2013-07-18

Literaturgeschichte: Die Lyrik des Barocks- Eine Einführung+Biographien u. Leseproben



Das Wort kommt aus der portugiesischen Sprache und wurde für eine unförmig geformte Perle benutzt. (barocco)

Bauten aus der Barockzeit lassen erahnen welches Lebensgefühl die damals herrschende Klasse gehabt haben muß und welcher überbordende Prunk,
sinnenfrohe Religion und formenreiche Darstellung in den Künsten ihr Leben bestimmt hat. Es entstanden Kirchen die nicht mehr von der Strenge früherer romanischer oder gotischer Bauten bestimmt wurden sondern die von Stukkaturen, farbprächtigen Gemälden und reich verzierten Figuren geprägt sind. Licht und Schatten, Farbe und  Bewegung kennzeichnet diese Bauten. Die in dieser Zeit entstandene Paläste und Schlösser zeugen auch heute noch von der verschwenderischen Fülle des Barocks. (linkes Bild-Mittelteil des Dresdner Zwingers)

Wenn auch in Architektur und den anderen Künsten Hervorragendes geschaffen wurde so setzen sich in der Literatur wirkliche Fortschritte und


schöpferische Leistungen nur relativ langsam durch und die breite Masse der Dichter ergeht sich in poetischen Spielereien. Häufig findet man bei Gedichten des Barocks sehr lange lytische Ergüsse die eigentlich ohne wenig inhaltlicher Substanz sind und allenfalls als reines "Sprachkunstwerk" gelten können. Geschraubte Redewendungen, eine schwerfällige Sprache, die sich in pomphaften Sprachbildern ergeht, machen es den heutigen Leser schwer Zugang zur Lyrik des Barocks zu finden. 
(rechtes Bild-Berliner Zeughaus)

Große Bedeutung für die Barockdichtung hatte Martin Opitz der in seinem Buch "Von der Deutschen Poeterey" (1624) Regeln schuf die im Versmaß der deutschen Sprache entsprechen. Opitz hatte mit seinem Buch nicht nur Einfluss auf zeitgenössischen Dichter genommen sondern die Reichweite seines Werkes reicht weit ins nächste Jahrhundert hinein und war ein wichtiger Schritt zur Herausbildung einer deutschen Nationalliteratur. Opitz teilte die Poesie in Gattungen auf die feste Regeln und Formen besaßen. Diese Regeln hatten ihre Vorbilder in der Antike wurden aber auch entsprechend der literarischen Bedürfnisse geändert bzw. erweitert.

Großen Einfluss auf die Barockdichter hatte der 30jährige Krieg und die Auseinandersetzung mit Gewalt und Tod ist ein Motiv, das u.a. auch in der Lyrik, seinen Niederschlag fand.


Jenseits und Diesseits sind ein Motiv der Barocklyrik das bei zahlreichen Autoren wiederzufinden ist wobei oftmals die Hoffnung auf das Jenseits im Vordergrund steht. (Bild links-barocke Möbel)


Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die Welt

Was ist die Welt, und ihr berühmtes gläntzen?
Was ist die Welt und ihre gantze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurtzgefasten Grentzen,
Ein schneller Blitz, bey schwarzgewölckter Nacht;
Ein bundtes Feld, da Kummerdisteln grünen;
Ein schön Spital, so voller Kranckheit steckt.
Ein Sclavenhauß, da alle Menschen dienen,
Ein faules Grab, so Alabaster deckt.
Das ist der Grund, darauff wir Menschen bauen,
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm Seele, komm, und lerne weiter schauen,
Als sich erstreckt der Zirckel dieser Welt.
Streich ab von dir derselben kurtzes Prangen,
Halt ihre Lust für eine schwere Last.
So wirst du leicht in diesen Port gelangen,
Da Ewigkeit und Schönheit sich umbfast.
Auch andere lyrische Motive des Barocks werden von  Gegensetzlichkeiten bestimmt was man als Antithetik bezeichnet.

Gut und Böse

Jenseits und Diesseits
Wollust und Enthaltsamkeit
Gesundheit und Krankheit usw.

