in Hamburg.
Leseproben



Arie

O liebliche Wangen,
Ihr macht mir Verlangen,
Dies Rote, dies Weiße

Zu schauen mit Fleiße!

Und dies nur alleine 
Ist’s nicht, was ich meine; 
Zu schauen? zu grüssen? 
Zu rühren, zu küssen! 
Ihr macht mir Verlangen, 
O liebliche Wangen!

O Sonne der Wonne!
O Wonne der Sonne!
O Augen, so saugen
Das Licht meiner Augen!
O englische Sinnen!
O himmlisch Beginnen,
O Himmel auf Erden-
Magst du mir nicht werden,
O Wonne der Sonne!
O Sonne der Wonne?

O Schönste der Schönen,
Benimm mir dies Sehnen!
Komm, eile, komm, komme,
Du süße, du Fromme!
Ach, Schwester, ich sterbe,
Ich sterb’, ich verderbe.
Komm, tröste, komm, heile!
Benimm mir dies Sehnen,
O Schönste der Schönen!


Von den Blumen

Der Rosen Milch und Blut muß ihren Wangen weichen,
kein rotes Negelein mag ihrem Munde gleichen.
Die Saffranblume stirbt für ihrer Haare Zier,
Vergißmeinnicht vergißt auch seiner selbst für ihr.
Narzissen sind wol weiß, doch nicht für ihren Händen,
die Veilgen werden blas, wenn sie sich nach ihr wenden.
Ihr Hals ist heller noch als alle Lilgen sein,
und ihre Brust sticht hin der Anemonen Schein.
Ihr süßer Odem reucht wie starke Bisemblumen,
an ihr ist, was uns schickt Panchea und Idumen.
Was sag' ich? Müßt doch ihr, ihr Blumen, selbst gestehn,
sie sei noch tausentmal so schön' als Tausentschön!

Grabschrift

Freund, was du liesest hier von mir,
hab' ich von Andern oft gelesen;
so wird man lesen auch von dir:
Was du bist, bin auch ich gewesen.


Auf ihre drei Küsse

War oder war ich nicht, da mich mein Lieb entzückte
und ihren feuchten Mund auf meinen dreimal drückte?

War oder war ich nicht? Kupido, sag' es mir!
Wo nicht, so mache mich recht dankbar gegen ihr
und schaffe, daß ich sie noch heute zur Genüge
zehnmalzehntausentmal für einmal küssen müge!

Bei Übersendung eines Ringes

Sei, Schöne, nicht verletzt, daß dieser schlechte Ring
so kühne zu dir kömt! Ihm deucht, es sei ein Ding,
er sei arm oder reich, so heißts doch gleiches Falles:
Mein Herr, der schenket dir sein Nichts, mich, für dein Alles.

An einen guten Freund

Laß der Zeit nur ihren Willen
und vergönn ihr ihren Lauf!
Sie wird sich selbst müssen stillen,
wenn wir nichts nicht geben drauf.
Meistes Elend wird verschmerzet,
wenn mans nicht zu sehr beherzet.

Ist es heute trübes Wetter,
morgen wird es heiter sein!
Stimmen doch die großen Götter
stets an Lust nicht überein.
Und wer weiß, wie lang' er bleibet,
der uns itzo so vertreibet?

Ob die Sonne gehet nieder
und den Erdkreis traurig macht,
doch so kömmt sie frölich wieder
nach der überstandnen Nacht.
Herrschen itzund Frost und Winde,
balde wird es sein gelinde.

Unterdessen sei der Deine!
Brich nicht ab der ersten Kost,
labe dich mit altem Weine
und versuch den jungen Most!
Laß uns einen Rausch noch kaufen,
ehe denn wir müssen laufen!


Epochenübersicht









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