2014-03-25

Dichter der Aufklärung: Johann Wilhelm L.Gleim -Biografie+Leseproben


geboren: 02.04.1719 Ermsleben

gestorben: 18.02.1803 Halberstadt



1719
Gleim wird in Ermsleben/Ostharz geboren. Er ist das 4.Kind des Obersteuereinnehmers Johann Laurenz Gleim. Gleim erhält zunächst Unterricht durch einen protestantischen Geistlichen.

1730
Besuch der Stadtschule in Wernigerode.

1731
Lyzeum in Wernigerode.

1735
Beide Eltern sterben.

1738–1740
Studiert unter zahlreichen materiellen Entbehrungen  Philosophie und Rechtswissenschaft an der Universität Halle. Freundschaft mit seinen Studienkollegen Uz, Götz und Paul Jacob Rudnick.

1741
Sekretär des Prinzen Wilhelm von Brandenburg-Schwedt in Berlin.

1744
Gleim nimmt an der Seite des Prinzen am 2. Schlesischen Krieg teil. Der Prinz fällt und Gleim wird Privarsekretär  des Fürsten Leopold von Dessau.
Anonym erscheinen "Versuch in Scherzhaften Liedern" Die 2 Bände sind der Aufklärung verpflichtet und machen Gleim bekannt. 

1745
»Der blöde Schäfer«, (Drama, Berlin).

1746
»Freundschaftliche Briefe«.

1747–1791
Sekretär des Domkapitels in Halberstadt, eine mit der Position eines Geschäftsführers vergleichbare Stelle. Er versammelt den nicht dauerhaften Halberstädter Dichterkreis um sich.

1746
»Petrarchische Gedichte«, (Berlin).

1747
Berufung zum Domsekretär in Halberstadt

1756–1757
Gleim erhält ein Kanonikat des Stifts Walbeck bei Helmstedt. Der Dichter verfasst während des 7jährigen Krieges "Preußische Kriegslieder in den Feldzügen von einem Grenadier" 

1764-74
"Lob des Landlebens", "Lieder nach dem Anakreon (1766), "Oden nach Horaz" (1769), "Lieder für das Volk" (1772), "Halladat" (1774)

1778
Erneut patriotische Lieder ("Preußische Kriegeslieder" )

1783
"Episteln" erscheinen in Leipzig

1790
"Preußische Marschlieder im May 1790"

1793
Freundschaftlicher Austausch mit Klopstock, Lessing, der Karschin, Herder, Voß und Seume u.a

1803
18. Februar: Gleim stirbt in Halberstadt.


Werke (Auswahl)

Versuch in scherzhaften Liedern (1745)
Preußische Kriegslieder in den Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier
Petrarchische Gedichte
Lieder nach dem Anakreon (1766)
Halladat oder Das rothe Buch
Preußische Kriegslieder, im März und April 1778
Gedichte nach Walther von der Vogelweide
Episteln
Preußische Kriegslieder im May 1790
Zeitgedichte vom alten Gleim
Kriegslieder im Jahr 1793
An den Mond (1794) 


Wie viele Anakreontiker seiner Zeit vermochte Gleim es nicht sich den gesellschaftlichen relevanten Problemen zu stellen und seine Lyrik ist oft engstirnig und spießig. Seine damals hochgeschätzten, sogenannten Grenadierlieder " sind schwächliche Verse die dazu noch in einem nationalistisch-patriotischen Ton geschrieben sind. Letzten Endes sind sie nur ein Loblied auf König Friedrich den II. Kann man vielen Gedichten Hagedorns echte Volkstümlichkeit nicht absprechen, die oft elegant und voll Einfälle sind, so ergeht sich Gleim oft in einem nichtssagenden monotonen Wortschwall der das Lesen seiner Gedichte ermüdend machen.

Trotzdem hat der Dichter einen großen Einfluss auf die Literatur seiner Zeit genommen und sein Beitrag zur Herausbildung eines bürgerlichen Menschenbildes ist nicht zu unterschätzen.
In den Jahren 1744/45 erschienen Gleims "Versuch in scherzhaften Liedern" die in 2 Bänden erschienen. Die Gedichte sind zum großen Teil fast identische Nachahmungen antiker Vorbilder. Um den Vorbildern so weit wie möglich zu kommen verzichtet Gleim selbst auf dem Reim. Inhaltlich werden zumeist anakreontische Themen wie Sehnsucht, Küsse, Träume oder Rosen behandelt die sich immer wieder von Gedicht zu Gedicht wiederholen. Diese ständigen Wiederholungen und Häufungen machen das Lesen nicht gerade zum Genuß und diese Art Lyrik, wenn auch gekonnt gemacht, wirkt mit der Zeit ziemlich monoton. 
Als eine Art Programm kann schon das erste Gedicht der Sammlung gelten:


Anakreon

Anakreon, mein Lehrer,
Singt nur von Wein und Liebe;
Er salbt den Bart mit Salben,
Und singt von Wein und Liebe;
Er krönt sein Haupt mit Rosen,
Und singt von Wein und Liebe;
Er paaret sich im Garten,
Und singt von Wein und Liebe;
Er wird beim Trunk ein König,
Und singt von Wein und Liebe;
Er spielt mit seinen Göttern,
Er lacht mit seinen Freunden,
Vertreibt sich Gram und Sorgen,
Verschmäht den reichen Pöbel,
Verwirft das Lob der Helden,
Und singt von Wein und Liebe;
Soll denn sein treuer Schüler
Von Haß und Wasser singen?

