2014-02-18

Dichter der Aufklärung: Christian Fürchtegott Gellert-Biografie+Leseproben


Geboren: 04.07.1715 Hainichen
gestorben: 13.12.1769 Leipzig

Fünfter Sohn eines Pfarrers

1729-34
Gellert wird zu großer Frömmigkeit erzogen. E besucht die Fürstenschule St. Afra in Meißen
Freundschaft mit  Gottlieb Wilhelm Rabener.
1734-1738
In Leipzig Studium der Philosophie und Theologie. Hört auch Vorlesungen über Geschichte, Dichtkunst und Beredsamkeit. Bekanntschaft mit Gottsched. Später aber gegen ihn eingestellt.
1738
Abbruch des Studiums aus finanziellen Gründen.
1739
Gellert arbeitet als Hauslehrer und Erzieher in Hainichen. Erste Veröffentlichung: »Ode auf den heutigen Flor von Rußland«.
1741
Wiederaufnahme des Studiums. (Literatur und Philosophie)
In der von Johann Joachim Schwabe herausgegebenen Zeitschrift »Belustigungen des Verstandes und des Witzes«  Ersten Beiträge von Gellert: Fabeln, Lehrgedichte, Erzählungen, Oden, Elegien und poetische Sendschreiben.
1742
Freundschaft u.a. mit Johann Elias Schlegel, Johannes Andreas Cramer, Johann Adolf Schlegel
1743
21. Februar: Baccalaureus und Magister der Weltweisheit.
1744
Privatdozent an der philosophischen Fakultät in Leipzig. Ab 1751 Vorlesungen als Professor in Poesie, Moral, Pädagogik
1745
Werke "Die Betschwestern" 1745 Lustspiel
1746
Das Lustspiel »Das Los in der Lotterie« wird veröffentlicht.
"Fabeln und Erzählungen« beginnen zu erscheinen (2 Bände, 1746–48). Zahlreiche Neuauflagen und Übersetzungen in viele europäische Sprachen
1747
Lustspiele "Die zärtlichen Schwestern", "Die kranke Frau" und "Das Orakel" erscheinen.
1751
26. April: Gellert wird in Leipzig zum außerordentlichen Professor der Philosophie ernannt.
1753
Kuraufenthalt in Karlsbad.
1754
»Lehrgedichte und Erzählungen«.
1755
Bekanntschaft mit Lessing.
1756
Bekanntschaft mit Ewald Christian von Kleist.
1757
Schwere Krankheit und Aufenthalt in Bonau bei Weißenfels.
1758
Seit dem Mai: Gellert wieder in Leipzig.
1760
 Gespräch mit Friedrich II. "Betrachtungen über die Religion".
1763
Kuraufenthalt in Karlsbad.
1768
Studentenunruhen in Leipzig. Gellert greift beschwichtigend und mahnend ein.
1769
Beginnt mit der Arbeit an der Herausgabe  "Sämtlicher Schriften".
13. Dezember: Gellert stirbt, wahrscheinlich an einem Unterleibsleiden und Tuberkulose.




Werke (Auswahl)

Die Betschwester (Lustspiel, 1745)
Das Los in der Lotterie (Lustspiel, 1746)
Die zärtlichen Schwestern (Lustspiel, 1747)
Das Leben der Schwedischen Gräfin von G*** (Roman, 2 Teile, 1747/48) 
Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen (1751)
Geistliche Oden und Lieder (1757)
Die Biene und die Henne (Fabel, 1769)



Gellert gehört zu den Dichtern der Aufklärung dessen Werk, zu mindestens in Teilen, bis heute lebendig geblieben ist. Seine Fabeln sind volkstümlich geworden und werden heute noch oft und gern gelesen. Literaturgeschichtlich steht er zwischen Gottsched und Lessing. Er steht den Initiatoren der Bremer Beiträge nahe die sich gegen Gottsched wandten.

