2013-08-14

Die Lyrik von Eichendorff+ Leseproben






Eichendorff gehört ohne Zweifel zu den großen Lyrikern die Deutschland hervorgebracht hat. Viele seine Gedichte sind zum festen Bestandteil unseres nationalen Lyrikschatzes geworden und auch heute noch bekannt und verbreitet. Entgegen der Gedichte Goethes, dessen Lyrik aus dem unmittelbar Erlebten schöpft, ist die Lyriks Eichendorffs davon fast völlig frei. Auch Zeitbezüge auf politische Ereignisse, die in Eichendorffs Lebenszeit die Nation erschütterten sind in seinem lyrischen Werk nur untergeordnet zu finden. Allerdings hat der Dichter, auch lyrisch, im Befreiungskampf gegen Napoleon Stellung bezogen und sich freiwillig zu den Lützower Jägern gemeldet.
Eichendorff war ein zutiefst religiöser Mensch dessen Glaube aber frei von Dogmen war. Seine "Geistlichen Gedichte" beinhalten nicht nur Gedichte, die das Verhältnis zu Gott als Thema aufweisen, sondern Eichendorff bezieht die Natur und das menschliche Leben mit ein und ist somit weit davon entfernt in Frömmelei und Dogmatismus zu verfallen.

Seine Gedichte während der Befreiungskriege unterscheiden sich insoweit von denen anderer Dichter seiner Zeit, als das sie den Begriff des Vaterlandes nicht entstellen oder in nationale Deutschtümmelei zu verfallen.

 Soldatenlied

Was zieht da für schreckliches Sausen,
Wie Pfeifen durch Sturmeswehn?
Das wendet das Herz recht vor Grausen,
Als sollte die Welt vergehn....
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.........................

Trompeten nur hör ich werben
So hell durch die Frühlingsluft,
Zur Hochzeit oder zum Sterben
So übermächtig es ruft.

Das sind meine lieben Reiter,
Die rufen hinaus zur Schlacht,
Das sind meine lustigen Reiter,
Nun, Liebchen, gute Nacht!
Wie wird es da vorne so heiter,
Wie sprühet der Morgenwind,
In den Sieg, in den Tod und weiter,
Bis daß wir im Himmel sind!

Im Gegensatz zu den Gedichten anderer Autoren,  z.b. Gleim, fehlen dem Gedicht Eichendorffs jeder fröhliche Freiheits-Klingklang mit dem man in die Schlacht zieht, sondern Eichendorff erinnert auch an Tod und Elend des Krieges. Wie bereits eingangs erwähnt sind solche Gedichte, gemessen am lyrischen Gesamtwerk des Dichters, eher selten und sie sind es auch nicht mit denen sich Eichendorff einen festen Platz in der deutschen Literaturgeschichte eroberte.

Schon Heinrich Heine lobte in seiner "Romantischen Schule" die Naturgedichte Eichendorffs der in die deutschen Literaturgeschichte als der Dichter des deutschen Waldes eingegangen ist. Eichendorffs "Waldlyrik"  darf als Zuflucht aus der Welt der Krämer und Philister verstanden werden über die er dichtet:



Der Isegrimm

Aktenstöße nachts verschlingen

Schwatzen nach der Welt Gebrauch,
Und das große Tretrad schwingen
Wie ein Ochs, das kann ich auch.

Aber glauben, daß der Plunder
Eben nicht der Plunder wär,
Sondern ein hochwichtig Wunder,
Das gelang mir nimmermehr.

Aber andre überwitzen,
Daß ich mit dem Federkiel
Könnt den morschen Weltbau stützen,
Schien mir immer Narrenspiel.

Und so, weil ich in dem Drehen
Da steh oft wie ein Pasquill,
Läßt die Welt mich eben stehen –
Mag sies halten, wie sie will!

Diese Welt ist Eichendorff fremd und der Wald mit seiner Schönheit und Unberührtheit darf als "Gegenwelt" zu dieser verstanden werden in der der Dichter sich zurückzieht. Dies muß berücksichtigt werden wenn man das bestimmende Motiv des Waldes in der Eichendorffschen Lyrik verstehen will. Natürlich liegt in diesen Versen auch eine Portion Kritik an den gesellschaftlichen Realitäten.
Die Waldgedichte Eichendorffs leben von dem Gegensatz von Wirklichkeit und dem vermeintlichen freien und unbeschwerten Leben in Wald und Natur. 

Viele Gedichte von Brentano, Arnim oder anderer Romatiker sind heute längst vergessen während die Gedichte Eichendorffs lebendig sind und sich ungebrochener Popularität erfreuen. Der Grund hierfür ist das Eichendorff das verwirklichen konnte was andere Dichter immer anstrebten und selten erreicht haben. Der volkstümliche Ton Eichendorffscher Lyrik zeigt die große Begabung des Dichters Werke zu schaffen die voller Reiz und von einer zauberhaften Stimmung sind wie dies kaum ein zweiter Dichter deutscher Zunge erreicht hat. Bei den besten seiner Gedichte vermeint das Rauschen des Waldes und das  Plätschern des Baches zu hören und diese Werke stehen in ihrer Innigkeit und wirklich tief empfundenen Naturliebe einsam in der deutschen Literatur. An diesen Versen ist nicht gekünstelt sondern die Worte fließen harmonisch dahin -fast schon Musik werdend. Dies hat auch sicher dazu beigetragen das viele Komponisten sich von diesen Versen angezogen fühlten so das Eichendorffs Werke tausendfach vertont wurden. 
Der direkte Zusammenhang zwischen Volk/Volkstümlichkeit und der Lyrik von Eichendorff hat und wird auch in Zukunft dafür stehen, das der Dichter und sein Werk lebendig bleiben.


Leseproben 1

Leseproben 2



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