2013-08-05

Joseph Freiherr von Eichendorff- Biografie+Werke





Neben Goethe und Heine ist Eichendorff vielleicht der größte Lyriker den die deutsche Literatur hervorgebracht hat und von dem große Teile seines Werkes auch heute noch lebendig sind. Beim lesen seiner Gedichte, die oft einfach und schlicht sind, meint man das ein Hauch aus längst vergangenen Zeiten zu uns herüberweht. Die Beliebtheit seiner Dichtungen kommt auch darin zu Ausdruck, das seine Gedichte tausendfach vertont wurden. Wie groß die Kunst des von mir geschätzten Dichters ist lässt sich sehr eindrucksvoll an dem bekannten Gedicht "In einem kühlen Grunde" nachweisen. 
Eichendorff hat oft die Motive von Volkslieder genutzt um sie zu bearbeiten und schöpferisch in seine Lyrik einzubeziehen. 

Auszug aus dem Text des Volksliedes

 Da droben auf jenem Berge
da steht ein hohes Haus
da schauen wohl alle Frühmorgen
drei schöne Jungfrauen heraus
Da unten in jenem Tale
da treibt das Wasser ein Rad
das treibet nichts als Liebe
vom Abend bis wieder an denTag
..........

Was dann unter Eichendorffs Händen entsteht ist bewundernswert und  nur wenigen Dichtern Deutschlands war es vergönnt eine Volksliedbearbeitung in einer so hohen künstlerischen  Qualität zu schaffen.
Am ehesten noch Heinrich Heine (Ich weiß nicht was soll......) oder  J.W.v.Goethe mit seinem Gedicht "Heidenröslein".


In einem kühlen Grunde

In einem kühlen Grunde,
Da geht ein Mühlenrad,
Mein Liebchen ist verschwunden,
Das dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu' versprochen,
Gab mir ein' Ring dabei,
Sie hat die Treu' gebrochen,
Das Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht' als Spielmann reisen
Wohl in die Welt hinaus
Und singen meine Weisen
Und geh' von Haus zu Haus.

Ich möcht als Reiter fliegen
Wohl in die blutge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör' ich das Mühlrad gehen,
Ich weiß nicht, was ich will;
Ich möcht' am liebsten sterben,
Da wär's auf einmal still.

Schloß Lubowitz
Eichendorff wird am 10.03 1788 in Schloß Lubowitz bei Ratibor geboren. Zusammen mit seinen Geschwistern Wilhelm, Joseph und Luise verbrachte er eine sorglose Kindheit die durch den Reichtum seiner Eltern, und dem fröhlichen Wesen seiner Mutter ermöglicht wurde. Schloß Lubowitz wurde für Eichendorff zu einem Idyll das er stets in Erinnerung hatte und als Dichter oftmals auch poetisch verklärte. 
Joseph wuchs zusammen mit seinem älteren Bruder Wilhelm auf und wurde gemeinsam mit ihm von dem Pfarrer Bernhard Heinke unterrichtet. Zur Lektüre gehörten Abenteuer- und Ritterromane sowie antike Sagen. In dieser Zeit fing Eichendorff an ein Tagebuch zu führen und der kindliche Versuch eine Naturgeschichte zu schreiben ist überliefert. Dieser Versuch ist sicher mit der reizvollen landschaftlichen Umgebung von Schloß Lubowitz zu erklären, die Eichendorff für sein ganzes Leben prägte.
Als 10 jähriger verfasste Eichendorff bereits ein Trauerspiel. Den Stoff dafür fand er in der römischen Geschichte.
Zur Lektüre jener Zeit, und zu seiner Erziehung,  gehörte auch das Lesen christlicher Literatur. Eichendorff fühlte sich zeitlebens zum Christentum hingezogen das zu einem Fundament seines Lebens und Dichtens wurde.

Von 1801 bis 1804 besuchten die beiden Brüder das katholische Matthias-Gymnasium in Breslau und ab 1805 bis 1808 studierten die Beiden in Halle Geisteswissenschaften und Jura. Sie hörten bei Schleiermacher und Steffens und lasen Novalis, Tieck und Goethe. In dieser Zeit unternahm er eine Reise und  lernte die Natur des Harzes kennen. Diese Naturerlebnisse haben ihn, wie Tagebuchaufzeichnungen bewiesen, tief beeindruckt. 

Von 1807 bis 1809 hielten sich die Brüder, nur unterbrochen durch eine Parisreise, in Heidelberg auf, um ihr Studium fortzusetzen, nachdem die Universität in Halle durch Napoleon geschlossen worden war. Hier in Heidelberg brach der schlummernde Poet in Eichendorff auf. Görres, der Lieblingslehrer und das Vorbild von Eichendorff spielten für das Frühwerk des Dichters eine große Rolle. 
Eine zunächst engere Beziehung unterhielt er zu den Grafen Heinrich von Loeben, der ihn auf Novalis aufmerksam machte und der schwärmerisch einer religiösen und naturverbundenen "Ideologie" innerhalb de Romantik anhing. Eichendorff entfernte sich später von Loeben und dessen Ansichten und im Jahr 1809 löste er sich völlig von dessen Einfluß obwohl beide befreundet blieben.

