2013-09-02

Lyrik des Barocks-Friedrich Spee- Biografie und Leseproben


geboren:    25.02.1591 in Kaiserswerth

gestorben: 07. 08. 1635 in Trier

Sohn einen hohen Beamten in Köln




1603–1608
Spee erhält seine Schulausbildung am Gymnasium Tricoronatum in Köln.

1610
Er tritt in Trier dem Jesuitenorden bei.

1612
Als die Pest ausbricht wechselt er nach Fulda und legt dort sein erstes Gelübde ab.

1612-15
Philosophiestudium mit Promotion in Würzburg.
Der Wunsch nach Indien als Missionar zu gehen lehnt sein Orden ab.

1619-23
Studium der Theologie wo er im Jahr 1623 die Priesterweihe erhält.

1623–1626
Spee ist als Philosophieprofessor an der Universität Paderborn tätig.

1627
Ein Jahr am Kölner Gymnasien und an der Universität tätig. Schreibt geistliche Texte die später als "Das Güldene Tugendbuch" veröffentlicht werden.

1628
Um die Rekatholisierung durchzusetzen wird er nach Peine geschickt.

1629
Er wird vermutet das die Versuche von Spee die Peiner Bürger zu rekatholisieren der Anlass war, das ein Anschlag auf ihn erfolgte bei dem er schwer verletzt wurde.
Moraltheologe in Paderborn. Die Zulassung wurde ihm 1830 wieder entzogen weil die Inhalte seiner Lehre bei seinem Orden auf Unverständnis stießen.

1633
Professor für Kasuistik und Beichtvater der Gefängnisse und Krankenhäuser in Trier. Vermutlich beendet er hier seine Sammlung "Trutznachtigall", eine Sammlung von Gedichten und Kirchenliedern.

1635
Spee stirbt am 07.08.1635 nachdem er sich bei der Betreuung von Soldaten mit der Pest infiziert hatte.



Werke (Auswahl)

Cautio criminalis, seu de processibus contra sagas liber, Rinteln 1631

Gewissens-Buch: Von Processen Gegen die Hexen. Köhler, Bremen, 1647

Güldenes Tugendbuch, Köln 1647

Trutznachtigall oder geistlich-poetisch Lustwäldlein-bei Wilhelm Friessem in Köln 1649


Wenn heute viele Menschen den Namen Friedrich Spee hören denken sie wohl in erster Linie an den Kritiker der Folter und des Hexenwahns. Im Jahr 1631 war sein Buch "Cautio Criminalis" erschienen das von katholischer Seite her erstmalig Kritik am Hexenglauben und der Folter beinhaltete. Spee gab zu bedenken, das die Folter eventuell nicht der Wahrheitsfindung diene und das die angeklagten Frauen unschuldig sein könnten. Damit stellte er sich gegen die vorherrschende Rechtsauffassung.

Spee hat als Lyriker zahlreiche geistliche Lieder geschrieben die sich bis heute in den Gesangsbüchern gehalten haben. Sein Hauptwerk ist die nach seinem Tod erschienene eine Sammlung von 52 geistlichen Gesänge.
"Trutznachtigall oder geistlich-poetisch Lustwäldlein" zeigt das Spee ein bedeutender und selbständiger Dichter des Barocks war. Die Forschung geht heute davon aus das die Hauptmasse der Gedichte um 1630 entstanden ist. Die meisten der Gedichte waren auch vor erscheinen des Buches von 1649 weit verbreitet, da sie wie viele der Gedichte von Spee als Abschriften im Umlauf waren. Die ersten zehn Gedichte des Buches könnte man als geistliche Erotik bezeichnen. Weltliche Liebeslyrik wird ins Geistliche übertragen. Von einigen Literaturwissenschaftler wird Spee als der Schöpfer des geistlichen deutschen Liebesliedes angesehen. 
Die Gedichte waren für den geistlichen Gesang gedacht und Spee sagt selber dazu:„.....als dass Gott auch in deutscher Sprach seine Poeten hätte, die sein Lob und Namen ebenso künstlich als andere in ihren Sprachen singen und verkünden können.“
Ein großer Teil der Gedichte kreist um die Themen Liebe zu Gott, Passionsschmerz, Schöpferlob und ähnliche Inhalte die immer wieder variiert werden. 
Leseproben

Conterfey des menschlichen lebens (Aus Trutznachtigall)

1.
Ich newlich früh zu morgen/
Zur edlen sommer zeit/
Hett abgespannt all sorgen/
Vnd war geschefften queit.
Alß nun spatzirt im garten/
Stund auff ein blümlein zart/
Da wolt ich je noch warten/
Biß es vollkommen ward.


