2015-10-14

Biographie von Christoph Friedrich Nicolai

Christoph Friedrich Nicolai, auch Nickolai, ( 18. März 1733 in Berlin; † 8. Januar 1811 ebenda) 

war ein deutscher Schriftsteller, Verlagsbuchhändler, Kritiker, Verfasser satirischer Romane und Reisebeschreibungen, Regionalhistoriker, Hauptvertreter der Berliner Aufklärung, Freund Lessings, Zelters und Mendelssohns, Gegner Kants und Fichtes.

Nicolai verstand sich als Aufklärer, eignete sich ein umfangreiches Wissen im Bereich der Geisteswissenschaften an und führte einen regen Briefwechsel mit Größen der Epoche. Er verfasste daraufhin eigene Schriften und wurde ein wichtiger, wenn auch nicht unumstrittener Vertreter der protestantischen Aufklärungstheologie.




1755 erschienen Nicolais Briefe über den itzigen Zustand der schönen Wissenschaften in Deutschland, die ihn in weiten Kreisen bekannt machten. Im selben Jahr erschienen auch die gemeinsam mit dem befreundeten Gotthold Ephraim Lessing herausgebrachten Briefe, die neueste Literatur betreffend (in insgesamt 24 Teilen von 1759 bis 1765). Die zum dritten von Nicolai herausgegebene Allgemeine deutsche Bibliothek (nach 1793 Neue allgemeine deutsche Bibliothek) gewann bald den Status des wichtigsten Organs der Aufklärung in deutscher Sprache. Hierin wurden von zeitweilig mehr als 150 Mitarbeitern alle wichtigen Veröffentlichungen der Zeit rezensiert. Insgesamt wurden über 80.000 Neuerscheinungen besprochen. Mit dem ebenfalls befreundeten Moses Mendelssohn wurde sodann ab 1759 eine Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste in zwölf Bänden herausgebracht. 1766 gelang es ihm, für die Allgemeine deutsche Bibliothek Johann Gottfried Herder als Mitarbeiter zu gewinnen, mit dem aber infolge unüberbrückbarer Differenzen 1774 ein Zerwürfnis einsetzte. Nicolai war Freimaurer als Mitglied der Berliner Loge „Zur Eintracht“, einer Tochterloge der Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ und Gründer der Berliner Mittwochsgesellschaft sowie maurerischer Forscher. Ein literarischer Streit, unter anderem mit Herder und Johann Georg Hamann, der Nicolai ironisch bekämpfte, z. B. über den Baphomet der Tempelherren, setzte im Jahr 1782 ein. Baphometus war anschließend die Bezeichnung Herders für Nicolai, welcher dieses angebliche geheime Idol der Templer als gnostische „Taufe der Weisheit“ bezeichnete. Hamann nannte ihn Coelius nach dem Freund Ciceros, Marcus Coelius Rufus, oder Nabal (Vetter) bzw. Nickel oder Nothankernach Nicolais Roman „Das Leben und die Meinungen …“. Nicolai wurde 1783 Mitglied der Illuminaten. In diesem Zusammenhang wird Nicolai oft fälschlich der Gesellschaftsname „Diocletian“ zugeschrieben; richtig ist jedoch nach Quellenlage vielmehr „Lucian“. Mitte 1785 ernannte man ihn dort zum Regenten und Präfekten von Berlin.

1781 wurde er auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München und 1798 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1804 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Russische Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg aufgenommen. Den Doktor der Philosophie honoris causa erhielt er 1799 von der Universität Helmstedt.


Die Publikationen Nicolais stehen allesamt im Zeichen der Aufklärung und widersetzen sich einem Christentum, das die Aufklärung als irrational verstand: Sowohl in mystischer oder pietistischer als auch dogmatischer Variante wird dieses abgelehnt, wie auch gegen den Jesuiten-Orden und alle anderen tatsächlichen oder vermeintlichen Feinde der Aufklärung vorgegangen wurde. In der Philosophie wurde für den dem Denken Leibnizens und Wolffs nahestehenden Nicolai dann die Transzendentalphilosophie Kants zum Objekt der Kritik, wie der aufkommende Idealismus Fichtes. Literarisch schließlich geriet schon Herder in Nicolais Kritik, später dann die Literatur des Sturm und Drang, der Klassik und der aufkommenden Romantik. Nicolais Mittel der Kritik war hier in der Regel die Polemik, was oft zuerst heftige Reaktionen der Betroffenen auslöste und dann in literarische Dispute ausartete, die häufig von beiderseitiger Rechthaberei gekennzeichnet waren. Bekannt geblieben hiervon ist die Auseinandersetzung mit dem jungen Goethe, dessen Werther Nicolai unter dem Titel Freuden des jungen Werthers 1775 eine um Larmoyanz erleichterte Variante mit „glücklichem Ausgang“ gegenüberstellte, was Goethe veranlasste, mit einem bösen Gedicht zu replizieren, „Nicolai auf Werthers Grabe“.

Goethe wie auch der vorher angegangene Herder vermochten aber dennoch, Leben und Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker, eine der wenigen fiktionalen literarischen Werke Nicolais, als Zeitdokument zu würdigen – was unter den Zeitgenossen ansonsten eher Ausnahme blieb. Vom Sturm und Drang bis zur Romantik wurde er als platter Rationalist verspottet. Über die Zeit gerieten, manchmal von anfänglich inniger Freundschaft ausgehend, auf diese Weise unter anderem Johann Georg Hamann, Johann Caspar Lavater, Christoph Martin Wieland, Johann Heinrich Voß, Johann Heinrich Jung-Stilling und Ludwig Tieck zu Gegnern des streitbaren Nicolai. Johann Georg Jacobi warb 1779 sogar bei Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Wieland und Goethe erfolgreich für eine Widerstandsfront gegen Nicolai, Fichte ließ sich zu der Schrift Friedrich Nicolais Leben und sonderbare Meinungen. Ein Beitrag zur Literaturgeschichte des vergangenen und zur Pädagogik des ausgehenden Jahrhunderts (1801) hinreißen.

Auch Nicolais Reiseschilderungen Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im Jahre 1781 und Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam kommen ohne die aufklärerische Polemik nicht aus, enthalten darüber hinaus aber zahlreiche geographische, wirtschaftliche, politische und kulturelle Beobachtungen. Von Bayern zeichnete Nicolai ein Bild der Rückständigkeit: mehrheitlich lebten dort „dummbigotte Menschen“, die ihre Tage mit „elendem frömmelndem Müßiggang“ verbrächten. Über den Charakter der Bayern urteilte er: „Sie sind rohe Kinder der Natur, unverwöhnt, voll Trieb, voll Kräfte, die nur recht geleitet zu werden bedürfen.“

Heinrich Heine, der ihn für einen „schlechten Schriftsteller“ hielt, urteilte später gleichwohl: „wir müssen doch eingestehen, daß der alte Nicolai ein grundehrlicher Mann war, der es redlich mit dem deutschen Volke meinte, und der aus Liebe für die heilige Sache der Wahrheit sogar das schlimmste Martyrtum, das Lächerlichwerden, nicht scheute.“




Auszug aus der Biographie des J.G.Herder aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Freie Dokumentation lt. GNU-Lizenz
Eine Autorenliste ist auf Wikipedia verfügbar

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