2013-09-02

Lyrik des Barocks- C.H.von Hoffmannswaldau-Biografie +Leseproben



geboren:     25.12.1616 Breslau

gestorben: 18.04. Breslau

Sohn einer angesehenen Patrizierfamilie.



1636
Nach dem Besuch des Breslauer Elisabeth-Gymnasiums wechselt Hoffmannswaldau 

1636
Wechselt auf das Akademische Gymnasium Danzig. Trifft sich dort öfter mit M. Opitz. 

1638-1842
09.10. Immatrikuliert an der Universität Leiden und studiert Rechtswissenschaft. Auf einer Bildungsreise lernt er in Amsterdam A.Gryphius kennen.
Seine Bildungsreise führt ihn nach England, Frankreich und Italien. 1642 wieder in Breslau.

1643
Heiratet Marie Webersky. Aus der Ehe gehen 2 Söhne hervor.
In den folgenden Jahren ist er erfolgreich als Kaufmann tätig und häuft ein großes Vermögen an.

1647
Hoffmannswaldau wird Ratsschöffe in Breslau und gehört den Rat 32 Jahre lang an.
Von 1677-bis zu seinem Tod Ratspräses (Bürgermeister) der Stadt Breslau und Landeshauptmann des Erbfürstentums Breslau

1679
18. April: Hoffmannswaldau stirbt. Seine Grabstätte befindet sich in Breslau


Werke (Auswahl)

Hundert Grab-Schrifften, o. O. 1662

Spiel-ersinnliche Sterbens-Gedancken 1663

Kuriose Helden-Briefe und andre herrliche Gedicht, 1673

Der Getreue Schäffer (Übersetzung von Guarinis „Pastor Fido“), 1678

Deutsche Vbersetzungen vnd Getichte

Poetische Geschicht, Hochzeit-, Vermischte Gedichte, Begräbnüß Gedichte, Geistliche Oden, Poetische Grabschriften 1679–1727

Hoffmannswaldau gilt als Begründer der "galanten Dichtung " in der deutschen Literatur. Diese neue Stilrichtung beinhaltet zwar dieselben Themen wie die anderer barocker Dichter aber die Metaphorik,   (Bildung und Gebrauch von Metaphern ) wird geziert und gespreizt. (preziös) Die Sprache insgesamt ist geschmeidiger und die erotische Dichtung erhält einen mehr oder weniger frivolen Ton. Heimat dieser Stilrichtung ist Italien und Frankreich und wurde von Hoffmannswaldau und seinen Nachfolgern übernommen. 
Hoffmannswaldau ist ausschließlich als Lyriker tätig gewesen. Seine Werke wurden gesammelt und anonym veröffentlicht. Da seine Gedichte oftmals verstümmelt und entstellt wurden sah sich der Dichter veranlasst eine von ihm besorgte Ausgabe seiner Werke zu betreiben. Das Erscheinen seiner "Deutsche Übersetzungen und Gedichte" hat Hoffmannswaldau nicht mehr erlebt. 
Benjamin Neukirch (1625-1727) veröffentlichte weitere Gedichte des Dichters und seiner Nachfolger. Obwohl viele Initialen unter den Gedichten zweifelhaft sind konnte die Forschung aufgrund der überlegenen Qualität der Werke von Hoffmannswaldau eine eindeutige Bestimmung vornehmen. 

Die meisten Gedichte des Dichters entstanden zu Beginn der 40er Jahre. Hoffmannswaldau benutzt in seiner Dichtung meist die Form des Liedes, der Ode, des Sonetts oder des Epigramms. Auffallend ist bei der Kunst des Dichters das viele seiner Gedichte sehr zweideutig sind und eine erotische Deutung erlauben. Seine Lieder enden oft in einer Pointe und können ihre Nähe zum Epigramm nicht verleugnen. Der Dichter gilt als letzter große Meister des Sonetts.
Daneben hat Hoffmannswaldau viele Gelegenheitsgedichte geschaffen. 
Von den Nachfolgern ist Assmann von Abschatz (1646-1699) vielleicht als der Bedeutendste  zu nennen.


Leseprobe

Wo sind die stunden

Wo sind die stunden
Der süssen zeit/
Da ich zu erst empfunden/
Wie deine lieblichkeit
Mich dir verbunden?
Sie sind verrauscht/ es bleibet doch dabey/
Daß alle lust vergänglich sey.

Das reine schertzen/
So mich ergetzt/
Und in dem tieffen hertzen
Sein merckmahl eingesetzt/
Läst mich in schmertzen/
Du hast mir mehr als deutlich kund gethan/
Daß freundlichkeit nicht anckern kan.

Das angedencken
Der zucker-lust/
Will mich in angst versencken.
Es will verdammte kost
Uns zeitlich kräncken/
Was man geschmeckt/ und nicht mehr schmecken soll/
Ist freuden-leer und jammer-voll.

Empfangne küsse/
Ambrirter safft/
Verbleibt nicht lange süsse/
Und kommt von aller krafft;
Verrauschte flüsse
Erquicken nicht. Was unsern geist erfreut/
Entspringt aus gegenwärtigkeit.

Ich schwamm in freude/
Der liebe hand
Spann mir ein kleid von seide/
Das blat hat sich gewand/
Ich geh' im leide/
Ich wein' itzund/ daß lieb und sonnenschein
Stets voller angst und wolcken seyn.

Er schauet der Lesbie durch ein Loch zu

Es dachte Lesbie, sie säße ganz allein,
Indem sie wohl verwahrt die Fenster und die Türen;
Doch ließ sich Sylvius den geilen Fürwitz führen
Und schaute durch ein Loch in ihr Gemach hinein.

Auf ihrem linken Knie lag ihr das rechte Bein,
Die Hand war höchst bemüht, den Schuh ihr zuzuschnüren,
Er schaute, wie das Moos zinnoberweiß zu zieren,
Und wo Cupido will mit Lust gewieget sein.

Es rufte Sylvius: Wie zierlich sind die Waden
Mit warmem Schnee bedeckt, mit Elfenbein beladen!
Er sahe selbst den Ort, wo seine Hoffnung stund.

Es lachte Sylvius. Sie sprach: Du bist verloren
Zum Schmerzen bist du dir und mir zur Pein erkoren:
Denn deine Hoffnung hat ja gar zu schlechten Grund.


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