2013-08-03

M.G.Lichtwer- Biografie und Leseprobe


Der zu seiner Zeit viel gelesene Autor war neben Pfeffel einer der bekannten Fabeldichter der Aufklärung, ist aber heute fast völlig vergessen.

Die Fabeldichtung nahm innerhalb  der Literatur der Aufklärung einen wichtigen Platz ein und der vielleicht bekannteste Vertreter dieser Literaturgattung ist Gellert. Hagedorn kann man als den Begründer der Fabeldichtung der Aufklärung bezeichnen und auch Gleim und Lessing haben Bleibendes in diesem Genre geleistet.  Die Belebung der Fabel ist wohl darauf zurückzuführen, das sie geeignet ist, auf heitere Art moralisch-kritisch auf die Gesellschaft wirksam zu werden, und geradezu ideal dem Anliegen der Dichter der Aufklärung entspricht. Dabei werden menschliche Schwächen und gesellschaftliche Unzulänglichkeiten allegorisch auf Tiere übertragen. Die Fabel ist meist kurz und erfordert daher eine zielsichere und punktuell genaue Aussage.

Lichtwer wurde am 30.01.1719 in Wurzen bei Leipzig geboren. 1737 nahm er an der Universität Leipzig ein Jurastudium auf. Ab 1743 studierte er in Wittenberg Philosophie. Danach war er in verschiedenen Beamtenstellungen tätig. Nach einem ereignisarmen Leben ist Lichtwer am 07.07.1783 in Halberstadt gestorben.

Fabeln von Lichtwer wurden in fremde Sprachen übersetzt und zu seinen Lebzeiten erschienen sie in 5 Auflagen die durchweg eine positive Resonanz fanden. Die Tugend war eine der Eigenschaften, die Lichtwer in seinen Fabeln immer wieder zum tragenden Motiv macht um so ein aufklärisches bürgerliches Tugendbild anzustreben. Seine Fabeln sind zumeist in einer einfachen Sprache verfasst und  fallen durch hohe Anschaulichkeit und  Bildhaftigkeit auf.

Durch Übersetzungen seiner Werke in fremde Sprachen, so u.a. auch ins Französische, nahm man im Ausland stärker als zuvor , den Aufbruch der deutschen Literatur wahr.
Leseprobe

Die beraubte Fabel

Es zog die Göttin aller Dichter
Die Fabel in ein fremdes Land,
Wo eine Rotte Bösewichter
Sie einsam auf der Straße fand.

Ihr Beutel, den sie liefern müssen,
Befand sich leer; sie soll die Schuld
Mit dem Verlust der Kleider büßen,
Die Göttin litt es mit Geduld.

Mehr, als man hoffte, warb gefunden,
Man nahm ihr alles,' was geschah?
Die Fabel selber war verschwunden,
Es stund die bloße Wahrheit da.
Beschämt siel hier die Rotte nieder,
Verzeih uns, Göttin, das Vergehn,
Hier hast du deine Kleider wieder,
Wer kann die Wahrheit nackend sehn?
Die Katzen und der Hausherr

Thier' und Menschen schliefen veste,
Selbst der Hausprophete schwieg,
Als ein Schwarm geschwänzter Gäste
Von den nächsten Dächern stieg.

In den Vorsaal eines Reichen
Stimmten sie ihr Liedchen an,
So ein Lied, daß Stein' erweichen,
Menschen rasend machen kann.
Hinz, des Murners Schwiegervater,

Schlug den Takt erbärmlich schön,
Und zween abgelebte Kater
Quälten sich, ihm beizustehn.
Endlich tanzten alle Katzen,
Poltern, lärmen, daß es kracht,

Zischen, heulen sprudeln, kratzen,
Bis der Herr im Haus erwacht.
Dieser springt mit einem Prügel
In dem finstern Saal herum,
Schlägt um sich, zerstößt den Spiegel,

Wirft ein Dutzend Schaalen um.
Stolpert über ein'ge Späne,
Stürzt im Fallen auf die Uhr
Und zerbricht zwo Reihen Zähne:
Blinder Eifer schadet nur.


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