2013-08-18

Friedrich Leopold von Hardenberg (Novalis)- Leben und Werk+Leseproben




geboren:        02.05.1772 Oberwiederstedt/ Grafschaft Mansfeld     
gestorben:     25.03. 1801 Weißenfels


1790     

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Eisleben Studium der Philosophie in                     Jena wo er Friedrich Schiller kennen lernt.

1791     

Von 1791 bis 1793 Studium der Rechtswissenschaft in Leipzig
Freundschaft mit Friedrich Schlegel

1794     

Hardenberg beendet seine Ausbildung und nimmt eine Anstellung bei der                     Kreishauptmannschaft Tennstedt an. 

1796     

Anstellung bei der Saline in Weißenfels. Enge Verbindung zu Tieck.

1797     

Von 1797 bis 1799 ist Hardenberg in Freiberg um Berkwerkskunde zu                           studieren. In dieser Zeit Bekanntschaft mit Schelling. 

1799     

Salinenassessor in Weißenfels

1800     

Ernennung zum Amtshauptmann. Erkrankt am Lungenschwindsucht und                       kann die Stelle nicht mehr antreten.




Werke (Auswahl)

 Lyrik

Klagen eines Jünglings-1791 in Wielands Neuem Teutschen Merkur
Blumen 1798
Geistliche Lieder 1802
Hymnen an die Nacht (entstanden 1799/1800, herausgegeben 1800)
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren (Gedicht aus dem Romanfragment Heinrich von Ofterdingen)

Epik

Die Lehrlinge zu Sais, Romanfragment, herausgegeben 1802
Heinrich von Ofterdingen, Romanfragment, herausgegeben 1802

Philosophie

Blüthenstaub (1798 in der Zeitschrift Athenaeum von Friedrich Schlegel)
Glauben und Liebe oder der König und die Königin (1798)
Sammlung von Fragmenten und Studien, entstanden 1799–1800


Hardenberg gilt als einer der bedeutendsten Dichter der Frühromantik der in den wenigen ihn verbleibenden Lebensjahren Erstaunliches leistete. In nur relativ kurzer Zeit hatte er sich ein enormes Wissen in den Wissenschaften, in der Politik und in Recht und Religion angeeignet. Der Dichter hatte schon früh angefangen zu schreiben und bereits in seinem Frühwerk zeigt sich seine große Belesenheit. 
In all seinen Schriften strebt Hardenberg nach einer "Romantisierung der Welt" und sucht nach einer Verbindung von Wissenschaft und Kunst. 
In seinem gesamten Werk bemüht sich Hardenberg um die Vermittlung von Bildung da diese, so der Dichter, einer der eigentliche Gründe unseres Dasein ist. (Bildungsgedanke) " Wir sind auf einer Mission: Zur Bildung der Erde sind wir berufen“
Auch mhystische Einflüsse auf das Schaffen Hardenbergs, insbesondere von J.Böhme, sind unverkennbar und Novalis versucht so zu einer neuen Sicht des christlichen Glaubens zu kommen. ( Geistliche Lieder 1802)
Neben den "Geistlichen Liedern" hat Novalis noch ein größeres lyrisches Werk geschaffen das zugleich als sein Hauptwerk gilt. "Die Hymnen an die Nacht" erschienen 1800 und sind ein bedeutendes Werk der deutschen "Weltanschaungslyrik". 


Die Geistlichen Lieder

Die "Geistlichen Lieder" sind eine Sammlung von 15 Gedichten die um die Jahrhundertwende 1799/1800 entstanden. Novalis hatte den Plan eines neuen Gesangbuchs entwickelt und sein Zyklus sollte ein Teil davon werden. Nach der Auffassung des Dichters, geäußert in einem Aufsatz, sollten die Lieder einfach aber sehr poetisch sein und keine dogmatischen Forderungen enthalten. Entsprechend dieser Forderungen hat Hardenberg schlichte und volksliedähnliche Gedichte geschaffen die in der Tradition des Kirchenliedes geschrieben sind. Zahlreiche Vertonungen zeugen davon das Hardenberg sein Ziel erreicht hat. 




Leseprobe: Aus den geistlichen Liedern"



2.


Fern in Osten wird es helle,
Graue Zeiten werden jung;
Aus der lichten Farbenquelle
Einen langen tiefen Trunk!
Alter Sehnsucht heilige Gewährung,
Süße Lieb' in göttlicher Verklärung.

Endlich kommt zur Erde nieder
Aller Himmel sel'ges Kind,
Schaffend im Gesang weht wieder
Um die Erde Lebenswind,
Weht zu neuen ewig lichten Flammen
Längst verstiebte Funken hier zusammen.

Ueberall entspringt aus Grüften
Neues Leben, neues Blut,
Ew'gen Frieden uns zu stiften,
Taucht er in die Lebensfluth;
Steht mit vollen Händen in der Mitte
Liebevoll gewärtig jeder Bitte.

Lasse seine milden Blicke
Tief in deine Seele gehn,
Und von seinem ewgen Glücke
Sollst du dich ergriffen sehn.
Alle Herzen, Geister und die Sinnen
Werden einen neuen Tanz beginnen.

Greife dreist nach seinen Händen,
Präge dir sein Antlitz ein,
Mußt dich immer nach ihm wenden,
Blüthe nach dem Sonnenschein;
Wirst du nur das ganze Herz ihm zeigen,
Bleibt er wie ein treues Weib dir eigen.

Unser ist sie nun geworden,
Gottheit, die uns oft erschreckt,
Hat im Süden und im Norden
Himmelskeime rasch geweckt,
Und so laßt im vollen Gottesgarten
Treu uns jede Knosp' und Blüthe warten.


5.

Wenn ich ihn nur habe,
Wenn er mein nur ist,
Wenn mein Herz bis hin zum Grabe
Seine Treue nie vergißt:
Weiß ich nichts von Leide,
Fühle nichts, als Andacht, Lieb' und Freude.

Wenn ich ihn nur habe,
Lass' ich alles gern,
Folg' an meinem Wanderstabe
Treugesinnt nur meinem Herrn;
Lasse still die Andern
Breite, lichte, volle Straßen wandern.

Wenn ich ihn nur habe,
Schlaf' ich fröhlich ein,
Ewig wird zu süßer Labe
Seines Herzens Fluth mir seyn,
Die mit sanftem Zwingen
Alles wird erweichen und durchdringen.

Wenn ich ihn nur habe,
Hab' ich auch die Welt;
Selig, wie ein Himmelsknabe,
Der der Jungfrau Schleyer hält.
Hingesenkt im Schauen
Kann mir vor dem Irdischen nicht grauen.

Wo ich ihn nur habe,
Ist mein Vaterland;
Und es fällt mir jede Gabe
Wie ein Erbtheil in die Hand;
Längst vermißte Brüder
Find' ich nun in seinen Jüngern wieder.


15.

Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, daß der Welt Getümmel
Seitdem mir wie ein Traum verweht,
Und ein unnennbar süßer Himmel
Mir ewig im Gemüthe steht.





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