Sein Vater, ein mittelloser Pfarrer achtete bei der Erziehung des Knaben darauf das dieser im Sinne des orthodox-religiösen Glaubens erzogen wurde und der Obrigkeit Respekt und Achtung entgegen brachte. Diese Erziehung hinterließ im späteren Werk des Dichters tiefere Spuren. 
Von 1729 bis 1734 besuchte er das Gymnasium St.Afra in Meißen, einer Einrichtung, die sich eher um den rechten Glauben der Schüler kümmerte als ihnen naturwissenschaftliche Kenntnisse zu vermitteln. Nach dem Besuch dieser klösterlichen Stätte wechselte er zur theologischen Fakultät an der Universität in Leipzig die vermutlich auch nicht gerade ein Hort der Wissensvermittlung gewesen ist. Gellert, der dem Theologiestudium gründlich nachging lehnte es ab eine Pfarrstelle zu übernehmen erlangte jedoch das Recht Vorlesungen über philosophischen Themen zu halten die einen großen Kreis von Hörern besaßen. Als Dank für seine Arbeit erhielt Gellert 1751 eine außerordentliche Professur.

Gellert war zu seiner Zeit ein in Deutschland sehr beliebter Schriftsteller. Seine Volkstümlichkeit damals und heute beruhen vor allem auf seine geistlichen Lieder und seinen Fabeldichtungen. Zwar nehmen Lustspiele einen breiten Raum in seinem Schaffen ein aber sie konnten keine tiefere Spur in der deutschen Literaturgeschichte hinterlassen und sie waren schon zu der damaligen Zeit nicht sonderlich erfolgreich. Wie Zeitgenossen berichten war Gellert eine ruhige und ausgeglichene Persönlichkeit der Stolz auf sein Bürgertum war. 
Lyrik

Von allen Werken Gellerts sind seine "Fabeln und Erzählungen" lebendig geblieben. Das Werk gehörte zu den meist gelesenen Büchern seiner Zeit und ihre Popularität ist bis heute ungebrochen. Gellert traf mit dem Buch den Geschmack seiner Zeitgenossen und die Fabeln, deren Inhalt belehrend und unterhaltend sind erfreuen auch noch den Leser. Der Dichter schreibt witzig und setzt gekonnt die Pointen. Seine Absicht belehrend auf die Menschen einzuwirken betont der Dichter in den folgenden Versen: 

Du fragst: Was nützt die Poesie?
Sie lehrt und unterrichtet nie.
Allein, wie kannst du noch so fragen?
Du siehst an dir, wozu sie nützt:
Dem, der nicht viel Verstand besitzt,
die Wahrheit durch ein Bild zu sagen.

Die Fabeln Gellerts sind anschaulich und so abgefasst, das der Inhalt auch von den weniger gebildeten Menschen verstanden wurde was sicher zu ihrer großen Volkstümlichkeit beitrug. Gellerts Kritik unterscheidet deutlich zwischen den Schwächen einfacher Menschen und den lasterhaften Auswüchsen des Adels. Habgier, Rechthaberei, Geiz, kurz die kleinen und großen moralischen Schwächen der Menschen sind die Zielpunkte seiner Angriffe. In einigen Fabeln bringt Gellert sein Verständnis für die einfachen Menschen zum Ausdruck wendet sich aber mit scharfen Worten gegen den Hochmut und Niedertracht der "Großen":


Die ihr die Niedern so verachtet,
Vornehme Müßiggänger, wißt,
Daß selbst der Stolz, mit dem ihr sie betrachtet,
Daß euer Vorzug selbst, aus dem ihr sie verachtet,
Auf ihren Fleiß gegründet ist.
Ist der, der sich und euch durch seine Hand ernährt,
Nichts Bessers als Verachtung wert?
Gesetzt, du hättest beßre Sitten:
So ist der Vorzug doch nicht dein.
Denn stammtest du aus ihren Hütten:
So hättest du auch ihre Sitten.
Und was du bist, und mehr, das würden sie auch sein,
Wenn sie wie du erzogen wären.
Dich kann die Welt sehr leicht, ihn aber nicht entbehren.