Nach der bereits erwähnten Parisreise kehrte er ins Schloß Lubowitz zurück um seinen Vater bei der Verwaltung zu helfen. Bisher waren nur wenige Gedichte von Eichendorff erschienen aber in der heimatlichen Umgebung nahm er nun größere Projekte in Angriff. Unter dem Eindruck seiner Liebe zu Luise von Larisch, die später seine Frau wurde, beschäftigte er sich wieder mit seinem, schon in Heidelberg begonnenen Märchen "Die Zauberei im Herbste". 
Im Oktober 1809 unternahmen die beiden Brüder eine Reise nach Berlin und lernten dort u.a.  H.v.Kleist, Arnim und Brentano kennen. Im März trafen sie wieder auf Schloß Lubowitz ein und reisten anschließend nach Wien um ihr Studium abzuschließen und eventuell in den Staatsdienst einzutreten. Joseph von Eichendorff traf hier F.Schlegel, T.Körner und weitere Persönlichkeiten des geistigen und politischen Lebens. 

Als im Jahr 1813, nach dem Brand von Moskau und Napoleons Rückzug, der Aufruf zur Bildung von freiwilligen Truppen in Preußen erging, verließ Eichendorff Wien und folgte T.Körner und wurde Lützower Jäger. Eichendorff gehörte zu denen die am 07.07.1815 in Paris einmaschierten. Zwischen den Feldzügen von 1813 und 1815 hatte der Dichter Luise von Larisch geheiratet und in dieser Zeit entstand sein Roman "Ahnung und Gegenwart". Nachdem der Dichter aus dem freiwilligen Truppendienst ausgetreten  war wurde er in Breslau Referent im preußischen Staatsdienst. 
In verschiedenen Orten und Stellungen verblieb der Dichter bis 1843 in preußischen Diensten. 1831 war die Familie nach Berlin gezogen wo Eichendorff zum Geheimen Regierungsrat ernannt wurden war. 
Eichendorffs Haus in Berlin
Seinen Traum nach einem einigen Deutschland war Eichendorff immer treu geblieben und stand daher der restaurativen Politik nach den Befreiungskriegen skeptisch gegenüber. Allerdings hatte er auch das preußische Staatswesen als eines der bestorganisierten bezeichnet und war konsequenterweise in dessen Dienst getreten bzw. verblieben. 
Eichendorff hat einige Aufsätze geschrieben indem er seine politische Ansichten niederlegt aber mit zunehmenden Alter zog er sich immer weiter zurück und lebte nur noch für sein Werk. Die Politik und Literatur des Vormärzes lehnte Eichendorff ab und revolutionäre Bewegungen passen nicht in sein Weltbild.

Nachdem Eichendorff aus dem Staatsdienst ausgetreten war unternahm er noch einige Reisen. Als die Revolution ausbrach war der Dichter in Berlin fuhr aber schon am 19.03 nach Dresden. Erst 1850 hielt er sich wieder in Berlin auf. Am 03.12.1855 starb seine Frau Luise von Eichendorff und der Dichter verbrachte seine 2 letzten Lebensjahre bei seiner Tochter in Neisse. Hier betätigte sich der Dichter noch publizistisch. Nach einer Erkältung und einer anschließenden Lungenentzündung starb Eichendorff am 30.11. 1857.


Zahlen und Daten

1788     Geburt in Scloß Lubowitz/Ratibor/Oberschlesien
1801     Gymnasium in Breslau
1805     ab 1805 Studium der Rechtswissenschaft in Halle
1807     Fortsetzung des Studiums in Heidelberg
              Bekanntschaft mit: Arnim, Görres u. Brentano, Erste Gedichte
1811     Studium in Wien
1812     Freiwilliger in Lützowschen Freikorps 
1816     Im Preußischen Staatsdienst
1831     Regierungsrat in Berlin
1844     Wird in den Ruhestand versetzt
1857     Tod in Neiße

Werke (Auswahl)

Romane und Erzählungen, Novellen


Die Zauberei im Herbste (1808) (Märchen)
Ahnung und Gegenwart (1815)
Das Marmorbild (1819)
Aus dem Leben eines Taugenichts (1826)                     
Viel Lärmen um nichts (1833)
Das Schloß Dürande (1837)

Gedichte (1837)

Dramen

Krieg den Philistern 1824, Die Freier (1833) u.a.

Zahlreiche Aufsätze und Abhandlungen sowie Übersetzungen.


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Die Lyrik des Barocks



Quelle: Volk und Wissen- Erläuterungen zur Deutschen Literatur
              Romantik 4 Aufl.1980

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