2014-10-08

Biographie G.E.Lessing- Eine Gipfelgestalt der Aufklärung


Geboren: 22.01.1729 Kamenz (Lausitz)
Gestorben: 15.02.1781 Braunschweig

Zweiter Sohn eines Pfarrers




Lessing wird zuerst von seinem Vater und dann von seinem Vetter unterrichtet um ihn auf Schule und Universität vorzubereiten.

1741
Lessing erhält eine Freistelle auf der Fürstenschule St.Afra in Meißen.

1746
Studium auf der Universität Leipzig. (Theologie, Medizin, Philologie) Hört außerdem Vorlesungen in Mathematik, Chemie und Archäologie. 

1747
Erste Gedichte. Ließt Moliere und Voltaire. Durch seinen Vetter C.Mylius macht Lessing Bekanntschaft mit dem Theaterbetrieb. Erstes Lustspiel: "Der junge Gelehrte". Lessing arbeitet auch als Übersetzer.

1748
Die Truppe der "Neuberin" führt seinen "Jungen Gelehrten" in Leipzig auf. 
Auf drängen des Vaters beginnt er ein Medizinstudium das er aber wieder abbricht. Lessing beschließt als freier Schriftsteller zu arbeiten.
Lessing bürgt für die Schulden der Neubersche Truppe. Um sich den Gläubigern zu entziehen muß er Leipzig verlassen. Er zieht nach Berlin und wird freier Mitarbeiter bei einem Zeitungsverlag.

1749
Arbeit an den Drama "Der Freigeist" 

1751
Erneuter Streit mit dem Vater über seine berufliche Zukunft. "Kleinigkeiten", eine Gedichtsammlung erscheint. In Wittenberg beginnt Lessing eine Magisterpromotion.

1752
Nach Abschluß der Promotion kehrt Lessing nach Berlin Zurück. Zahlreiche Bekanntschaften: Johann Georg Sulzer, Karl Wilhelm Ramler
Freundschaft zu: Friedrich Nicolai, Moses Mendelssohn, Ewald von Kleist

1755
Uraufführung des ersten deutschen Trauerspiels  (»Miß Sara Sampson« ) Uraufführung 10.07.1755 in Frankfurt/Oder

1756
Aufenthalt in Dresden. In Halberstadt trifft er Gleim. Im selben Jahr: Friedrich Gottlieb Klopstock und dem Schauspieler Konrad Ekhof in Hamburg.
Juli: Ausbruch des 7 jährigen Krieges. Lessing bricht eine Reise nach England ab. Er reist nach Leipzig das preußisch besetzt ist.

1758
Mai: Rückkehr nach Berlin.
Beginnt eine Bearbeitung des Faust-Stoffes. (Fragment)

1759
Lessing veröffentlicht eine Sammlung seiner Fabeln. (3 Bücher) 
Das Trauerspiel: "Philotas" erscheint.
Gemeinsam mit Rammler gibt Lessing F.v.Logaus "Sinngedichte" heraus.

1760
Die Akademie der Wissenschaften wählt Lessing zum Mitglied.

1764
Lessing ist schwer krank. Im Mai 1765 kehrt er nach Berlin zurück.

1766
Die bedeutende kunsttheoretische Schrift "Laokoon" erscheint. 

1767
Dramaturg und Berater am neu gegründeten Hamburger Nationaltheater. Lessing schreibt Theaterkritiken. "Hamburgische Dramaturgie" 2 Bände 1767-69
Im September: Das Lustspiel "Minna von Barnhelm" wird in Hamburg uraufgeführt.
Treffen mit Friedrich Gottlieb Klopstock.

1769
Nationaltheater Hamburg wird wieder geschlossen.

1770
Trifft 2 mal Herder in Hamburg

1771
Verlobung mit Eva König.
Lessing wird Mitglied der Hamburger Freimaurerloge »Zu den drei Rosen«.

1772
Uraufführung des Trauerspiels »Emilia Galotti«  in Braunschweig.

1775
Reisen nach Leipzig, Berlin, Dresden und Wien. In Wien Audienz bei Joseph d. II
Mit dem Prinzen Leopold von Braunschweig Reise nach Italien. Rückkehr nach Wien im Dezember.

1776
Rückkehr nach Braunschweig. Wird Hofrat und heiratet E.König im Oktober des Jahres.

1777
Geburt eines Sohnes der nach einigen Stunden stirbt.

1778
Tod Eva Königs.

1779
»Nathan der Weise erscheint. 1783 Uraufführung in Berlin.

