2017-09-02

Biographie von Gerhard Anton von Halem- Leben und Werk


Gerhard Anton von Halem (* 2. März 1752 in Oldenburg ; † 4. Januar 1819 in Eutin) war ein deutscher Schriftsteller, Jurist und Oldenburgischer Verwaltungsbeamter.

Halem wurde im damals zu Dänemark gehörenden Oldenburg geboren. Seine Eltern waren der Stadtsyndikus und Justizrat Anton Wilhelm von Halem (1711–1771) und dessen Ehefrau Magdalena Sophia Wardenburg (1733–1809). Nach dem frühen Tod seines ersten Sohnes, legte sein Vater Wert auf eine gute Ausbildung seines verbliebenen Sohnes, auch um diesen möglichst schnell in eine Einkommen sichernde, aber auch Ansehen verleihende berufliche Position zu bringen. Halem hatte dadurch früh Zugang zur Bibliothek seines Vaters. Zunächst wurde er durch Hauslehrer unterrichtet und besuchte ab 1761 die Lateinschule in Oldenburg. Hier erhielt er erste literarische Eindrücke durch seinen Lehrer Johann Michael Herbart, mit dem er zeitlebens befreundet blieb. Bereits im Alter von 16 Jahren besuchte er die Brandenburgische Universität Frankfurt an der Oder und später die Universität Straßburg. Sein Leben war aber nicht nur durch die Erziehung zum juristischen Beruf bestimmt, sondern er sollte zugleich bürgerliche Tugenden entwickeln, um als akademisch ausgebildeter Leistungsträger neben dem beruflichen Aufstieg auch soziale und gesellschaftliche Geltung zu erlangen. So unternahm er mit seinem Vater Reisen nach Bremen, Hamburg und Holland, besuchte eifrig Theater und Konzerte, reiste während seines Studiums nach Berlin und erlernte die italienische Sprache. Nach einem Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar promovierte er bereits mit 18 Jahren zum Dr. jur. in Kopenhagen.

Nach der Rückkehr nach Oldenburg unterstützte er zunächst seinen Vater in dessen Kanzlei und übernahm nach seinem Tod 1771 die Geschäfte und die Ernährung der hinterbliebenen Familie.

Halem blieb die meiste Zeit seines Lebens im Dienste des Herzogs Peter Friedrich Ludwig. 1807 wurde er zum Leiter der Regierungskanzlei und des Konsistoriums ernannt und erreichte damit seinen Karrierehöhepunkt. Als Oldenburg 1811 dem Französischen Kaiserreich einverleibt wurde (→ Oldenburgische Franzosenzeit), bot der Herzog Halem an, diesen ins russische Exil zu begleiten. Halem lehnte dies jedoch mit der Begründung seines fortgeschrittenen Alters ab und trat unter Verlust seiner bisherigen Ämter zunächst als Richter beim Oldenburger Tribunal in französische Dienste. 1812 musste er nach Hamburg wechseln und wurde dort Mitglied des Kaiserlichen Gerichtshof (Cour Impériale) der drei Hanseatischen Departements. Selbst als Hamburg in den Wirren der Befreiungskriege nach kurzzeitiger Besetzung durch alliierte Truppen von den französischen Truppen zurückerobert wurde, kehrte Halem in sein Amt am Kaiserlichen Gerichtshof in Hamburg zurück.

Ein Grund dafür ist darin zu sehen, dass Halem große Hoffnungen in neue französische, geordnete, aufgeklärte und bürgerliche Rechtsprechung hatte, zumal er selbst in Oldenburg eine Reform in diese Richtung umzusetzen versuchte. Als Jurist verfolgte er die Entwicklung der Rechtsprechung im revolutionären Frankreich. Die Einführung des Code civil auch in den angegliederten Departements in Norddeutschland begrüßte er in einer inhaltlich überlieferten Ansprache.

Nach der Niederlage Napoleons und der darauffolgenden Restauration wurde Halem Erster Rat der Regierung in Eutin im Fürstentum Lübeck, welches zu Oldenburg gehörte, da nach den Befreiungskriegen die Wiederanstellung wegen seiner frankophilen Haltung und des Argwohns - auch in der Öffentlichkeit - gegen seine anhaltende „Franzosenfreundlichkeit“ entgegen seiner Hoffnung nicht möglich erschien. In Eutin war er seit März 1814 als Justizrat in der obersten Behörde dieses Landesteils tätig. Welches Ansehen von Halem bei dem wiedergekehrten Herzog gehabt haben muss, zeigt die Tatsache, dass Peter Friedrich Ludwig im Zuge dieser Versetzung die Privatbibliothek seines Beamten käuflich erwarb und in das Eutiner Schloss bringen ließ, wo Halem diese Sammlung von 8000 Bänden weiter nutzen konnte. Die Bibliothek Halems bildet den Grundstock der heutigen Eutiner Landesbibliothek.