Gleim bedichtet den verehrten Dichter der "Weib, Wein und Gesang" besingt und sich der Wirklichkeit durch oberflächliche Vergnügungen entzieht. 
Verharmlosend werden auch ernste Themen wie Krieg und Frieden dargestellt. 


"Drum, o Deutschland 
Willst du Frieden"
Wein und Liebe
Kann ihn stiften"

Der Gedichtband enthält neben kurzen Liedern längere Verserzählungen in denen Amor, Nymphen, Faune usw. die Hauptrolle spielen und der Dichter berichtet in diesen Phantasien von seinen Liebesabenteuern. 

Zu einem aktuellen Thema nimmt Gleim zur Zeit des siebenjährigen Krieges Stellung. In seinen "Preußischen Kriegsliedern in den Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier" verfasst stellt er Friedrich den II als großen Menschenfreund und Kriegshelden dar und in seiner Begeisterung für den König blendet er das Elend und die Not des siebenjährigen Krieges fast völlig aus. Selbstverständlich, zu mindestens bei Gleim, führt "Vater Friedrich" den Krieg völlig zurecht und Gott ist wieso auf seiner Seite.
Mit den Grenadierliedern von Gleim beginnt eine deutsche Tradition von Kriegsdichtungen die im 1.WK zu perversen Auswucherungen führten in der monarchische Reimer, Kriegsgedichte schufen die an Brutalität und Primitivität kaum noch zu übertreffen sind. Aber auch schon bei Gleim findet man üble Entgleisungen und man ließt von Strömen vergossenen Blutes, Bergen von feindlichen Leichen aus dessen Schädeln man Wein trinkt.
Die "Grenadierlieder" von Gleim fanden auch bei den Kritikern seiner Zeit große Anerkennung und selbst einen Lessing verließ sein sonst sicheres Urteil. Später revidiert er seine Auffassung und distanziert sich von solcher Art "patriotischer" Lieder. 

Gleim passte sich in seinem dichterischen Schaffen immer wieder den neuen Erscheinungen und Strömungen an. Im höheren Alter erschienen noch zahlreiche Gedichtsammlungen die allerdings ohne größeres Echo blieben. In den 1772 erschienenen "Lieder für das Volk" besingt Gleim in einem moralisierenden Ton die Arbeit des einfachen Volkes. Der übrigen Liederdichtung Gleims mangelt es an Wirklichkeitsnähe und mit der Monotonie seiner Lyrik hat er keinen entscheidenden Beitrag auf dem Weg zu einer deutschen Nationalliteratur leisten können und wollen.


Leseproben


Siegeslied nach der Schlacht bei Lowositz aus

"Preußische Kriegslieder in den Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier"


Gott donnerte, da floh der Feind!
Singt, Brüder, singet Gott!
Denn Friederich, der Menschenfreund,
Hat obgesiegt mit Gott.

Bei Außig sahen wir den Held;
Wie feurig brannten wir,
Zu stehn mit ihm in Siegesfeld!
Nun stehen wir es hier.

Er ging, mit einer kleinen Schar,
Den Siegesweg voran!
Und schlug, wo Feind zu schlagen war,
Und macht uns reine Bahn!

Wir hatten Nacht, er aber nicht.
Du, hoher Paschkopoll!
Sahst ihn, im Helden Angesicht,
Den Mars und den Apoll!

Auf einer Trommel saß der Held,
Und dachte seine Schlacht,
Den Himmel über sich zum Zelt,
Und um sich her die Nacht.

Er dachte: »Zwar sind ihrer viel,
Fast billig ist ihr Spott!
Allein, wär' ihrer noch so viel,
So schlag' ich sie mit Gott!«

Das dacht' er, sahe Morgenrot,
Verlangen im Gesicht!
Der gute Morgen, den er bot,
Wie munter war er nicht!

Sprang auf von seinem Heldensitz,
Sprach: »Eh' noch Sonne scheint,
Kommt, Helden! hinter Lowositz,
Zu sehen meinen Feind!«

Da kamen Wilhelm, Bevern, Keith,
Und Braunschweigs Ferdinand!
Vier große Helden, weit und breit
Durch ihren Mut bekannt.