1780
Die philosophische  Abhandlung »Die Erziehung des Menschengeschlechts« erscheint.

1781
15. Februar: Tod Lessings in Braunschweig.




Werke (Auswahl)

Gedichte

Kleinigkeiten Erstdruck 1751]
Sinngedichte 1771

Oden 1771

Dramen

Der junge Gelehrte    Lustspiel 1747
Die alte Jungfer         Lustspiel geschrieben 1748, erschienen 1749
Der Freigeist              Lustspiel 1749
Die Juden                   Lustspiel 1749
Miß Sara Sampson    Trauerspiel 1755
Minna von Barnhelm Lustspiel 1767
Emilia Galotti             Trauerspiel1772
Nathan der Weise      Dramatisches Gedicht, 1779

Schriften Philosophie, Theologie, Kunsttheorie

Abhandlungen von dem weinerlichen oder rührenden Lustspiele
Betrachtungen über das weinerlich Komische
Des Hrn. Prof. Gellerts Abhandlung für das rührende Lustspiel
Über das Lustspiel „Die Juden“
Briefwechsel über das Trauerspiel
Abhandlungen über die Fabel
Briefe, die neueste Literatur betreffend
Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie
Hamburgische Dramaturgie
Theologiekritische und philosophische Schriften
Gedanken über die Herrnhuter
Über die Entstehung der geoffenbarten Religion
Über die Wirklichkeit der Dinge außer Gott
Durch Spinoza ist Leibniz nur ...
Eine Parabel
Anti-Goeze
Die Religion Christi
Die Erziehung des Menschengeschlechts 




Lessing ist vor allem als Theoretiker und großer Dramatiker der Aufklärung in die Literaturgeschichte eingegangen. An dieser Stelle wird jedoch nur auf sein lyrisches Werk eingegangen, das innerhalb seines Schaffens, allerdings nur ein kleinen Raum einnimmt. Als Lyriker trat er insbesondere in seiner Jugend hervor und schuf geistreiche, der Vernunft verpflichtete Werke. Diese frühen lyrischen Werke lehnen sich oft noch an die vergangene Epoche an. So erinnern seine Sinngdichte an C. Wernicke und seine Liebesgedichte sind zumeist anakreontischer Art. Ferner entstanden Oden und Lehrgedichte in denen Lessing aber nicht über bereits Bekanntes hinausgeht.
Erst als reifer Dichter und vor allem als Dramatiker und Theoretiker schuf Lessing die Werke, die ihn zusammen mit Klopstock und Goethe, zu Begründern einer deutsche Nationalliteratur werden läßt.

Mit der Fabeldichtung hat sich Lessing sein ganzes Leben lang beschäftigt und vor allem in Prosa Beachtenswertes hinterlassen. Die frühen Fabeln erschienen gesammelt 1753 und der Dichter verurteilt in ihnen bürgerliche Denkweisen sowie die orthodoxen Anschauungen und lebensfremden Lehren der Kirche. In Form und Inhalt erinnern die Fabeln an Hagedorn und Gellert, wenn auch die Fabeln Lessings von größerer Angriffslust gegen Adel und Kirche gekennzeichnet sind.  
In den folgenden Jahren entstandenen einige theoretische Schriften in der sich Lessing mit dem Wesen und der Aufgabe von Fabeln beschäftigt. Lessing fordert von ihr: Kürze und Präzession sowie den Verzicht von Vers und Reim. 
Enthalten die Fabeln von 1753 noch Verse so verzichtet Lessing in der Ausgabe von 1759, gemäß seiner Fabeltheorie, vollständig auf das gereimte Wort. 

Mit der Fabel verwandt ist das Sinngedicht und Lessing hat diese Form, deren Kennzeichen ebenfalls Kürze und Prägnanz ist, schon während seines Studiums in Leipzig gepflegt. Die meisten seiner 200 bekannten Sinngedichte erstanden in Würzburg.  1755 erschienen 50 seiner Sinngedichte in einem Band vereinigt. Wie so oft hat sich Lessing auch mit den Epigrammen literaturtheoretisch beschäftigt. 16 Jahre später erschien die Schrift "Zerstreute Anmerkungen über das Epigramm". 
Die Epigramme Lessings sind geistreich und witzig und oftmals sind Zeitgenossen das Ziel seines Angriffs oder Spotts. 