In der Fabel "Der Held und der Reitknecht" wendet sich der Dichter gegen Kriege da er erkennt, das diese aus Habsucht und egoistischen Motiven geführt werden. Die Sklaverei prangert Gellert in dem Gedicht "Inkle und Yariko" an. Wenn Gellert auch nicht, wie Jahre später H.Heine in seinem Gedicht das "Sklavenschiff" zu einer kämpferischen Aufforderung gelangt, so ist doch die Thematisierung für die Zeit des Dichters bemerkenswert. 
Die Fabeln und Erzählungen von Gellert beweisen das der Dichter den Schwachen und Unterdrückten nicht gleichgültig gegenübersteht und das er willens ist mitzuhelfen  Mißstände zu beseitigen. Die Dichtung macht deutlich das sich der Literatur  neue Aufgaben erschließen die darin bestehen Einfluß auf die geistige Entwicklung der Menschen zu nehmen. Das Rühmen und Preisen der barocken Dichtung wird, wenn auch bei Gellert noch nicht vollständig überwunden, langsam in den Hintergrund gerückt.

Ein großer Erfolg waren auch die "Geistlichen Oden und Lieder" Gellerts die im Jahr 1857 erschienen. Ein großer Teil dieser Lieder sind bis heute in den evangelischen Gesangsbüchern zu finden. Allerdings offenbaren sie auch einem gewissen Widerspruch des Dichters der einerseits in seinem Werk aufklärerische Gedanken vertritt und andererseits, in den "Geistlichen Oden und Liedern" in einigen Gedichten, durchaus dogmatische Positionen einnimmt. Gedichte wie "Der Christ" oder "Die Wachsamkeit" sind wiederum frei von jeglichen Dogma und auf Vernunft gegründet. Beide Seiten Gellerts stehen in diesem Werk nebeneinander aber kann wohl davon ausgehen, das der Dichter Religion nicht als Dogmenhörigkeit ansah sondern als eine Verpflichtung zu einem humanistischen und menschlichen Wirken was den Positionen der Aufklärung entspricht.



Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre,
Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.
Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere,
Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort.
Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne?
Wer führt die Sonn’ aus ihrem Zelt?
Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne,
Und läuft den Weg gleich wie ein Held.
Vernimm’s, und siehe die Wunder der Werke.
Die die Natur dir aufgestellt!
Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke
Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt?

Leseproben

Das Pferd und die Bremse

Ein Gaul, der Schmuck von weißen Pferden,
Von Schenkeln leicht, schön von Gestalt,
Und, wie ein Mensch, stolz in Gebärden,
Trug seinen Herrn durch einen Wald;
als mitten in dem stolzen Gange
Ihm eine Brems' entgegen zog,
Und durstig auf die nasse Stange
An seinem blanken Zaume flog.
Sie leckte von dem heißen Schaume,
Der heficht am Gebisse floß;
»Geschmeiße!« sprach das wilde Roß,
»Du scheust dich nicht vor meinem Zaume?
Wo bleibt die Ehrfurcht gegen mich?
Wie? darfst du wohl ein Pferd erbittern?
Ich schüttle nur: so mußt du zittern.«
Es schüttelte; die Bremse wich.

Allein sie suchte sich zu rächen;
Sie flog ihm nach, um ihn zu stechen,
Und stach den Schimmel in das Maul.
Das Pferd erschrak und blieb vor Schrecken
In Wurzeln mit dem Eisen stecken
Und brach ein Bein; hier lag der stolze Gaul.

Auf sich den Haß der Niedern laden,
Dies stürzet oft den größten Mann.
Wer dir als Freund nicht nützen kann,
Kann allemal als Feind dir schaden.
Inkle und Yariko

Die Liebe zum Gewinnst, die uns zuerst gelehrt,
Wie man auf leichtem Holz durch wilde Fluten fährt;
Die uns beherzt gemacht, das liebste Gut, das Leben,
Der ungewissen See auf Brettern preiszugeben;
Die Liebe zum Gewinnst, der deutliche Begriff
Von Vorteil und Verlust, trieb Inklen auf ein Schiff.
Er opferte der See die Kräfte seiner Jugend;
Denn Handeln war sein Witz und Rechnen seine Tugend.

Ihn lockt das reiche Land, das wir durchs Schwert bekehrt,
Das wir das Christentum und unsern Geiz gelehrt.
Er sieht Amerika; doch nah' an diesem Lande
Zerreißt der Sturm sein Schiff. Zwar glückt es ihm am Strande
Dem Tode zu entgehn; allein der Wilden Schar
Fiel auf die Briten los; und wer entkommen war,
Den fraß ihr hungrig Schwert. Nur Inkle soll noch leben;
Die Flucht in einen Wald muß ihm Beschirmung geben.
Vom Laufen atemlos, wirft, mit verwirrtem Sinn,
Der Brite sich zuletzt bei einem Baume hin,
Umringt mit naher Furcht und ungewissem Grämen,
Ob Hunger oder Schwert ihm wird das Leben nehmen.

