2013-06-30

Dichter des Barock- Abraham a Sancta Clara- Kurzbiografie+Leseproben





geboren:        02.07.1644 Krähenheimstetten als Johann Ulrich Megerle


gestorben:     01.12.1709 Wien



1656-1559
Auf dem Gymnasium der Jesuiten in Ingolstadt

1660-1662
An das Gymnasium der Benediktiner in Salzburg

1662
Eintritt in das Kloster Maria Brunn bei Wien (Orden der Augustiner-Barfüßer) . Nimmt aus Dankbarkeit gegenüber seinem Onkel, der ihm die Gymnasiumbesuche ermöglicht hatte, den Namen Abraham a Sancta Clara an.
Studium der Theologie und Philosophie in Wien, Prag und Ferrara

1666
Priesterweihe in Wien

1669-1672
Sonn-und Feiertagsprediger in Wien. In vielen Kirchen der Stadt predigt er gegen Völlerei, Trunksucht und Habgier. Tausende Menschen kommen in seine Predigten da sie in satirischen und deftigen Ton gehalten werden.

1673
Erste überlieferte Predigt

1682
Sonntagsprediger an das Kloster St. Anna zu Graz

1686-1709
Als Prior in Graz. Mehrere Reisen nach Rom. Fruchtbarste Zeit seines literarische Schaffens.
Hauptwerk: Hauptwerk Judas, der Ertz-Schelm vier Teile 1686, 1689, 1693 und 1695 (Sammlung von Schriften, Predigten und Gedichten)
Auswahl seiner Werke: (Nach Wikipedia- erhalten sind über 600 Schriften)

Lateinische Schriften

Epitome Elogiorum. Hacque, Wien, 1670
Epithaphium Illustrissimi Et Excellentissimi Domini. Haan, Salzburg, 1684
Epithaphium Reverendissimi, Illustrissimi Et Amplissimi Domini. Haan, Salzburg, 1684


Predigten

Prophetischer Willkomb. Vivian, Wien, 1676 (Zur Vermählung Leopolds)
Soldaten Glory. Thurnmeyerin, Wien, 1676 (Über den Hl. Georg)

Danck und Denckzahl Deß Achten gegen dem Drey. Haan, Salzburg, 1684 (Über die Hl. Dreifaltigkeit)
Zeugnuß und Verzeichnuß Eines Lobwürdigsten Tugend-Wandels. Haan, Salzburg, 1684 (Über Abt Anselm)


Traktate und Sammlungen

Wunderlicher Traum von einem großen Narren-Nest. Salzburg, 1703 (Narrenspiegel)
Heilsames Gemisch-Gemasch. Weigel, Nürnberg; Hertz, Würzburg; Koll, Wien (Geschichtensammlung)
Ein Karrn voller Narrn. Salzburg, 1704 (Narrenspiegel)
Huy! und Pfuy! der Welt. Hertz, Würzburg, 1707 (Lasterspiegel)
Wohlangefüllter Weinkeller. (Lasterspiegel) Würzburg, 1710
Besonders möblirt und gezierte Toten-Kapelle oder allgemeiner Toten-Spiegel 1710


Der Prediger und Schriftsteller Abraham a Sancta Clara (Ordensname), eigentlich Johann Ulrich Megerle, wurde am 04.07.1644 in Kreenheinstetten (Baden) geboren. 
Der Dichter der 1662 in das Augustinerkloster Maria Brunn/bei Wien eintrat gilt als einer der bedeutendsten Dichter der Barockzeit und hinterließ etwa 600 Einzelschriften. Nach seiner Weihe zum Priester im Jahre 1666 wurde er zum Wallfahrtsort Maria Stern zu Taxa bei Augsburg versetzt. 
Da seine Predigten große Anerkennung fanden, wurde er nach Wien zurück befohlen wo er in seinen Predigten gegen menschliche Schwächen wie Gier, Trunksucht usw. zu Felde zog. Der Schriftsteller hatte Zugang zu allerhöchsten Kreisen und nutzte seine Beziehungen um sozial tätig zu werden.
In den letzten Jahren seines Lebens war der Dichter Prior und dann Provinzial im Kloster Münzgraben in Graz. Hier entstanden viele seiner Schriften und literarischen Werke. 

Für viele Literaturwissenschaftler ist der Dichter der Begründer der deutschen Schriftsprache, der in seinen Predigten und seinem Werk die Lebensverhältnisse seiner Zuhörer bzw. Leser berücksichtigte, und sich deswegen so einer breiten Beliebtheit erfreute. 

Die schlimmen Eheleut

Nicht also kürren und schorren die Ratzen,
nicht also schreien und gmauzen die Katzen, 
nicht also pfeifen und zischen die Schlangen,
nicht also rauschen und prasseln die Flammen,
nicht also scheppern und kleppern die Rötschen, 
nicht also plurren und schnurren die Prötschen, 
nicht also brüllet der Löwen ihr Schlund, 
nicht also hauset und brauset das Meer, 
nicht also stürmet ein kriegrisches Heer, 
Nicht also reißet und tobet der Wind, 
nicht also jammert ein schreiendes Kind: 
wie zwei wankende, zankende, reißende, beißende, 
weinende, greinende, mockende, bockende, 
trutzige, schmutzige Eheleut


Der Mensch ist ein Schatten...

Der Mensch ist ein Schatten, der bald vergeht.
Der Mensch ist ein Rauch, der nicht lange währt,
er ist ein Feuer, das sich bald verzehrt.
Der Mensch ist ein Wasser, das bald abrinnt,
er ist eine Kerze, die bald abnimmt.
Der Mensch ist ein Glas, das bald zerbricht,
er ist ein Traum, er zeiget sich nicht.
Der Mensch ist ein Wachs, das bald erweicht,
er ist eine Rose, die bald verbleicht.
Der Mensch ist ein Fleisch, da bald stinkt;
er ist ein Schiffchen, das bald sinkt.


Nachtmusikanten

Hier sind wir arme Narrn
Auf Plätzen und auf Gassen
Und tun die ganze Nacht
Mit unsrer Musik passen.

Es gibt uns keine Ruhe
Die starke Liebesmacht,
Wir stehen mit dem Bogen
Erfroren auf der Wacht.

Sobald der helle Tag
Sich nur beginnt zu neigen,
Gleich stimmen wir die Laut,
Die Harfen und die Geigen.

Mit diesen laufen wir
Zu mancher Schönen Haus,
Und legen unsern Kram,
Papier und Noten aus.

Der erste gibt den Tackt,
Der andre bläst die Flöten,
Der dritte schlägt die Pauck',
Der viert stößt die Trompeten.

Ein andrer aber spielt
Theorb und Galischan
Mit gar besonderen Fleiß,
So gut er immer kann.

Wir pflegen auch so lang
An einem Eck zu hocken,
Bis wir ein schön Gespenst
Hin an das Fenster locken.

Da fängt man alsbald an
Vor der Geliebten Thür
Verliebte Arien
Mit Pausen und Suspir.

Und sollten vor der Wacht
Wir endlich weichen müssen,
So macht man, statt der Händ',
Die Läufe mit den Füßen.

Und also treiben wir´s
Oft durch die lange Nacht,
Daß selbst die ganze Welt
Ob unsrer Narrheit lacht.

Ach, schönste Phyllis, hör
Doch unser Musizieren,
Und laß uns eine Nacht
In deinem Schoß pausieren.


Epochenübersicht



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de