Im Rahmen dieser Seite kann nicht weiter auf die großen Dramen und Lustspiele des Dichters eingegangen werden dessen Werke, im Gegensatz zu anderen Dichtern der Aufklärung, auf den Bühnen der Welt aufgeführt werden.


Leseproben


Lob der Faulheit

Faulheit, jetzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied bringen. -
O —  wie —  sau —  er —  wird es mir, —–
Dich —  nach Würden —  zu besingen,
Doch, ich will mein Bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut, wer Dich nur hat,
Dessen ungestörtes Leben –
Ach! —  ich —  gähn —  ich — werde matt — 
Nun —  so —  magst du —  mir`s vergeben,
Dass ich Dich nicht singen kann;
Du verhinderst mich ja dran.



Das Geheimnis



Hans war zum Pater hingetreten,
Ihm seine Sünden vorzubeten.
Hans war noch jung, doch ohne Ruhm,
So jung er war, von Herzen dumm.
Der Pater hört ihn an. Hans beichtete nicht viel.
Was sollte Hans auch beichten?
Von Sünden wußt er nichts, und destomehr vom Spiel.
Spiel ist ein Mittelding, das braucht er nicht zu beichten.
"Nun, soll das alles sein?
Fällt", sprach der Pater, "dir sonst nichts zu beichten ein?"
"Ehrwürdger Herr, sonst nichts--"Sonst weißt du gar nichts mehr?"
"Gar nichts, bei meiner Ehr!"
"Sonst weißt du nichts? das wäre schlecht!
So wenig Sünden? Hans besinn dich recht."
"Ach Herr, mit Seinem scharfen Fragen--
Ich wüsste wohl noch was."
"Nu? Nur heraus!--"Ja das,
Herr Pater, kann ich Ihm bei meiner Treu nicht sagen."
"So? weißt du etwa schon, worüber junge Dirnen,
Wenn man es ihnen tut, und ihnen nicht tut, zürnen?"
"Herr, ich versteh Euch nicht"--"Und desto besser; gut.
Du weißt doch nichts von Dieberei, von Blut?
Dein Vater hurt doch nicht?"--"O meine Mutter sprichts;
Doch das ist alles nichts."
"Nichts? Nu, was weißt du denn? Gesteh! du mußt es sagen!
Und ich versprech es dir,
Was du gestehest bleibt bei mir."
"Auf Sein Versprechen, Herr, mag es ein andrer wagen;
Das ich kein Narre bin!
Er darfs, Ehrwürdger Herr, nur einem Jungen sagen,
So ist mein Glücke hin."
"Verstockter Bösewicht", fuhr ihn der Pater an,
"Weißt du, vor wem du stehst?--das ich dich zwingen kann?
Geh! dein Gewissen soll dich brennen!
Kein Heiliger dich kennen!
Dich kenn Maria nicht, auch nicht Mariens Sohn!"
Hier wär dem armen Bauerjungen
Vor Angst beinah das Herz zersprungen.
Er weint und sprach voll Reu: "Ich weiß"--"Das weiß ich schon,
Das du was weißt; doch was?"--"Was sich nicht sagen läßt"--
"Noch zauderst du?"--"Ich weiß"--"Was denn?" "Ein Vogelnest.
Doch wo es ist, fragt nicht; ich fürchte drum zu kommen.
Vorm Jahre hat mir Matz wohl zehne weggenommen."
"Geh Narr, ein Vogelnest war nicht der Mühe wert,
Das du es mir gesagt, und ichs von dir begehrt."


Ich kenn ein drolligt Volk, mit mir kennt es die Welt,
Das schon seit manchen Jahren
Die Neugier auf der Folter hält,
Und dennoch kann sie nichts erfahren.
Hör auf, leichtgläubge Schar, sie forschend zu umschlingen!
Hör auf, mit Ernst in sie zu dringen!
Wer kein Geheimnis hat, kann leicht den Mund verschließen.
Das Gift der Plauderei ist, nichts zu plaudern wissen.
Und wissen sie auch was, so kann mein Märchen lehren,
Das oft Geheimnisse uns nichts Geheimes lehren,
Und man zuletzt wohl spricht: War das der Mühe wert,
Daß ihr es mir gesagt, und ichs von euch begehrt?

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