Auch drangen andre Helden sich
Den großen Helden nach,
Zu stehen neben Friederich,
Zu horchen, was er sprach!

Frei, wie ein Gott, von Furcht und Graus,
Voll menschlichen Gefühls,
Steht er, und teilt die Rollen aus
Des großen Trauerspiels!

Dort, spricht er, stehe Reiterei,
Hier Fußvolk! – Alles steht
In großer Ordnung, schreckenfrei,
Indem die Sonn' aufgeht.

So stand, als Gott der Herr erschuf,
Das Heer der Sterne da;
Gehorsam stand es seinem Ruf
In großer Ordnung da!

Die Sonne trat mit Riesenschritt,
Auf ihrer Himmelsbahn
Hervor, daß wir mit ihrem Tritt
Auf einmal vor uns sahn:

Ein unaufhörlich Kriegesheer,
Hoch über Berg und Thal,
Panduren, wie der Sand am Meer,
Kanonen ohne Zahl!

Und stutzten, Helden wohl erlaubt,
Nur einen Augenblick;
Ein Haarbreit schlugen wir das Haupt,
Doch keinen Fuß zurück!

Denn alsobald gedachten wir
An Gott und Vaterland;
Stracks war Soldat und Offizier
Voll Löwenmut, und stand.

Und näherte dem Feinde sich,
Mit gleichem großen Schritt,
Halt! sagte König Friederich,
Halt! da war es ein Tritt.

Er stand, besah den Feind und sprach,
Was zu verrichten sei;
Wie Gottes Donnerwetter brach
Hervor die Reiterei!

Huy! sagte Roß und Mann zugleich,
Flog mit Geprassel, ließ
Land hinter sich, bis Streich auf Streich,
Auf Panzer Panzer stieß!

Zu mutig jagte sie, zu weit,
Den zweimal flüchtgen Feind,
Der mehr durch Trug, als Tapferkeit,
Uns zu bezwingen meint.

Denn, ihrer Hitze viel zu früh,
Hemmt ihres Schwerts Gewalt
Kartätschenfeuer unter sie,
Aus tück'schem Hinterhalt!

Wie boshaft freut der Ungar sich,
Dem List, nicht Mut gelung!
Sie flieht zurück, und Friederich
Hält ihre Musterung.

Ha! Vater Bevern! riefen wir,
Uns, uns Patronen her!
Denn deinem armen Grenadier
Ist schon die Tasche leer.

Wenn er nicht Pulver wieder hat,
So hat er hier sein Grab!
Die Hunde regnen Kugelsaat
Von ihrem Turm herab!

Stürzt, sprach er, sie von ihrem Turm
Mit Bajonett herab!
Wir thaten es, wir liefen Sturm,
Wir stürzten sie herab!

Wir rissen Mauern ein, Pandur!
Erstiegen deinen Schutz!
Und boten, Tieger von Natur,
Dir in die Nase Trutz!

Du liefest, was man laufen kann;
Du sprungest in die Stadt!
Wir riefen, »Alles hinteran,
Was Herz im Leibe hat!«

Der tapfre Wilhelm aber nahm,
Und führte bei der Hand
Dich, Müller! an, und plötzlich kam
Pandur und Stadt in Brand!

Und Brüder, Braun, der Kluge wich,
Voll Helden Eifersucht;
Ließ uns und unserm Friederich
Das Schlachtfeld, nahm die Flucht.

Wer aber hat durch seine Macht
Dich, Braun! und dich, Pandur!
In Angst gesetzt, in Flucht gebracht?
Gott, der auf Wolken fuhr!

Sein Donner zürnte deinem Krieg
Bis spät in schwarze Nacht.
Wir aber singen unsern Sieg,
Und preisen seine Macht!
Anakreon aus: "Neue Lieder"

Wer war Anakreon?
Fragt' einstens Doris mich.
Er war, antwortet ich,
Er war ein Mann wie ich!
Er sang am Helikon,
Den Musen Liederchen,
Und küßte Grazien,
Und war mit ihnen froh,
Und lebt' er noch, o so
Verließ er sie für dich.
Zög' aber Doris mich
Ihm vor, o Himmel! so
Wär' in Arkadien
Kein Schäfer wohl so froh,
Und so verliebt, wie ich;
Und seine Grazien
Behielt' er wohl für sich.
Amor, ein Vogel aus: "Neue Lieder"

 Sieh, wie dort ein kleiner Amor
Auf dem Myrtenbäumchen sitzt,
Lauschend nach den Schönen siehet,
Und den Mund zum Pfeifen spitzt!

Denkt er eine, deren Herze
Nicht sein schärfster Pfeil durchdrang,
Etwa heute zu bezwingen
Mit harmonischem Gesang?

O du lieber kleiner Vogel,
Meine Magdalis ist hier!
Pfeif' ihr doch ein kleines Liedchen,
Und erpfeif' ihr Herze mir!









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