Mit Gerhard Anton Gramberg, Landarzt in Oldenburg und herzoglicher Leibarzt, mit dessen Töchtern Frederike Wilhelmine und Sophie er in zweiter und dritter Ehe vermählt war, war er freundschaftlich verbunden. Mit diesem gab er verschiedene Zeitschriften von regionaler Bedeutung heraus.

Nachdem Helm bereits früh mit Literatur in Berührung kam und starkes Interesse an dieser Kunstform entwickelte, schreib er bei einer Reise ins Modebad Pyrmont eine erste Erzählung, die 1778 von Heinrich Christian Boie ins Deutsche Museum aufgenommen wurde und ihm Boies langjährige Freundschaft einbrachte.

In den 1780er Jahren erlangte er durch seine Veröffentlichungen Deutschen Museum aber auch im Göttinger Musenalmanach und im Musen-Almanach von Johann Heinrich Voß einem größeren Publikum bekannt. Seine deutschen poetische Vorbilder waren vor allem Wieland und Klopstock, Gleim und Gellert. Von den seinerzeit modischen Engländern wurden neben Ossian (Macpherson) insbesondere Sterne, Young und Pope rezipiert. Seine frühe Versepik, Kurzprosa und Lyrik vereinigte er erstmals in der 1789 veröffentlichten Sammlung Poesie und Prose.

Neben Lyrik, Prosastücken und zahlreichen Aufsätzen zu einer großen Bandbreite von Themen enthält sein Werk eine dreibändige Geschichte des Herzogthums Oldenburg, die in ihrer Darstellung an die Osnabrückische Geschichte von Justus Möser angelehnt ist. Des Weiteren schrieb Halem Biographien des aus Oldenburg stammenden Generalfeldmarschalls in russischen Diensten, Burkhard Christoph von Münnich, und Peters des Großen. Erstaunlicherweise war das Echo auf diese Werke in Schweden, Russland und Frankreich größer als in Deutschland. Aufgrund ihres Quellenreichtums gilt die letztgenannte Schrift nicht nur als erste wissenschaftliche Darstellung Peters, sondern auch als wichtiges Hilfsmittel der heutigen russischen Geschichtsforschung.

Das von Ludwig van Beethoven komponierte Lied Gretels Warnung (aus Sechs Gesänge für Singstimme und Klavier, op. 75/4, komponiert 1795, fertiggestellt 1809) basiert auf einem Gedicht von Halem. Dieses Gedicht ist thematisch wie stilistisch an Gottfried August Bürgers Des Pfarrers Tochter von Taubenhain angelehnt.

Werke (Auszug)

1786: Wallenstein, ein Schauspiel Göttingen 1786 (Dramatischer Text)

1787-97: Blätter vermischten Inhalts, Gerhard Anton von Halem und Gerhard Anton Gramberg, Oldenburg (Zeitschrift)

1789: Poesie und Prosa (Gedichte und Aufsätze)

1791: Blicke auf einen Theil Deutschlands... Hamburg 1791 (Reisebeschreibung) (kommentierte Neuausgabe Bremen 1990)

1792: Andenken an Oeder (Gedicht/Nachruf)

1794: Dramatische Werke - enthält eine 2. Fassung des Wallenstein (Dramatische Texte)

1794–1796: Geschichte des Herzogthums Oldenburg (Historiographische Gesamtdarstellung)

1798: Blüthen aus Trümmern (Gedichte)

1803–1804: Leben Peters des Großen (Biographie)

1810: Jesus, der Stifter des Gottesreiches (Epos)

1812: Magazin für das Civil- und Criminal-Recht des Kaiserreiches Frankreich (Zeitschrift)

1813: Töne der Zeit (Gedichtsammlung)

1816: Vernunft aus Gott... (Gedichtsammlung)





Auszug aus der Biographie des G.A.v.Halem aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Freie Dokumentation lt. GNU-Lizenz

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