Die vorherrschende Gedichtformen der Lyrik waren, entsprechend der Forderungen von Opitz, das Sonett, 
Oden, Elegien und Epigramme.  Wie auch in anderen Epochen so kann man auch im Barock verschiedene Ströme und Stile beobachten die nicht immer streng von einander abgegrenzt werden können, sondern einen ineinander fließenden Charakter haben. (Bild rechts-M.Opitz, Reformer der barocken Literatur)

Ein wesentliche Bedeutung barocker Liebeslyrik nimmt der Petrarkismus und Manierismus ein. Die Autoren des Barocks beziehen sich auf den Italiener Francesco Petrarca (1304-1374) der das Sonett, das Mitte des 13.Jh entstand, zum literarischen Durchbruch verhalf. Die barocken Autoren versuchen Petrarca nachzuahmen (imitatio) oder mit ihm in einen Wettstreit zu treten (aemulatio) bzw.  ihr ästhetisches Vorbild zu übertreffen. (superatio) Prägend für die Liebeslyrik des Petrarkismus sind die unerfüllte Liebe, die Vergänglichkeit der Schönheit und letztendlich ein ständiges analysieren von Gefühlen oder Empfindungen. Metapher, Allegorien und Gegensätzlichkeiten ( Antithetik) sind das bevorzugte Stilmittel.

Eine weitere Stilform barocker Lyrik ist der Manierismus der dadurch gekennzeichnet ist den eigenen Stil durch Metapher oder gesuchte Wortbilder überhöht darzustellen. Überraschendes, Unwahrscheinliches vom Leser nicht voran Gedachtes, werden poetisch eingesetzt um Wirkung zu erzielen. (Pointe) 

Einen Mittelpunkt der Lyrik des Barocks bildet die geistliche Dichtung die von einigen Autoren zu einem Zentrum ihrer Dichtung wurde und die das Kirchenlied auf eine neue inhaltliche und qualitative Höhe hoben. (z.b. Fleming und Scheffler) Der Hauptvertreter der so genannten "galanten Dichtung" war Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau. 
Paul Fleming

An Anemonen, die Liebste

Anemone, meine Wonne,
meines Herzen stete Zier,
meine Klarheit, meine Sonne,
kanst du diß denn gläuben dir,
daß, was dir mein Mund verspricht,
meine mein Gemüte nicht?

Nicht so, Liebste. Laß dir sagen,
es ist ein betrogner Wahn,
der dich heißt um etwas klagen,
das dir doch nicht fehlen kan.
Was betrübt dich Zeit und Ort?
Wahre Liebe hält ihr Wort.

Nacht und Tag und alle Blicke,
gehn auf dein Gedächtnüß hin.
Was von Seufzen ich verschicke,
heiß' ich Alles zu dir ziehn.
Und die Tränen meiner Pein
send' ich, Schatz, zu dir allein.

Ach nun, Anemone, gläube,
was du dir selbselbst sagst zu,
der ich eigen bin und bleibe,
Anemone, das bist du.
Anemone, meine Zier,
du nur bist die Liebste mir!


Ein wesentlicher Aspekt der barocken Dichtung wird von der Tatsache bestimmt, das die Dichter an den feudalen und geistlichen Höfen angestellt waren und dementsprechend ihre Aufträge von ihren Dienstherren bekamen. Huldigungsgedichte, Gedichte zu allen möglichen Feiern und Jubiläen ihrer Auftraggeber sind bei vielen Dichtern des Barocks ein fester Bestandteil ihres Werkes.

Der größte Verdienst der Barockdichter liegt darin das sie allmählich die deutsche Sprache in der Literatur durchsetzten und das das Latein aus der deutschen Dichtung verdrängt wurde. Dieser Umstand und die Reform von Martin Opitz kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden, bildet beides doch eine Grundlage und Voraussetzung für die Herausbildung einer deutschen Nationalliteratur.




Quellen:  Lechner´S Literaturgeschichte des deutschen Sprachraums
                Lechner Verlag 1995 ISBN 3.85049-666-X
                Literaturwelt/ Barock




Zur Aufklärung Teil 1

Zu den Literaturepochen






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