2013-06-24

Dichter des Barocks- Georg Rudolf Weckherlin- Kurzbiografie+Leseprobe






 geboren:    15.07.1584 Stuttgart 


 gestorben: 13.02. 1653 London




1599–1604
Studium der Rechtswissenschaft in Tübingen. In diesem Jahren unternimmt er Bildungsreisen durch Deutschland, England und Frankreich 


1606
Im württembergischen Staatsdienst. In diplomatischen Angelegenheiten nach Frankreich. 


1607–1617
Mit mehreren Unterbrechungen in England . Verlobung mit Elizabetth Raworth, der Tochter eines Stadtschreibers (1615) In dieser Zeit könnten die ersten Verse entstanden sein. 


1616 

Sekretär und Hofdichter des Herzogs Johann Friedrich v. Württemberg. 

1617
Geburt eines Sohnes.


1618
Geburt einer Tochter.
"Oden und Gesänge" Stuttgart 1618–1819


1620
Weckherlin ist wieder in England 


1622

Scheidet aus dem Staatsdienst für Württemberg aus. 

1626
Privatsekretär des englischen Außenministers Lord Conway 


1641 

"Gaistliche und Weltliche Gedichte" 

1649

Weckerherlin scheidet aus dem Staatsdienst aus 

1653


Stirbt hochangesehen in London




Werke


1618–19 Erstausgabe Oden und Sonette 


1641 ein Band Geistliche und weltliche Gedichte Amsterdam


Das Werk des Dichters umfasst Festbeschreibungen, Oden und Gesänge. Am bedeutendsten dürfte die 1641  erschienene Sammlung von Gedichten sein. ( Gaistliche und Weltliche Gesänge)

Durch Weckherlin wurde die Ode, nach dem Vorbild französischer Lyriker weiterentwickelt, und so in die deutsche Literatur eingeführt.



Leseproben



Amor betrogen

Cupido einmal sehr verdrossen,
daß er hat so vil pfeil umsunst
auf meine Myrta los geschossen,
die niemals achtet seiner kunst,
erwählet, ihre zarte schoß
zu wunden, zornig, ein geschoß. 

Also flog er bald in den garten, 
da er dieselb zu sein gedacht, 
und nehmend war von fern der zarten, 
die ihn in dise welt gebracht,
»wolan, sprach er, nu soll dein blut
recht büßen, Myrta, deinen mut.«

Er spannet, unweis, seinen bogen,
und, zilend auf das herz ohn gnad,
schoß er ihn plötzlich los, betrogen,
in seiner mutter brust gerad,
darauf dan ein elender schmerz
vergiftet bald der göttin herz.

»Ach weh! was magst du wol gedenken,
sprach sie, undankbar böser knab?
wie kanst so tödlich du bekränken
die, welche dir das leben gab?
und sparest gleichwol deine macht
noch wider die, die dich verlacht.«

Die red so sehr das kind erschrecket,
daß es bald seine wängelein
mit heißen zähern überdecket
und schrie: »Ach, liebes mütterlein,
verzeihet mir, dan ich nam euch
für Myrta, deren ihr gar gleich.«

Ihr Herz ist gefroren

Gleichwie ein armer mensch, aus irdischem verstand,
vermeinet, horchend zu des aberglaubens lehren,
ein schön gemaltes bild, als seines geists heiland,
mit bitten, opfern, lob und anderm dienst zu ehren:
Also und mehr fehl ich, witzlos, durch mein begehren,
wan ich für euch erheb mein herz, gesicht und hand,
wan ich mich darf ab euch beklagen und beschweren,
da schuldig doch allein mein eigner unverstand.
Ja, göttin, deren gnad mich kont allein erlaben,
euch klag ich an umsunst, umsunst hoff ich den lust,
daß euer herz mit lieb werd meine lieb begaben;
Dan solt ich, als ich sah eurer schneeweißen brust
bezauberende bühl, nicht (klüger) gedacht haben,
daß under solchem schnee ein herz von eis sein must.


An das Teutschland

Zerbrich das schwere joch, darunder du gebunden,
o Teutschland, wach doch auff, faß wider einen muht,
gebrauch dein altes hertz und widersteh der wuht
die dich und die freyheit durch dich selbs überwunden.
Straf nu die Tyranney, die dich schier gar geschunden,
und lösch doch endlich auß die (dich verzöhrend) glut
nicht mit dein eignem schwaiß, sondern dem bösen blut,
fliessend aus deiner feind und falschen brüdern wunden.

Verlassend dich auf Got, folg denen Fürsten nach,
die sein gerechte hand will, so du wilt, bewahren
zu der Getrewen trost, zu der trewlosen raach:
So laß nu alle forcht, und nicht die zeit, hinfahren,
und Got wirt aller welt, daß nichts dan schand und schmach
des feinds meynayd und stolz gezeuget, offenbaren.

  
Die Lieb ist Leben und Tod

Das Leben so ich führ ist wie der wahre Tod /
Ja über den Tod selbs ist mein trostloses Leben:
Es endet ja der Tod des menschen pein und Leben /
Mein Leben aber kan nicht enden diser Tod.
Bald kan ein anblick mich verlötzen auf den Tod /
Ein andrer anblick bald kan mich widrumb beleben /
Daß ich von blicken muß dan sterben und dan leben /
Und bin in einer stund bald lebendig bald tod.
Ach Lieb! verleyh mir doch numehr ein anders leben /
Wan ich ja leben soll / oder den andern tod /
Dan weder disen tod lieb ich / noch dises leben.
Verzeih mir / Lieb / ich bin dein lebendig und tod /
Und ist der tod mit dir ein köstlich-süsses leben /
Und leben von dir fern ist ein gantz bittrer tod.

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