Ein plötzliches Geräusch erschreckt sein schüchtern Ohr.
Ein wildes Mädchen springt aus dem Gebüsch hervor
Und sieht mit schnellem Blick den Europäer liegen.
Sie stutzt. Was wird sie tun? Bestürzt zurücke fliegen?
O nein! so streng und deutsch sind wilde Schönen nicht.
Sie sieht den Fremdling an; sein rund und weiß Gesicht,
Sein Kleid, sein lockicht Haar, die Anmut seiner Blicke
Gefällt der Schönen wohl, hält sie mit Lust zurücke.

Auch Inklen nimmt dies Kind bei wilder Anmut ein.
Unwissend in der Kunst, durch Zwang verstellt zu sein,
Verrät sie durch den Blick die Regung ihrer Triebe:
Ihr Auge sprach von Gunst und bat um Gegenliebe.
Die Indianerin war liebenswert gebaut.
Durch Mienen red't dies Paar, durch Mienen wird's vertraut.
Sie winkt ihm mit der Hand, er folget ihrem Schritte;
Mit Früchten speist sie ihn in einer kleinen Hütte
Und zeigt ihm einen Quell, vom Durst sich zu befrein.
Durch Lächeln rät sie ihm, getrost und froh zu sein.
Sie sah ihn zehnmal an und spielt an seinen Haaren
Und schien verwundernsvoll, daß sie so lockicht waren.

So oft der Morgen kömmt, so macht Yariko
Durch neuen Unterhalt den lieben Fremdling froh
Und zeigt durch Zärtlichkeit, mit jedem neuen Tage,
Was für ein treues Herz in einer Wilden schlage!
Sie bringt ihm manch Geschenk und schmückt sein kleines Haus
Mit mancher bunten Haut, mit bunten Federn aus;
Und eine neue Tracht von schönen Muschelschalen
Muß, wenn sie ihn besucht, um ihre Schultern prahlen.
Zur Nachtzeit führt sie ihn zu einem Wasserfall;
Und unter dem Geräusch und Philomelens Schall
Schläft unser Fremdling ein. Aus zärtlichem Erbarmen
Bewacht sie jede Nacht den Freund in ihren Armen.
Wird in Europa wohl ein Herz so edel sein?

Die Liebe flößt dem Paar bald eine Mundart ein.
Sie unterreden sich durch selbst erfundne Töne:
Kurz, er versteht sein Kind, und ihn versteht die Schöne
Oft sagt ihr Inkle vor, was seine Vaterstadt
Für süße Lebensart, für Kostbarkeiten hat.
Er wünscht, sie neben sich in London einst zu sehen;
Sie hört's und zürnet schon, daß es noch nicht geschehen.
»Dort«, spricht er, »kleid' ich dich«, und zeiget auf sein Kleid,
»In lauter bunten Zeug, von größrer Kostbarkeit;
In Häusern, halb von Glas, bespannt mit raschen Pferden,
Sollst du in dieser Stadt bequem getragen werden.«

Vor Freuden weint dies Kind und sieht, indem sie weint,
Schon nach der offnen See, ob noch kein Schiff erscheint.
Es glückt ihr, was sie wünscht, in kurzem zu entdecken;
Sie sieht ein Schiff am Strand, und läuft mit frohem Schrecken,
Sucht ihren Fremdling auf, vergißt ihr Vaterland
Aus Treue gegen ihn und eilt an seiner Hand
So freudig in die See, als ob das Schiff im Meere,
In das sie steigen will, ein Haus in London wäre.

