2014-02-27

Liebesgedichte Biedermeier: A.Droste v. Hülshoff: An Levin Schücking (10)



A.Droste v. Hülshoff

An Levin Schücking

Kein Wort, und wär’ es scharf wie Stahles Klinge,
Soll trennen, was in tausend Fäden Eins,
So mächtig kein Gedanke, daß er dringe
Vergällend in den Becher reinen Weins;
Das Leben ist so kurz, das Glück so selten,
So großes Kleinod, einmal sein statt gelten!

Hat das Geschick uns, wie in frevlem Witze,
Auf feindlich starre Pole gleich erhöht,
So wisse, dort, dort auf der Scheidung Spitze
Herrscht, König über Alle, der Magnet,
Nicht fragt er ob ihn Fels und Strom gefährde,
Ein Strahl führt mitten er durchs Herz der Erde.

Blick’ in mein Auge - ist es nicht das deine,
Ist nicht mein Zürnen selber deinem gleich?
Du lächelst - und dein Lächeln ist das meine,
An gleicher Lust und gleichem Sinnen reich;
Worüber alle Lippen freundlich scherzen.
Wir fühlen heilger es im eignen Herzen.

Pollux und Castor, - wechselnd Glühn und Bleichen,
Des Einen Licht geraubt dem andern nur,
Und doch der allerfrömmsten Treue Zeichen. -
So reiche mir die Hand, mein Dioskur!
Und mag erneuern sich die holde Mythe,
 Wo überm Helm die Zwillingsflamme glühte.



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