2.
Die morgenröth verschwunde/
Weil jhren purpurschein
Der helle tag vmbwunde
Mit klarheit noch so rein.
Die Sonn mit sanfften stralen
Daß blümlein vbergoß/
All blättlein thet sie mahlen/
Sampt blüets in jhrem schoß.

3.
Da gund es lieblich blicken/
Gab auch so süssen ruch/
Ein krancken möchts erquicken
So läg im letzten zug.
Ein lüfftlein lind von Athem
Rührt an daß Blümelein.
Da schwebts/ alß an ein Fadem
Gebundnes vögelein.

4.
Auff seinem stiel so mütig
Sich wand es hin/ vnd her/
So säfftig/ vnd so blütig/
Alß wär der Todt noch sehr.
O blümlein schön ohn massen/
Weil bist in deiner zier/
Von dir wil nu nit lassen
Biß zu dem abend schier.

5.
Ey wer mag auß- dan- sprechen
Dein schön- und lieblichkeit?
An dir weiß kein Gebrechen/
Bist voller zierlichkeit.
Ja Salomon der mächtig/
War nie so schön bekleid/
Wan schon er leuchtet prächtig
In pomp/ vnd herrligkeit.

6.
Vmb dich die Bienlein brummen/
Vnd hönig samblen ein/
Zu saugen sie da kommen
Die weiche wänglein dein.
Die menschenkind im gleichen
Mit lust dich schawen an/
All schönheit muß dir weichen/
Spricht warlich jederman.

7.
Wolan/ magst nun stoltziren
Du garten Sternelein/
Must endlich doch verlieren
All dein gefärbten schein.
Dich bald nur wirft entferben/
Gestalt wirst reisen ab/
Noch heut wjrst müssen sterben
Denck zeitlich nur zum Grab.

8.
Ich zwar will dich nit brechen/
Will dich wol bleiben lan:
Die sonn dich wird erstechen/
Wirst nicht so lang mehr stahn.
Halt/ halt/ wird schon bald werden/
Schon dopplets jhre pfeil/
Vnd richts gerad zur erden/
Wie lauter fewrig keil.

9.
Starck hats gespannt den bogen
Schießt ab den besten schein/
Groß hitz da kompt geflogen/
Vnd dringt mit machten ein.
Ey waß will nun beginnen
So zartes garten-blut?
Die blätlein gar erbrinnen/
Von heisser sonnen-glut.

10.
Da neigt es sich zur stunde
Verwelckt/ vnd sincket hin/
Daß jetzt noch auffrecht stunde
Mit also stoltzem sinn/
Daß blümlein/ jung von tagen
Sein hälßlein nidersenckt;
Ach/ ach/ nun muß ich klagen
Schon gar es ist erkrenckt.

11.
Die seel hats auff der zungen
Alweil wirds blasen auß:
Nun muß es sein gerungen
Mit todt/ vnd letztem strauß.
O wee der kurtzen stunden!
O wee! da schläfft es ein;
Jetzt/ jetzt ist schon verschwunden
Mein zartes blümelein.

12.
O mensch hab dir gemahlet
So gar ob augen dein/
Recht wie der todt vns holet/
Wan wir in wolstand seyn.
O nie/ nit traw der schöne
Dem fleisch vnd blut nicht traw/
Dich nur mit Gott versöhne/
Auff jhn alleinig baw.

13.
Wan schon all man dich preisen/
Vnd stehst in voller blut/
Die blätlein doch bald reisen/
Noch eh mans träumen thut.
Ein fieberlein kompt stechen
Mit seinen stralen spitz/
Da muß all krafft zerbrechen/
O wee der gschwinden hitz?

14.
Ey waß dan will brauiren
Ein schwaches pfläntzelein?
Der Todt wird bald citiren/
Fort/ fort/ dan muß es seyn.
Wan schon bist jung von jahren/
Wan schon bist hüpsch/ vnd fein/
Doch must von hinnen fahren/
Fort/ fort/ muß dennoch seyn.

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