Das Schiff setzt seinen Lauf mit gutem Winde fort
Und fliegt nach Barbados; doch dieses war der Ort,
Wo Inkle ganz bestürzt sein Schicksal überdachte,
Als schnell in seiner Brust der Kaufmannsgeist erwachte.
Er kam mit leerer Hand aus Indien zurück;
Dies war für seinen Geiz ein trauriges Geschick.
»So hab' ich«, fing er an, »um arm zurück zu kommen,
Die fürchterliche See mit Müh' und Angst durchschwommen?«
Er stillt in kurzer Zeit den Hunger nach Gewinn
Und führt Yariko zum Sklavenhändler hin.
Hier wird die Dankbarkeit in Tyrannei verwandelt
Und die, die ihn erhielt, zur Sklaverei verhandelt.

Sie fällt ihm um den Hals, sie fällt vor ihm aufs Knie,
Sie fleht, sie weint, sie schreit. Nichts! Er verkaufet sie.
»Mich, die ich schwanger bin, mich!« fährt sie fort zu klagen.
Bewegt ihn dies? Ach ja! Sie höher anzuschlagen.
Noch drei Pfund Sterling mehr! »Hier«, spricht der Brite froh,
»Hier, Kaufmann, ist das Weib, sie heißt Yariko!«

O Inkle, du Barbar, dem keiner gleich gewesen;
O möchte deinen Schimpf ein jeder Weltteil lesen!
Die größte Redlichkeit, die allergrößte Treu'
Belohnst du, Bösewicht! noch gar mit Sklaverei?
Ein Mädchen, das für dich ihr eigen Leben wagte,
Das dich dem Tod entriß und ihrem Volk entsagte,
Mit dir das Meer durchstrich und bei der Glieder Reiz
Das beste Herz besaß, verhandelst du aus Geiz?
Sei stolz! Kein Bösewicht bringt dich um deinen Namen;
Nie wird es möglich sein, dein Laster nachzuahmen.
Danklied

 (Aus den geistlichen Oden und Lieder)

Du bist's, dem Ruhm und Ehre gebühret;
Und Ruhm und Ehre bring ich dir.[217]
Du, Herr, hast stets mein Schicksal regieret,
Und deine Hand war über mir.

Wenn Not zu meiner Hütte sich nahte:
So hörte Gott, der Herr, mein Flehn,
Und ließ, nach seinem gnädigen Rate,
Mich nicht in meiner Not vergehn.

Ich sank in Schmerz und Krankheit danieder,
Und rief: O Herr, errette mich!
Da half mir Gott, der Mächtige, wieder,
Und mein Gebein erfreute sich.

Wenn mich der Haß des Feindes betrübte:
Klagt ich Gott kindlich meinen Schmerz.
Er half, daß ich nicht Rache verübte,
Und stärkte durch Geduld mein Herz.

Wenn ich, verirrt vom richtigen Pfade,
Mit Sünde mich umfangen sah:
Rief ich zu ihm, dem Vater der Gnade;
Und seine Gnade war mir nah.

Um Trost war meiner Seele so bange;
Denn Gott verbarg sein Angesicht.
Ich rief zu ihm: Ach Herr, wie so lange?
Und Gott verließ den Schwachen nicht.

Er half, und wird mich ferner erlösen,
Er hilft; der Herr ist fromm und gut.
Er hilft aus der Versuchung zum Bösen,
Und gibt mir zu der Tugend Mut.

Dir dank ich für die Prüfung der Leiden,
Die du mir liebreich zugeschickt.
Dir dank ich für die häufigern Freuden,
Womit mich deine Hand beglückt.

Dir dank ich für die Güter der Erden,
Für die Geschenke deiner Treu.
Dir dank ich; denn du hießest sie werden,
Und deine Güt ist täglich neu.

Dir dank ich für das Wunder der Güte:
Selbst deinen Sohn gabst du für mich.
Von ganzer Seel und ganzem Gemüte,
Von allen Kräften preis ich dich.

Erhebt ihn ewig, göttliche Werke!
Die Erd ist voll der Huld des Herrn.
Sein, sein ist Ruhm und Weisheit und Stärke;
Er hilft und er errettet gern.

Er hilft. Des Abends währet die Klage,
Des Morgens die Zufriedenheit.
Nach einer Prüfung weniger Tage
Erhebt er uns zur Seligkeit.

Vergiß nicht deines Gottes, o Seele!
Vergiß nicht, was er dir getan.
Verehr und halte seine Befehle,
Und bet ihn durch Gehorsam an!

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